After the Party – Packendes und bitteres Familiendrama aus Neuseeland. Review Miniserie

Die packende neuseeländische Dramaserie „After the Party” ist gleichermaßen Geheimtipp wie schwere Kost. Denn sie widmet sich einem bitteren, heiklen Thema: dem Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch und der Frage, wie (falsche) Anschuldigungen das Leben aller Betroffenen zerstören können. Die 6-teilige Miniserie zeigt eine authentische Frau, die in eine selbstzerstörerische Abwärtsspirale gerät, während sie eigentlich zunächst nur das Richtige tun will, damit aber alle vor den Kopf stößt. Die letzte Episode entfesselt eine unglaubliche Wucht. Definitiv nichts für gute Laune, aber dennoch sehr sehenswert.

Penny (Robyn Malcolm, überragend) wirkt wie eine gefestigte Frau, die als Lehrerin voll im Leben steht und dennoch einen guten Zugang zu der Jugend hat. Ihr großer Schatz sind ihre Tochter Grace (Tara Canton) und ihr kleiner Enkel Walt, mit dem sie gerne viel Zeit verbringt. Doch eines Tages wird ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt: Die Geister der Vergangenheit suchen sie in Form ihres Ex-Manns heim. Phil (Peter Mullan, „Ozark”, „Westworld”, sehr stark) kehrt nach 5 Jahren im schottischen „Exil” zurück nach Neuseeland und zieht sofort bei der gemeinsamen Tochter ein. 

Innerhalb der ersten Episode wird deutlich, warum für Penny eine Welt zusammenbricht. Auf einer Party vor 5 Jahren sah sie, wie Phil gemeinsam mit dem leicht bekleideten 15-jährigen Olli (Ian Blackburn, sehr gut) im Bett lag und ihn sanft streichelte, nachdem dieser sich zuvor übergeben hatte. Penny entschied sich damals, die Situation zu eskalieren und ihren damaligen Mann öffentlich des Kindesmissbrauchs zu bezichtigen. Zudem drängte sie „das Opfer” zur Polizei zu gehen. Der sah dafür aber keinen Grund, denn Phil war „nur nett”. Auch die polizeilichen Untersuchungen führten zu nichts, Phil wurde niemals angeklagt. Einige hielten und halten immer noch zu Penny, doch viele in der Kleinstadt sind der Meinung, sie habe sich die Geschichte nur ausgedacht, um Phil zu schaden. Am meisten kränkt Penny aber, dass ihre Tochter und ihr Sohn den Vater wieder in ihre Leben lassen wollen. Angetrieben von dem Wunsch, andere vor Phil zu schützen, begibt sie sich auf einen destruktiven Trip. Sie schlägt blind in alle Richtungen aus und trifft frustrierende, objektiv „dumme” Entscheidungen. 

Die Miniserie ist handwerklich solide produziert, das Neuseeland-Setting wird durchaus frisch, wobei sich ein großer Teil der dialoglastigen Serie in geschlossenen Räumen abspielt. Das absolute Faustpfand sind die starken Darsteller. Robyn Malcolm spielt eine Frau, fernab der typischen Hollywood-Heldinnen, die fehlerbehaftet ist und ständig impulsive, falsche Entscheidungen trifft. Ihr „Widersacher” hingegen ist ein charmanter Kerl, der scheinbar seine Würde behalten hat und nie laut wird. Diese Dynamik sorgt für eine herausragende moralische Ambiguität. Zu Beginn glaubt man Penny, doch mit der Zeit mehren sich die Zweifel an ihrer Geschichte – sowohl bei ihren Unterstützern und Freunden innerhalb der Serie als auch vor dem Bildschirm bei der Zuschauerschaft. 

Das ist extrem clever gelöst, führt aber in der Mitte erzählerisch zu einigen Längen und frustrierenden Momenten. Ständig möchte man Penny zurufen, dass sie mit ihren Handlungen sich ständig selbst sabotiert und mehr auf ihre Mitmenschen hören sollte. Psychologisch ist das zwar konsequent, als Zuschauer aber phasenweise anstrengend.  Letztlich zahlt sich dieser zähe Mittelteil, der sich zeitweise in Nebensträngen zu verlieren droht, im fulminanten Finale jedoch aus: Im Finale war ich angespannt wie selten und rutschte nervös auf der Kante meines Stuhls hin und her. Hier wird die Story zum atemberaubenden Thriller.

„After the Party” ist ein großartig gespieltes Familiendrama über die verheerenden Auswirkungen eines mutmaßlichen Missbrauchs. Das Drama ist sorgsam konstruiert und lebt von seinem brillanten Cast. Trotz kleinerer Längen und manch glücklicher Zufälle im Skript ist diese Miniserie – sofern man vom Thema nicht getriggert wird – ein echter Geheimtipp im frischen Neuseeland-Setting.

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