The Bombing of Pan Am 103 – Detailliertes True Crime Dokudrama

„The Bombing of Pan Am 103” ist ein True-Crime-Dokudrama über den verheerenden Flugzeugabsturz von 1988, bei dem 270 Menschen ums Leben kamen. Die 6-teilige Miniserie rekonstruiert die historischen Ereignisse. Beginnend beim Absturz über die Ermittlungen in Schottland gemeinsam mit dem FBI bis hin zum abschließenden Gerichtsprozess. Durch das Zeigen der akribischen Detailarbeit fängt die Serie die Jagd nach den Puzzleteilen hervorragend ein, verliert dabei jedoch spürbar an Erzähltempo.

Da die Miniserie auf einem realen Fall basiert, gilt: Je weniger Vorwissen man hat, desto spannender ist das Seherlebnis. Nach dem tragischen Unglück stellt sich zunächst die Frage, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelte. Dafür arbeitet die lokale schottische Polizei mit dem FBI zusammen, die aufgrund der hohen Anzahl von amerikanischen Staatsbürgern unter den Toten ebenfalls bei der Ermittlung mitmischen wollen. Die Zusammenarbeit ist allerdings von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Das FBI darf viele Informationen nicht mit den Schotten teilen, so dass die Polizisten vor Ort häufig unnötig in Sackgassen landen. Erst als sich beide Parteien zusammenraufen, gelingt es, die mutmaßlichen Drahtzieher vor Gericht zu bringen. 

Handwerklich kann man der Serie wenig vorwerfen. Die nachgebaute Stadt Lockerbie sieht authentisch aus, auch die verstreuten Trümmerteile sowie die Rekonstruktionen der Flugzeugmodelle und Frachtcontainer überzeugen auf ganzer Linie. Während die Außeneinsätze in Malta eine stimmige Atmosphäre transportieren, fallen die Szenen in Jordanien, den USA und Neuss (wo gebrochen Deutsch gesprochen wird) etwas ab. Generell sitzen die Personen häufig in Büros und rätseln, was die Serie spürbar entschleunigt. Der bürokratische Prozess wird zwar akkurat dargestellt, aber er frustriert sehr – vielleicht bewusst, weil man die Ohnmacht der echten Ermittler abbilden wollte. Ebenso verliert sich die Miniserie ein wenig in Nebenhandlungssträngen, wenn es speziell um den Umgang der Behörden mit den Angehörigen der Opfer geht. Das ist zwar sehr respektvoll und ein schönes Schlaglicht, für meinen Geschmack bekommt es aber zu viel Zeit eingeräumt. Ähnliches gilt für das Privatleben der Ermittler: Das zeichnet zwar ein umfassendes Gesamtbild, erweist sich für das Erzähltempo jedoch als Bremsklotz. 

Interessant ist darüber hinaus die durchweg schottische Perspektive. Die Polizisten vor Ort gehen respektvoll mit den Hinterbliebenen um, sie wollen alle Ermittlungsergebnisse teilen. Das FBI hingegen möchte lieber allein ermitteln, ignoriert die Familien der Opfer und lässt auch noch Hinweise entwischen. Genauso dämlich ist das BKA. Ob das tatsächlich exakt so gewesen ist, kann ich nicht beurteilen, aber die Färbung der Geschichte ist offensichtlich: Vielleicht aber auch genauso richtig! Das Darstellerensemble überzeugt überwiegend. Zwar entsprechen einige melodramatische Szenen rund um verstreute Kinderschuhe, Weihnachtsgeschenke und trauernde Angehörige gängigen Klischees, emotional funktionieren diese Momente aber dennoch gut. 

Zusammenfassend ist „The Bombing of Pan Am 103” eine handwerklich starke Rekonstruktion der damaligen Ereignisse, aufbereitet als respektvolles, atmosphärisches Dokudrama. Sie richtet sich damit eher an Geschichtsinteressierte als an klassische Thriller-Fans. Mir gefiel dieser detaillierte, umfassende Ansatz allerdings sehr gut, wobei ich empfohlen hätte, die Geschichte etwas zu entschlacken und auf Redundanzen zu verzichten.

78/100
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