„How to Get to Heaven from Belfast” bietet einen wilden Genremix aus Comedy, Krimidrama und Freundschaftsgeschichte. Dabei stehen zahlreiche Absurditäten und sogar eine seltsame Geheimorganisation im Mittelpunkt. Die einzigartige Serie stammt aus der Feder von Lisa McGee, der „Derry Girls”-Schöpferin, und wandelt sich nach einem lockeren Auftakt zu einem düsteren Thriller, der allerdings stets durch Humor aufgebrochen wird. So entfaltet sich eine interessante Story mit vielen lustigen Momenten, wobei mir der tiefgreifende, beobachtende Humor besser gefiel als die Slapstick-Elemente.
Die 8-teilige Serie, die nach der ersten Staffel offiziell beendet wurde, ist nicht so leicht greifbar. Drei Freundinnen aus Belfast erhalten zu Beginn eine E-Mail, dass eine einstige Schulfreundin verstorben ist, und reisen zu deren Beerdigung. Die vier verbindet ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit, an das sie auch ein gemeinsames Tattoo erinnert. Innerhalb der ersten Folge, in der die Dynamik zwischen den ungleichen Frauen im Zentrum steht, kommt eine unerwartete Wendung hinzu: Die Tote ist gar nicht ihre Freundin von vor 20 Jahren! Doch wer ist die Verstorbene und wo ist die gesuchte Greta? Daraus entwickelt sich eine Murder Mystery, bei der bald eine mysteriöse Organisation auf den Plan tritt, sodass die Freundinnen schnell mit der Situation überfordert sind und sich irgendwie ans Ziel stolpern.
Auf den ersten Blick wirkt die Serie etwas überfrachtet und wild zusammengeworfen: Comedy, Traumabewältigung, ein großes Verbrechen, ein mordender Geheimbund, eine Meta-Ebene mit einer Figur als Krimiautorin, mysteriöse Symbole, eine sich andeutende Affäre und eine Freundinnengruppe, die so wirkt, als würde sie nur noch die gemeinsame Vergangenheit zusammenhalten. Ich war sehr überrascht, dass nach der ersten Episode, die sehr deutlich „Comedy” schrie, noch ein so düsterer Mysterythriller entsteht. Leider nimmt dieser erst ab Folge 4 langsam Fahrt auf, vorher verstrickt sich die Erzählung in einigen Nebenhandlungssträngen. Nachdem allerdings die übergeordnete Geschichte und die Geschehnisse der Vergangenheit deutlicher werden, gefiel mir die Serie ziemlich gut. Die düstere Atmosphäre gelingt und es gibt sogar ein paar emotionale Momente. Dennoch bleibt die Gagdichte hoch, und ein paar überzeichnete Charaktere verleihen der Geschichte gemeinsam mit dem nordirischen Lokalkolorit das gewisse Etwas. Zeitweise wirkt es so wie eine Satire auf Agentengeschichten, wie „Hanna” oder James Bond.
Ein Faustpfand sind die Darstellerinnen. Wobei ich mir gewünscht hätte, dass das Trio durch mehr Gemeinsamkeiten als nur durch die Vergangenheit verbunden wäre. Zeitweise fragt man sich, warum sie überhaupt noch etwas miteinander zu tun haben: Sie verstricken sich ständig in Streitigkeiten, bis zufällig der nächste Plotpunkt einsetzt.Auf der anderen Seite ist genau in dieser Dynamik der größte Teil des Humors beheimatet. Dieser kann zünden oder eben nicht. Bei mir punkteten vor allem die treffenden Beobachtungen (z. B. zur Kirche) und die absurden Szenen, der Slapstick funktionierte für mich hingegen weniger. Aber so ist für jeden etwas dabei. Letztlich fand ich den Handlungsstrang rund um Gretas Verbleib meist sogar besser, weil er schlicht spannender war. Die Serie ist gut inszeniert und der poppige Ende der 90er-/Anfang der 2000er Jahre Soundtrack hat mich perfekt in die High School Zeit der Hauptfiguren oder eben meine eigene Jugend versetzt.
„How to Get to Heaven from Belfast” ist ein chaotischer Genremix, der trotz erzählerischer Längen durch seinen pointierten Witz und ein starkes Ensemble überzeugt. Wer über die etwas überladenen Nebenhandlungsstränge hinwegsehen kann, bekommt eine atmosphärisch dichte und wunderbar skurrile Mischung aus vielseitigem Humor und packendem Mystery-Krimi geboten. Ich mag das Absurde, ich mag den Mut, etwas zu wagen und ganz anders zu machen. Und deshalb mag ich auch die Serie.



