Wayward – Zu viele Themen verderben den Brei. Review Mystery-Thriller-Miniserie

Alex (Mae Martin, auch Creator), ein Transgender-Mann und Polizist, zieht gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Laura (Sarah Gadon) zurück in ihre abgelegene Heimatstadt Tall Pines. Parallel dazu wird die Teenagerin Abbie (Sydney Topliffe), die gemeinsam mit ihrer besten Freunden Leila (Alyvia Alyn Lind) die Schule schleifen lässt, von ihrer Familie verstoßen. Sie wird nachts entführt und in eine Umerziehungsheim für Jugendliche gebracht, unter der Leitung von Evelyn (Toni Collette). Leila versucht ihre Freundin zu befreien, währenddessen wird Alex damit konfrontiert, dass in der sogenannten Besserungsanstalt schlimme Dinge passieren. Er bekommt mit, dass ein Junge namens Riley geflohen ist, und sieht, wie das gesamte Dorf Jagd auf ihn macht. Die erste Folge hat viel Tempo und baut eine spannende Kulisse auf. 

Doch trotz interessanter Prämisse kann die Serie nicht ganz überzeugen, weil sie aus den Augen verliert, was sie eigentlich sein möchte: Ein Krimi? Ein Coming-of-Age-Drama? Eine knallharte Präsentation und Abstrafung solcher folternden Besserungsanstalten? Eine Geschichte über gehirngewaschene Menschen und eine charismatische Sektenführerin? Eine Story über multigenerationales Trauma, angebliche Veranlagungen und das Schicksal? Oder doch über Ängste in Freundschaften und Partnerschaften kurz vor der Geburt eines Babys? „Wayward” wirft alles in einen Topf und hofft, dass am Ende etwas Gutes dabei herauskommt. Einzelne Elemente sind tatsächlich interessant und unterhaltsam. Doch am Ende ergibt die Kombination keine Symbiose, die „Wayward” auf eine höhere Stufe hebt. Es bleibt eine Suppe, die durch die vielen Zutaten verwässert wird. Dazu passen das sehr offene Ende und ein Drehbuch, das die Charaktere manchmal die dümmstmöglichen Entscheidungen treffen lässt. Oft wirkt das wie auf dem Reißbrett konstruiert, nur um noch ein fehlendes Klischee zu bedienen. Speziell im Finale sind einige Fluchtversuche fast schon unfreiwillig komisch. 

Das Erzähltempo ist nach Folge 1 recht gemächlich, nimmt aber in der Mitte an Fahrt auf. Die schauspielerischen Leistungen sind „Hit or Miss”: Manche (wie Toni Collette) überzeugen komplett, andere spielen Karikaturen oder wirken hölzern. Ein großes Problem dürften viele Zuschauer damit haben, dass am Ende zu viele Fragen offenbleiben. Ich mag offene Enden und wenn Szenen bewusst Raum für Interpretation lassen. Wenn man aber die ganze Zeit auf ein großes Finale hinarbeitet und dieses dann so wirr bleibt und sich wie der Auftakt für eine zweite Staffel anfühlt – obwohl das Ganze als Miniserie konzipiert war –, teile ich die Enttäuschung. 

Ultimativ ist es schade, dass die 8-teilige Miniserie sich nicht mehr auf einige wenige Handlungsstränge konzentriert hat, sondern zu einem wahren Genregulasch wird. Mehr Fokus auf einen roten Faden und die spannenden Aspekte hätte der Serie gutgetan. Die düstere Atmosphäre und die Drohkulisse in dieser Kleinstadt, die von zwei vermeintlich charismatischen Figuren ausgeht, funktionieren nämlich wirklich gut. Leider macht „Wayward” zu wenig daraus. Am Ende sehe ich vor allem das ungenutzte Potenzial. Das Finale funktioniert nicht als Auffangbecken mit großem „Ah-Effekt“, bei dem es endlich „Klick“ macht. Stattdessen trudelt die Geschichte eher unbefriedigend aus. Schade, da war mehr drin.

71/100
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