„The Woman in the Wall” ist eine britische Mystery-Krimi-Serie, in der die Hauptfigur eine Leiche in ihrem Haus entdeckt, aber keine Ahnung hat, wie diese dorthin kam. Dieses Mysterium verbindet sich mit ihrer überaus schockierenden Vergangenheit. Sie war in einer sogenannten katholischen Magdalenen-Wäscherei in Irland, in der man den Frauen ihre Kinder wegnahm. Ein bekannter Priester, der damit in Verbindung stand, wird nun tot aufgefunden. Nach einem unnötig wirren Beginn findet die 6-teilige Miniserie durch den Krimi ihren roten Faden, so dass man wissen möchte, was damals wirklich geschah.
Lorna (Ruth Wilson, „The Affair”, „Luther”) ist eine von der Vergangenheit stark gebeutelte Frau. Sie schlafwandelt häufig und ist in ihrem Dorf als Person mit psychischen Problemen und einem gewissen Hang zur Wut bekannt. Eines Tages findet sie eine tote Frau in ihrer Wand, die allerdings später nicht mehr da zu sein scheint. Halluziniert Lorna? Und was hat sie eigentlich zu der Frau werden lassen, die sie heute ist? Im Verlauf der Handlung wird das immer deutlicher, speziell als der Kommissar Colman Akande (Daryl McCormack) dazu kommt und den Todesfall eines bekannten Priesters untersucht. Dabei fördert er eine Verbindung zu sogenannten Magdalenen-Wäschereien zu Tage. Dort wurden die Frauen zur Arbeit gezwungen, zudem wurden ihnen ihre Kinder abgenommen. Viele Kinder starben kurz darauf, einige wurden aber wohl auch adoptiert. Colman ermittelt, dass auch er eines dieser Kinder sein könnte. Währenddessen versucht Lorna das Grab ihrer Tochter zu finden. Daran schließt sich eine größere Handlung über die Vergangenheit, den Verbleib der Kinder und die tiefen seelischen Narben der Frauen und Mütter an, die damals unter dem Deckmantel der christlichen angeblichen Hilfseinrichtung gequält wurden.
Interessanterweise verwebt die Miniserie reale Ereignisse mit einer fiktiven Mysterystory mit Krimielementen. Denn leider gab es die Magdalenen-Wäschereien und die Quälereien der Frauen in solchen Einrichtungen in Irland tatsächlich. Der historische Hintergrund ist demnach bitter, schockierend und der stärkere Teil der Geschichte. Denn leider ist die Mysterygeschichte rund um Lorna anfangs unnötig wirr. Erst in der Mitte wird die Geschichte durch größeren Fokus auf Kriminalfall und Vergangenheit spannend, sie bekommt Gewicht. Leider werden bis dahin allerdings nicht alle durchhalten. Ich würde es aber empfehlen, denn sobald sich das große Bild mehr und mehr zusammensetzt, wird die Serie wirklich sehenswert.
Die Darsteller sind alle gut, die musikalische Untermalung hat mir an vielen Stellen gut gefallen. Inszenatorisch treffen bewährte Einstellungen auf ein paar kreative Ideen, das Setting ist gut getroffen. Nicht jeder Dialog trifft ins Schwarze und manchmal handeln Figuren etwas komisch, aber im Großen und Ganzen hat „The Woman in the Wall” viele Qualitäten. Man muss allerdings festhalten, dass es auch harter Tobak ist. Wie mit den Frauen umgegangen wurde, war wirklich das Allerletzte und das ist zutiefst verabscheuungswürdig. Die Serie bietet keinen einfachen, unterhaltsamen Sehgenuss, sondern Themen, die einen auch emotional herausfordern.
„The Woman in the Wall” ist ein interessanter Mix aus Mystery, Drama und Krimi vor einem historisch korrekten, bitteren Hintergrund. Leider sind die ersten beiden Episoden so sperrig, dass viele danach aufhören würden. Doch das ist schade, denn im Ganzen lohnt sich die Miniserie.



