Babylon Berlin Staffel 5 – Gelingt das Finale der deutschen Vorzeigeserie? Review

Staffel 5 beginnt mit einem Paukenschlag: Hitlers Machtergreifung, der 30. Januar 1933 ist der finale Anfang vom Ende. Doch Rath und sein komischer Geheimrat wollen das nicht wahrhaben und planen Hitler doch noch zu stoppen. Möglicherweise kann dabei auch die Krankenakte Hitlers von 1918 eine entscheidende Rolle spielen. Denn vielleicht könnte man ihn „entzaubern“, wenn bekannt würde, dass er seine damalige Blindheit nur simulierte. An dieser Stelle deutet sich bereits mein größtes Problem mit der 5. Staffel an: Sie ist erstaunlich viel Fiktion und wir kennen trotzdem bereits das Ende.

Die Geschichte rund um die Krankenakte und die angeblich brisanten Inhalte ist ein weitgehend widerlegter Mythos, den die Serie wie einen Fakt darstellt. Das könnte ich noch verzeihen, doch der fiktive Anschlag auf Hitler rund um den Reichstagsbrand geht mir zu weit. Vor allem muss man sich eines fragen: Wir alle wissen, wie die Geschichte ausging. Wie spannend kann dann ein Anschlag und dessen Planung sein, wenn der Ausgang ohnehin bekannt ist? Wenn man das wirklich gut inszeniert, mag das vielleicht klappen, aber die Ausführung ist so dumm und dilettantisch, dass ich mir nur noch an den Kopf fassen wollte.

Doch ich möchte nochmal einen Schritt zurückgehen. Denn den Stab über die Serie möchte ich nicht brechen. Denn sie brilliert in ihrer 5. Staffel weiterhin mit guten Kulissen, authentischen Darstellern (bis auf Gereons Kölsch) und einer fantastischen Atmosphäre. Die Diskrepanz zwischen rauschenden Festen und Machtübernahme der Nazis in allen Bereichen ist hervorragend gelöst. Schrittweise und doch plötzlich verlieren die Menschen all ihre Freiheiten. Diese bekannten Babylon Berlin typischen Szenen gibt es weiterhin und sie wirken in dieser politischen Atmosphäre nicht fehl am Platz, nein, sie unterstreichen viel mehr die Bedrückung und die Beklemmung. Bald wird das alles nicht mehr gehen, bald wird alles vorbei sein.

Der Kriminalfall rund um Charlotte ist ebenfalls durchaus interessant, aber unbefriedigend, weil er speziell gegen Ende komplett und erwartbar in den Hintergrund gedrängt wird. Dort kommt es zu einem weiteren Ärgernis meinerseits: Die Paar-Chemie zwischen Gereon und Charlotte hat ohnehin nie gepasst, aber wie sie sich dann finden und innerhalb von 0,2 Minuten wieder auseinanderleben, ist faul umgesetzt. Es wirkt, als seien Volker Bruch und Lisa Liv Fries fast nie zusammen am Set gewesen. Doch das wäre ich alles bereit zu verzeihen. Wenn das Ende besser wäre. Ja, die Rede im Reichstag ist cool und man kann sie wunderbar auf die heutige Gegenwart übertragen. Generell ist die 5. Staffel ein erschreckendes Zeitdokument, eine Parabel auf unsere Gegenwart und ein flammender Appell (an die linken Parteien und die Gesellschaft) Diskrepanzen zu überwinden und sich gegen einen Feind zu verbünden. All das gelingt der Staffel sehr überzeugend.

Was erneut nicht funktioniert, ist der CGI-Showdown. Hat man nicht aus der Zuggeschichte von Staffel 2 gelernt? Warum muss ein Serienfinale CGI-intensiv sein, wenn man es nicht schön hinbekommt? Das verstehe ich einfach nicht. Doch mein größtes Problem mit der Staffel bleibt die fehlende Authentizität. Man kann doch keine Serie mit den Voice-Overn der Charaktere beenden, die Menschen spielen, die es wirklich gegeben hat und ihren weiteren Werdegang kurz schildern, sich aber zuvor so viele historische Freiheiten nehmen. Fand man wirklich keine bessere Storyline als diesen geplanten Anschlag auf Hitler? Das ist enttäuschend und führt ultimativ zu einer Dissonanz, die für mich nicht funktionierte. Deshalb bleibt am Ende die Enttäuschung zurück. Ich mochte einiges an Staffel 5, aber die finalen Storylines waren nichts. Man hätte sich der Geschichte und der Wahrheit mehr verpflichtet fühlen sollen. Gerade angesichts der historischen und aktuellen Gravitas, die man selbst aufbaut.

„Babylon Berlin“ ist eine interessante und spannende Serie, die eine Zeitepoche zum Leben erweckt, die selten in Film und Fernsehen porträtiert wird. Die Produktion, die Kulissen und auch die Inszenierung sind meist gut und vor allem stimmt die Atmosphäre. Leider stehen das zu häufige Nutzen von schlechtem CGI und einige Handlungsstränge (die ganze Hypnose Nummer) auf nicht so sattelfesten Füßen. Dennoch ist der deutsche Exportschlager eine sehenswerte Serie – mit Abstrichen.

74/100
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