„The Pacific” ist die große Nachfolgeserie zu „Band of Brothers”, in deren Zentrum der Kampf der US-Marines gegen die Japaner im Zweiten Weltkrieg steht. Der Fokus liegt auf der Verrohung und den psychischen Traumata des Krieges. Dadurch ist die Serie brutaler, dreckiger und düsterer als ihr Vorgänger. Zudem fordert sie ein gewisses historisches Grundwissen ein, denn die Handlung wird fragmentarisch anhand der Einzelschicksale dreier Marines erzählt, anstatt einer festen Kompanie von der Ausbildung bis zum Kriegsende zu folgen. Die Kampfszenen sind überragend inszeniert, trotz der etwas angestaubten CGI-Effekte.
Weil die 10-teilige Miniserie auf den Memoiren zweier Marines basiert, verzichtet sie auf einen strategischen Gesamtblick auf den Pazifikkrieg. Stattdessen greift sie prägnante, bekannte und teilweise kriegsentscheidende Schlachten heraus und porträtiert sie in ihrem ganzen Grauen. Diese episodische Erzählweise erfüllt zwar einen höheren Realismusanspruch, erschwert es jedoch, eine tiefere Bindung zu den Figuren aufzubauen. Man begleitet die Soldaten nicht kontinuierlich, sondern wird – genau wie die Marines selbst – unvorbereitet in die jeweiligen Einsätze hineingeworfen: erst nach Guadalcanal, später nach Peleliu, Iwo Jima und Okinawa.
Etwas seltsam erscheinen die Episoden, in denen das Liebesleben der Marines im Mittelpunkt steht. Die formelhafte 3. Episode mit einer zarten Romanze in Australien und die Liebesgeschichte in der 8. Folge führen weit weg vom Krieg und bremsen das Erzähltempo aus. Auf der anderen Seite funktionieren sie als starker Kontrast. Denn bald darauf müssen die Marines wieder an die Front, durch Schlamm kriechen, ihre Kameraden sterben sehen und desorientiert nur knapp dem Tod entkommen – oder ihn sogar finden.
Ohnehin sind die Kampfsequenzen die größte Stärke der Serie. Man sieht der Serie an, dass sie mit über 200 Millionen Dollar Budget unfassbar teuer war und überwiegend nicht in Studios gedreht wurde. Die unpersönlichen Gefechte, die permanenten Granateneinschläge und die kurzen Befehle ohne große Erklärungen verbinden sich zusammen mit der unruhigen Kamera und einer wuchtigen Soundkulisse zu einem Mix, der das Grauen des Krieges perfekt unterstreicht. Doch noch stärker ist die Charakterisierung der Soldaten. Während nur wenige als Helden inszeniert werden, zeigt die Serie weitaus mehr verrohte Männer, die darauf gedrillt wurden, japanische Soldaten zu töten, und dabei ihr Gewissen, ihre Moral und letztlich sich selbst verlieren. Gerade Rami Maleks („Mr. Robot”) Charakter „Snafu” sorgt immer wieder für schockierende Szenen. Generell ist das Darstellerensemble überzeugend. Zwar sind keine großen Stars dabei, aber alle erfüllen ihre Aufgaben sehr gut.
„The Pacific” ist düsterer, dreckiger und realistischer als „Band of Brothers”, weil das psychische Trauma und die moralische Abstumpfung der Soldaten radikaler herausgearbeitet werden. Dieser Ansatz überzeugte mich und rückt die Miniserie tonal näher an „Apocalypse Now” heran als an ihren Vorgänger, bei dem Kameradschaft und ein gewisser Pathos im Mittelpunkt standen. Leider bremsen die fragmentarische Erzählweise und die Landgänge die Handlung immer wieder aus, zudem wirken die Spezialeffekte an einigen Stellen leider ein wenig aus der Zeit gefallen.
Zusammenfassend möchte ich die Antikriegsserie „The Pacific” als ideales Komplementärwerk zu „Band of Brothers” empfehlen. In einigen Facetten ist sie sogar stärker, in vielen anderen wiederum nicht. Dennoch ist „The Pacific” gerade wegen ihres anderen Fokus absolut sehenswert und lädt zu einer tiefergehenden Online-Recherche ein.



