„Loch Ness” ist eine klassische britische Krimiserie, angesiedelt am bekanntesten See Schottlands mit seinem angeblichen Monster. Ein Mord erschüttert die Kleinstadt, bald darauf wird sogar ein Serientäter vermutet – und Nessie hatte damit nichts zu tun! Danach entwickelt sich ein typischer Kleinstadt-Krimi: Eine einheimische Polizistin, die jeden kennt, ermittelt gemeinsam mit einem Team, das aus der nächsten Stadt angefordert wurde. Das kennt man beispielsweise von Broadchurch – leider erreicht „Loch Ness” allerdings nie dessen Höhen.
Auf einem Berg wird die Leiche eines lokalen Klavierlehrers aufgefunden, dem ein Teil seines Gehirns bei lebendigem Leibe entnommen wurde. Polizistin Annie Redford (Laura Fraser) übernimmt ihren ersten Mordfall. Parallel blödelt ihre Tochter mit ein paar Kumpels am Loch Ness herum und bastelt eine gefälschte Leiche des Monsters Nessie. Darin wird jedoch ein echtes menschliches Herz gefunden, wodurch sich der Verdacht auf einen Serienkiller erhärtet. Daraufhin werden DCI Lauren Quigley (Siobhan Finneran) aus Glasgow sowie der Profiler Blake Albrighton (Don Gilet) hingezogen. Fortan wird gemeinsam ermittelt – mit dem Blick von außen und der Expertise von Annie, die sich im Ort und mit den Menschen auskennt.
Während der Ermittlungen gibt es zahlreiche Verdächtige und es werden viele falsche Fährten ausgelegt, die teilweise ins Nichts führen. Manchmal fragt man sich dabei, warum so viel Zeit für eine erzählerische Sackgasse verwendet wird, aber falsche Fährten gehören bei Krimis eben dazu. Zudem muss Kommissar Zufall manchmal etwas zu häufig nachhelfen und eine Ortungs-App sieht ziemlich doof aus. Generell empfand ich die 6-teilige Miniserie und den Kriminalfall allerdings als sorgsam und vernünftig konstruiert. Viele Twists und Verdächtige halten den Mordfall spannend, doch leider ist ein Teil der Auflösung bereits zum Ende der ersten Folge hin zu offensichtlich platziert. Auch die Story rund um Annies Tochter nimmt etwas zu viel Platz ein. Das klingt nun aber alles negativer, als es tatsächlich ist: „Loch Ness” bietet eine stimmige Atmosphäre und einen interessanten Kriminalfall mit der nötigen Grausamkeit eines Serienkillers. Der eine oder andere Handlungsstrang passt vielleicht nicht perfekt, zudem kann man die Logik mancher Charakterentscheidungen hinterfragen, aber im Kern ist die Miniserie ein spannender Krimithriller vor schottischer Kulisse.
„Loch Ness” ist eine solide Krimiserie mit einer Gesamtlaufzeit von rund 270 Minuten. Sie gewinnt keinen Originalitätspreis, aber sie bietet solide bis gute Kost für alle, die klassische Krimis mögen.



