„Teach You a Lesson” ist eine polarisierende koreanische Dramaserie im Schulmilieu, die auf einem Webtoon basiert. Mit Action-, Rache- und Comedyelementen wird eine Story erzählt, die sich gesellschaftskritisch mit Gewalt, Mobbing, Drogenhandel und vielen weiteren Problemen an Südkoreas Schulen beschäftigt. Allerdings werden diese Missstände nach dem „Auge um Auge”-Prinzip von einer fragwürdigen neuen Behörde bekämpft. Funktioniert das als Serie?
Die Antwort ist ein „Ja”, allerdings mit Einschränkungen. Denn „Teach You a Lesson” schafft es durch seine versierte Machart hervorragend den Blick auf die zahlreichen Probleme in Koreas Schulsystem zu werfen. Doch die Lösung dafür ist extrem zweifelhaft: Denn auf Gewalt wird mit Gewalt reagiert, die neu zusammengestellte „Eingreiftruppe” aus Ex-Militärs „erteilt Lektionen”. Doch von vorne:
„Teach You a Lesson” bietet in jeder Folge einen neuen Problemfall an einer Schule und fühlt sich deshalb sehr formelhaft an. Allerdings gibt es auch eine übergeordnete Handlung, die sich stark an Rache orientiert. Kern einer jeden Folge ist Missstände an einer Schule aufzuzeigen. Im ersten Teil der jeweiligen Episode werden diese teils äußerst brutal ausgespielt und mit melancholischer Musik unterlegt, so dass einem die Fälle durchaus an die Nieren gehen können – vor allem, weil einige davon leider in der Realität beheimatet sind. Es geht um brutales Mobbing unter Schülern, so dass sie Selbstmord begehen. Gehänselte Schüler werden zu „Runnern” für Drogenhändler. Andere werden ausgenutzt und anderweitig gemobbt, die Täter schaffen aber eine Täter-Opfer-Umkehr, indem sie das aktuelle Mobbing-Meldesystem Koreas ad absurdum führen. Generell stürzt sich die Serie auf die zahlreichen institutionellen Probleme, die sie im koreanischen Schulsystem ausgemacht hat. Speziell positioniert sich die Serie überwiegend als Advokat für die Lehrer, die kaum noch Rechte oder Möglichkeiten haben. In einer Folge hat zwar selbst ein Lehrer Dreck am Stecken, im Allgemeinen geht es aber eher darum, dass diese selbst terrorisiert werden. Von Schülern und von Eltern. In jeder Folge wird ein neues Problem zunächst ausgiebig in den rund einstündigen Episoden präsentiert. Im zweiten Teil der jeweiligen Folge tritt dann die Eingreiftruppe auf den Plan und rächt sich stellvertretend an den Unruhestiftern. Wird gemobbt, dann wird zurück gemobbt. Wird terrorisiert, dann wird zurück terrorisiert. Wird geschlagen, dann wird zurückgeschlagen. Stellvertretende Selbstjustiz (aber legitimiert), wenn man so möchte und logisch eingebettet in eine koreanische Filmlandschaft, die Rachegeschichten liebt.
Diese „Auge um Auge”-Idee kann man noch irgendwo in Ordnung finden, wenn eine Mutter, die zuvor eine Lehrerin mit ständigen Nachrichten und Anweisungen zu allen Uhrzeiten terrorisiert hat und fast in Selbstmord trieb, dem nun spielerisch selbst ausgesetzt wird, um ihr die Augen zu öffnen. Wenn allerdings die Schüler blutig geschlagen und von dem „Lehrpersonal” erniedrigt werden, tritt das den guten Geschmack mit Füßen. Deshalb muss sich die Serie den Vorwurf der autoritären Fantasie gefallen lassen. Die Rachesequenzen sind zwar stilistisch überhöht und comichaft dargestellt, wodurch sie sich der Realität in gewisser Weise entziehen. Doch das reißt die Serie selbst ein, indem sie die Eingreiftruppe in die realistisch wirkende politische Landschaft Koreas integriert. Immer wieder gibt es Schlagabtäusche auf politischer Ebene, es geht darum, ob die Eingreiftruppe politisch legitimiert werden soll oder nicht. Dieser Spagat ist deshalb schwierig und gelingt nicht wirklich. Was aber gelingt, ist es Aufmerksamkeit zu schaffen. Und vielleicht gelingt das durch diesen überharten, überinszenierten und verrückten „Lösungsansatz” besser, als wenn man nach echten Lösungen suchen würde. Das wäre zwar pädagogisch sinnvoller, aber ohne die Action-, Comedy- und Racheelemente würden die Serie viel weniger Menschen sehen. Mein wohlwollender Blick ist deshalb, dass die Serie großartig auf Missstände hinweist und damit ein breites Publikum erreicht. Teil der Lösung sollten die dargestellten Methoden keinesfalls sein, aber vielleicht können durch die Empörung die institutionellen Probleme des Schulsystems in der koreanischen Politik besser beleuchtet werden. Manchmal muss man schockieren, damit man gehört wird. Die Serie kann man als klaren Auftrag an die Politik verstehen, selbst vernünftige Methoden zu entwickeln.
Fernab dieser politischen Dimensionen, die wir „aus dem Elfenbeinturm” in Deutschland distanziert betrachten können (obwohl wir natürlich auch Probleme mit Gewalt an Schulen, Mobbing oder der Frage, wie man mordende strafunmündige Kinder belangt, zu tun haben), stellt sich noch die Frage, wie unterhaltsam die Serie ist. In diesem Bereich kann man kaum meckern. Die Klaviatur eines ausgefeilten Genremix wird gekonnt gespielt. Die Inszenierung ist stark, Produktion und Darsteller sind gut, der Aufwand einer jeden Folge mit neuem Cast und neuer Geschichte ist bemerkenswert. Die Racheformel funktioniert und bedient Selbstjustiz-Gelüste, die Comedy fügt sich überraschend gut ein. Mir war es etwas zu formelhaft und mir stießen einige deutliche Stereotype, mit denen die Serie zuhauf arbeitet, manchmal auf. In der Einzelbetrachtung der 10 Folgen gefiel mir der Fokus auf die Eltern, wie sie Lehrer und ihre eigenen Kinder unter Druck setzen, generell besser als der gewaltreiche Mobbingfokus unter den Schülern, da diese Themen noch nicht so oft besprochen wurden und auch in Deutschland ein Schlaglicht verdient haben.
„Teach You a Lesson” ist aus verschiedenen Gründen sehenswert. Erstens, weil es ein unterhaltsamer Genremix ist, zweitens, weil es deutlich auf Missstände hinweist und drittens, weil es polarisiert und diskussionswürdig ist. Ich verstehe aber jeden, der die Serie als „autoritären Müll” ablehnt. Mit meiner wohlwollenden Lesart hatte ich Spaß mit der Serie und wurde das ein oder andere Mal auch emotional erwischt. Obwohl mir das Formelhafte weniger zusagen und die Gewaltrache mir stellenweise zu weit ging, mochte ich die mutige, verrückte Idee eines Genremix an einer Schule.



