Lanterns – Krimi trifft auf Superheldendrama. Review Staffel 1

„Lanterns” ist ein Superheldendrama im Krimigewand, das auf den Green-Lantern-Comics von DC basiert. Die HBO-Serie folgt dem Green Lantern Hal Jordan und seinem neuen Rekruten John Stewart auf der Erde. Gemeinsam untersuchen sie in einer Kleinstadt einen mysteriösen Mord, hinter dem Hal von Beginn an eine außerirdische Bedrohung vermutet. Im Verlauf der Geschichte wandelt sich das anfängliche Ermittlungsdrama durch überraschende Twists mehr und mehr zu einer dystopischen Science-Fiction-Serie, deren absolutes Highlight die furiose fünfte Episode darstellt. 

Vorab: Ich bin ein Comic-Laie und habe abseits des berüchtigten Kinofilms mit Ryan Reynolds nichts von dieser Figur gesehen oder gelesen. Dass die „Green Lanterns“ interstellare Friedenshüter sind, die mittels eines grünen Rings alles materialisieren können, woran sie fest genug glauben, fand ich als Prämisse schon immer zweifelhaft. Es wirkt fast so, als wollten die Serienschöpfer diesen Aspekt bewusst abschwächen, indem sie die erste Staffelhälfte als bodenständigen, leicht wirren Kleinstadt-Krimi inszenieren. Ein Mord geschieht, ein Sheriff ermittelt, doch Hal Jordan vermutet ein kosmisches Verbrechen dahinter. Er lernt parallel noch seinen Rekruten an, doch die beiden kommen nicht so wahnsinnig gut miteinander klar. 

In der ersten Hälfte wandelt die Serie zwischen düsterem „True Detective”-Vibe und einer spürbaren Prise humorvollem Unvermögen im Stile von „Slow Horses”. Das funktioniert anfangs leider nur halbgut. Doch ab der starken 5. Episode nimmt die Serie endlich massiv an Fahrt auf und findet ihren roten Faden. Zwar springen die Antagonisten und die Manhunter-Verschwörung über die gesamte Staffel hinweg immer ein wenig zu plötzlich und ohne echtes Fundament wie Kai aus der Kiste, ab Folge fünf wird die Geschichte jedoch erfreulich stringent und spannend zu Ende erzählt. Dennoch mangelt es der Serie für Neueinsteiger an Worldbuilding. Die komplexen Motive und Aufgaben der verschiedenen Alien-Rassen blieben mir oft ein Rätsel. Interessant fand ich, dass mir die Szenen draußen in der Galaxis besser gefielen, als die Sequenzen auf der Erde.

Ob die Comedy richtig zündet, ist wie immer subjektiv. Ein paar Metakommentare sind auf jeden Fall sehr stimmig und auch die Schlagabtäusche zwischen Hal und John sitzen. Generell ist die Chemie zwischen Kyle Chandler und Aaron Pierre ein Faustpfand der Serie und auch Kelly Macdonald überzeugt als Sheriff. Gepaart mit überwiegend guten Spezialeffekten und einer handwerklich soliden Inszenierung fängt sich die Serie nach ihrem zähen Start gut auf. Das Finale ist leider mehr Aufgalopp als zufriedenstellendes Ende und somit leicht enttäuschend.

„Lanterns“ erfordert vor allem von Comic-Laien in den ersten vier Episoden eine gehörige Portion Geduld. Der Spagat zwischen geerdetem Krimi und interstellarer Mythologie holpert zu Beginn spürbar. Wer jedoch bis zur hervorragenden 5. Folge durchhält, wird mit einem packenden Showdown und Antworten belohnt. Kein perfektes Sci-Fi-Epos, aber ein mutiger und interessanter HBO-Krimi.

78/100
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