„Die Falle” ist eine intensive und spannende deutsche Psychodramaserie, die speziell in den Kammerspiel-Sequenzen brillieren kann. Im High-Concept-Thriller versucht eine traumatisierte Frau den 10 Jahre zurückliegenden Mord an ihrer Schwester aufzuklären – allerdings mit extrem unkonventionellen Methoden. Denn die Autorin möchte ein Interview mit der Person vereinbaren, die sie für den Täter hält. Diese Prämisse und ein paar holprige Entscheidungen erschweren das Eintauchen in die Serie. Doch die Skepsis sollte man beiseite schieben, denn es lohnt sich!
Lisa Konrad (Friederike Becht, zeitweise überragend!) ist seit dem Mord an ihrer Schwester im Jahr 2015 schwer traumatisiert. Damals fand sie ihre blutüberströmte kleine Schwester noch im Todeskampf, konnte sie jedoch nicht mehr retten. Lisa glaubt zwar, den Mörder in jener Nacht flüchtig gesehen zu haben, doch eine mentale Blockade verwehrte ihr die Identifikation des Gesichts, so dass der Fall ungelöst blieb. Lisa legte sich eine neue Identität zu und verließ 10 Jahre lang das Haus nicht. Schuldgefühle, Therapiegespräche, Panikattacken und Medikamente dominieren ihren Alltag – und natürlich das Schreiben. Denn die Bestseller-Autorin kann sich hervorragend in ihre Fantasie flüchten. Ein Zufall verändert ihr Leben allerdings grundlegend. Im TV läuft eine Regierungspressekonferenz, die Lisa (wohl zum Vergnügen, wie wir alle…) ansieht und dabei aus dem Nichts die Person wiedererkennt, die ihre Schwester umgebracht hat. Sie ist sich plötzlich todsicher, dass der renommierte Journalist Robert Lenzen (Hans Löw, stark) der Täter von damals ist. Doch die Polizei will nichts davon wissen. greift Lisa zu Selbstjustiz der literarischen Art: Sie schreibt einen Kriminalroman über die damaligen Ereignisse und lockt Herrn Lenzen mit dem Versprechen eines Exklusiv-Interviews in ihr Haus, um ihm ein Geständnis zu entlocken.
Die 6-teilige Miniserie macht es einem zu Beginn nicht ganz leicht. Die Prämisse wirkt arg konstruiert und die erste Folge kommt durch das tiefe Eintauchen in Lisas unzuverlässige Psyche recht wirr daher. Zudem sorgen einige kaum relevante Randfiguren für spürbare Längen. Manch ein Moment wirkt erzählerisch ziemlich hölzern – sei es die Leichtigkeit, mit der sie an eine Waffe gelangt, das seltsame Verhalten ihres Personal Trainers oder die etwas klischeehafte Darstellung ihres Traumas. Doch all das war mir spätestens ab Folge 4 völlig egal. Denn die ist brillant. So intensiv habe ich ein Kammerspiel seit Episode 3 von „Adolescence“ nicht mehr erlebt! Friederike Becht hat mich in Episode 4 und Teilen der 5. Episode regelrecht umgehauen!
Ein großes Plus von „Die Falle” ist die starke Inszenierung und die spürbar beklemmende Atmosphäre. Isabel Kleefeld, die mit „Liebes Kind” 2023 schon einen Überraschungserfolg ablieferte, zeigt ihr unheimliches Gespür für Hochspannung. Im Zusammenspiel mit der Musik, den wahnhaften Bildern und den starken Hauptdarstellern gelingt so eine Symbiose, die einen in den Bann ziehen kann – wenn man sich denn auf die Geschichte einlässt und so manche Holprigkeit im Bereich der Glaubwürdigkeit einen nicht herausreißt. Ich war der Sogwirkung der Miniserie irgendwann erlegen und habe die Episoden 3-6 in einem durchgebinged. Das Ende kann die vorherige Qualität leider nicht ganz halten, aber es ist sicherlich auch nicht enttäuschend.
Zusammenfassend möchte ich „Die Falle” allen Fans von Psychothrillern empfehlen. Besonders wegen der grandiosen Episoden 4&5, der schauspielerischen Klasse des Haupt-Duos und der intensiven Inszenierung lohnt sich diese deutsche Produktion. Ein paar Längen und Ungereimtheiten verwehren ihr zwar noch höhere Höhen, aber wer sich auf dieses ungewöhnliche Verwirrspiel einlässt, bekommt ein hochspannendes Stück Miniserie serviert.



