Dreimal Manon & Manon, 20 Jahre – Intensives Jugenddrama. Review

Die beiden „Manon”-Miniserien, die wie eine einzelne Serie zusammenhängen, tauchen in das Leben der jungen Französin Manon im Alter von 15 und 20 Jahren ein. Im emotional harten und fiesen Coming-of-Age Drama muss Manon in eine spezielle Erziehungsanstalt für Mädchen, die letzte Chance vor dem Gefängnis, weil sie ihre Mutter im Streit mit einem Messer angriff. Dort trifft die rebellierende, zutiefst traurige Teenagerin auf andere aggressive Mädchen in einem fragwürdigen System mit wenig Hoffnung. Glücklicherweise gibt es einige wenige Individuen, die den Teenagerinnen helfen wollen.

Manon (Alba Gaïa Bellugi) lebt zuhause mit ihren beiden Geschwistern und ihrer Mutter. Eines Abends schießt sich die Mutter völlig auf sie ein und beschimpft sie, auch weil Manon – wie immer im Stress – mit beiden Händen die Nudeln voller Soße isst. Der Streit eskaliert und Manon kommt in eine triste Erziehungsanstalt, weil die Richterin ihr diese letzte Chance gewähren möchte. Dort verlangt der Leiter von seinen Mitarbeitern Dienst nach Vorschrift, hat auch kein Problem damit die Mädchen abzuschreiben und stets mit dem Gefängnis zu drohen. Die Mädchen rebellieren ständig, haben eine sehr kurze Zündschnur und so kommt es zu zahlreichen Streitereien unter den Teenagerinnen und auch mit den Erwachsenen. Speziell eine Lehrerin schafft es aber einen gewissen Zugang zu den Mädchen über das Theater zu finden, es gibt ein paar Helfer. Neben dem schwierigen Zusammenleben im Erziehungsheim muss Manon auch ihre viel zu aufdringliche, manipulative Mutter managen, die ein ganz seltsamer Charakter ist.

Die zweite Staffel knüpft relativ organisch an die erste an und fokussiert sich mehr auf typische Probleme von jungen Erwachsenen. Das Setting ist nicht mehr ganz so spannend und einzigartig wie in Staffel 1, stattdessen werden eher klassische Probleme verhandelt. Dennoch ist das emotional intensiv, weil man das Gefühl hat die Hauptfigur aufgrund der 1. Staffel schon gut zu kennen. Speziell im hinteren Teil saß ich kopfschüttelnd vor dem TV, weil ich das alles nicht für Manon wollte.

Die beiden „Manon” Miniserien, die jeweils 3 Folgen à etwa 1h enthalten, sind beide sehr intensive Jugenddramen, die eine aggressive, zutiefst traurige, aber auch sympathische Manon in den Mittelpunkt stellen, die permanent mit sich selbst und der Welt hadert. Dabei gelingen einige herzzerreißende Szenen, aber auch einige triumphale. Dem Mädchen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsbedürfnis fehlt vor allem die echte Liebe von Elternfiguren, ihre Mutter ist eine Katastrophe. Das Erzähltempo ist hoch, die Atmosphäre ist dicht, die Inszenierung ist klassisch, die Produktion ist solide, die Darsteller sind gut. Die erste Miniserie ist einen Tick besser, weil das Setting weniger verbraucht ist.

Zusammenfassend möchte ich beide „Manon” Teile empfehlen. Natürlich handelt es sich um keine leichte Kost, sondern um intensive Coming-of-Age Dramen, die einen emotional angreifen können. Die französischen Serien haben zwar kleinere Makel, sind aber überwiegend sehenswert und kleine Geheimtipps. Wer intensive, bittere Jugend-Dramen mag, wird bei „Manon” nicht enttäuscht – obwohl die Serien manchmal noch etwas tiefer gehen oder böser sein dürften.

80/100
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