Takopi’s Original Sin – Verstörender & herzzerreißender Anime. Review Miniserie

„Takopi’s Original Sin” ist eine extrem fiese, bittere und deprimierende Animeserie, die sich im kindlichen Zeichenstil tarnt. Doch diese Serie ist sicherlich nichts für Kinder, zahlreiche Triggerwarnungen sind angebracht. Denn die Themen Mobbing, Kindesmisshandlung, Suizidgedanken, Einsamkeit, Abhängigkeiten und Co. leiten hin zum generationsübergreifenden Trauma-Teufelskreis, wobei die Handlung durch die magischen Zeitreise-Fähigkeiten eines süßen, pinken Aliens angereichert wird. Das Ergebnis ist eine herzzerreißende Geschichte, die mitten in die Magengrube schlägt und dabei absolut einzigartig sowie sehenswert ist.

In nur 6 Episoden und einer Gesamtlaufzeit von knapp unter 150 Minuten erzählt „Takopi’s Original Sin” eine etwas wirre Story voller Gegensätze. Als Protagonist dient das titelgebende Alien, das vom „Happy Planet” stammt und dessen Aufgabe es ist, Glückseligkeit zu verbreiten. Takopi ist sehr naiv und versteht die Menschenwelt gar nicht, so dass ihm anfangs das Konzept von Mobbing, Depressionen und Traurigkeit völlig fremd erscheint. Mithilfe seiner Glücklichkeits-Gadgets versucht er im Jahr 2016 der 9-jährigen Shizuka zu helfen. Sie wird allerdings in der Schule brutal gemobbt, weil ihre Mutter eine Escortdame ist. Nach einem folgenschweren Fehler nutzt Takopi seine Zeitreisekamera und versucht in mehreren Zeitschleifen den Lauf der Geschichte zu verändern. Doch durch seine Versuche, Shizuka glücklich zu machen, gerät das pinke Oktopus-artige Wesen in immer größere Schwierigkeiten.

Die Miniserie zieht einem die Schuhe aus und reißt einem das Herz heraus. Der Kontrast des glücklichen Aliens mit den realen Problemen von Kindern, die durch Mobbing, häusliche Gewalt und versagende, missbräuchliche Eltern gezeichnet sind, funktioniert hervorragend. Das Alien vom Happy Planet kann anfangs gar nicht verstehen, warum Menschen so handeln würden, wie sie es tun. Doch nachdem es Gewalt aus erster Hand erlebt hat, beginnt es zu verstehen und wird in die bedrückende, hoffnungslose Atmosphäre selbst hineingezogen – so wie der Zuschauer selbst. Die Zeitreise- und Zeitschleifen-Thematik fügt der Miniserie zudem das gewisse Etwas hinzu. Man muss allerdings aufmerksam sein, um alles zu verstehen, gerade beim Ausflug ins Jahr 2022. Mein einziges Manko ist der letzte Twist, den ich als etwas abrupt (und zu einfach) empfand. Man hätte dem Handlungsstrang gerne mehr Zeit widmen können. Der letzte Monolog Takopis ist hingegen enorm bitter, pointiert und emotional zerstörend. Was für eine Wucht diese kleine Miniserie doch in sich trägt: Unfassbar.

„Takopi’s Original Sin” basiert auf einem Web-Manga und ist eine depressive Animeserie, die radikal fies und bitterböse realistisch ist. Dabei werden stets Kinder zu Opfern ihrer Umgebung und speziell ihrer Eltern. Das ist ultimativ harter Tobak und deshalb schwer zu empfehlen. Wer aber von Serien gern herausgefordert wird und wen die extreme Schere zwischen süßer Optik und harten Themen nicht stört, der wird von dieser Miniserie emotional mitgerissen. Die Serie ist ein Erlebnis und eine melancholische, düstere Meisterleistung, die sehr sehenswert ist.

85/100
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