„The Curse” ist eine schwarzhumorige Dramaserie, die das Reality-TV und „Gutmenschentum” satirisch betrachtet und viele Fremdschäm-Momente bietet, aber im Kern ein Beziehungsdrama ist. Diese ungewöhnliche Mischung kulminiert in einem absurden, sehenswerten Finale. Bis dahin tritt die Handlung rund um ein Ehepaar mit starkem Geltungsbedürfnis allerdings leider auch häufiger auf der Stelle. Eine mutige Miniserie bei der es nicht zum großen Wurf reicht.
Whitney (Emma Stone) und Asher (Nathan Fielder, gleichzeitig Regisseur) sind seit rund einem Jahr verheiratet und arbeiten mit Ashers altem Freund, Mobber und heutigen Regisseur Dougie (Benny Safdie, Co-Schöpfer) an einer Reality-TV Show. Darin wollen sie eine ärmere Nachbarschaft umweltfreundlich umbauen, Passivhäuser liegen ihnen dabei am meisten am Herzen. Allerdings ist ihnen auch sehr wichtig, dass sie die lokale Community bestmöglich unterstützen – zumindest vor den Kameras. Denn bei einer gestellten Szene verschenkt Asher 100 Dollar an ein junges Mädchen, die er allerdings direkt danach wieder haben und gegen ein 20 Dollar Geschenk eintauschen will. Als Konsequenz verflucht ihn das Mädchen. Fortan drehen sich sein Leben und seine Beziehung zu Whitney nach und nach zum Schlechten und er fragt sich mehr, ob es diesen Fluch tatsächlich gibt.
Die 10-teilige Miniserie nimmt sich viel Zeit für das Parodieren und Sezieren von Reality-TV Shows. Dabei steht im Fokus, wie gestellt und falsch das alles ist. Zudem gibt es einen Haufen von unsympathischen und stereotypen Figuren und Handlungen, die übertrieben dargestellt sind, woraus sich eine gewisse Comedy entwickelt. Zudem ist der Fremdscham ein großes Thema. Gerade Asher greift permanent daneben und wird von allen Seiten gedemütigt – auch sein kleiner Penis ist beispielsweise sehr schnell Thema. Mir dauerte das, speziell in der Mitte, alles etwas zu lang. Nach einem interessanten Beginn sind die Fronten, Standpunkte und Charakterzüge früh dargelegt, die Handlung verliert sich dann etwas in belanglosen, teils anstrengenden Nebensträngen. Das Erzähltempo ist durchweg ziemlich langsam, 8 Episoden hätten sicherlich auch ausgereicht. Die Produktion ist sehr wertig, die Inszenierung gut. Neben den drei bereits genannten Darstellern erweitert Barkhad Abdi das Starensemble, alle spielen überzeugend.
Das Highlight der Serie, die lange Zeit dahin plätschert und nur halbwegs interessante Themen behandelt (und diese teils zu lang), ist definitiv die letzte Episode. Wenn der Fokus auf der Ehe und dem wahren Charakter Whitneys liegt, zeigt die Miniserie ihre größten Stärken. Im Finale wird das metaphorisch und völlig überhöht auf die Spitze getrieben. Aber das ist sehr unterhaltsam und visuell spannend umgesetzt.
„The Curse” ist eine ganz eigene Serie, die permanent mit der Frage der Ernsthaftigkeit des Fluchs spielt, dabei aber dem Genre des Beziehungsdramas mit Dramedy-Elementen treu bleibt. Fans von Satire, Parodien, Genremixen und neuen, frischen Ideen können mal einen Blick in diese mutige Serie wagen. Ganz einfach ist es allerdings nicht „The Curse” großartig und durchweg unterhaltsam zu finden.



