Die deutsche Reality TV Show „Fight for Paradise“ aus dem Hause Netflix basiert auf der britischen Serie „Surviving Paradise„. Wie üblich für Reality TV Serien werden die Erwartungen der Teilnehmer komplett unterlaufen, innerhalb der ersten Folge wird die wahre Show Idee twistreich enthüllt. Denn tatsächlich dürfen nicht alle Teilnehmenden in der Luxusvilla am Strand residieren. Zunächst müssen sogar alle ins nahegelegene „Camp“ im Dschungel ziehen, dass an die RTL-Show erinnert. Dort gibt es natürlich keinerlei Luxus und all die schönen, jungen Menschen, die den Luxus so lieben, sind damit völlig überfordert. Doch nur, wer am Ende oben in der Villa ist, kann auch die 100.000€ Preisgeld gewinnen.
Im Casting hat die Produktion gute Arbeit geleistet, weil es einige siegessichere Unsympathen gibt, die per Intrigen versuchen leichtgläubige Teilnehmende um den Finger zu wickeln, ihren Charme spielen zu lassen und Allianzen zu schmieden. Die Unvorhersehbarkeit der Show ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Eine Schwäche, weil man keine Ahnung hat nach welchen Regeln die Show eigentlich funktioniert, wodurch man das Gefühl bekommt, dass die Show sehr von der Produktion geleitet wird. Mit Reality hat das alles wenig zu tun. Somit wirkt die Show fast schon völlig gescripted, teilweise bis hin zu den Dialogen. Eine Stärke, weil dadurch gute Narrativen gesponnen werden und die Teilnehmenden ständig die schwerstmöglichen Entscheidungen treffen müssen, die sie auf direkten Konfrontationskurs mit ihren Kollegen bringen. Dabei entstehen einige heftige und fiese Sequenzen, die die Teilnehmenden immer wieder zu einer großartigen Gesichtskirmes verleiten, weil sie unfassbar überrascht sind. Zudem werden ständig Freundschaften inszeniert, nur um dann den folgerichtigen Verrat noch größer zu präsentieren. Das ist durchaus unterhaltsam.
Eine große Schwäche der Show ist leider ihr Host: Bonnie Strange zeigt kaum eine Gesichtsregung und spult ihre Worte wie ein Roboter ab. Zudem hört man ständig, wie sie sich selbst an vielen Stellen nachsynchronisieren musste, weil ihre Texte vor Ort offenbar nicht gut genug vorgeschrieben waren. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Spiele und die ständige Überinszenierung des luxuriösen Essens oben. Die Teilnehmenden tun ständig so, als hätten sie noch nie ein Butterbrot gesehen. Für Leute, die 3 Tage lang nur Gemüsesuppe essen, ist das natürlich nachvollziehbar. Für die anderen nicht. Ansonsten wird nur gelabert und intrigiert, kaum ein Spiel kann überzeugen, als Spielshow taugt „Fight for Paradise“ daher überhaupt nicht. Ich empfand allerdings das Ende der Show als sehr befriedigend.
Ich hätte mir die Show nicht angeschaut, wenn ich nicht für ein anderes Projekt recherchiert hätte. Dennoch wurde ich vom Konzept und der Unvorhersehbarkeit bei der Stange gehalten, so dass ich einigermaßen unterhalten war. Doch viel des Gezeigten war redundant und wiederholte sich ständig. Letztlich half das gute Ende dabei die Show zu Ende zu bringen. Reality TV Veteranen, die mal etwas Neues sehen wollen und ständig neue Tabubrüche brauchen, kommen bei „Fight for Paradise“ zumindest anteilig auf ihre Kosten. Zum Reality TV Fan wird die Show niemanden machen.



