„House of Yang“ ist eine deutsche Mystery-Dramaserie, in der auf drei Zeitebenen die tragische Geschichte einer Familie erzählt wird. Im gekonnt inszenierten, verwinkelten Horrorhaus verschwinden Mädchen hinter Türen, die auf einmal nicht mehr da sind. Wo sind sie? Und kann man sie retten? Vergleiche mit „Dark“ liegen auf der Hand, können aber sofort wieder in der Schublade verschwinden. Denn „House of Yang“ bleibt pragmatisch nah bei seinen Charakteren und dem Familiendrama. Das Ende ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Jessie (Elisa Hofmann) und ihre Tochter Mila (Purnima Grätz) fahren in der Gegenwart zum Familienanwesen im Schwarzwald. Das alte Haus soll verkauft werden, doch es ist seit 1999 unbewohnt, sodass der Makler empfiehlt, das Anwesen erst einmal herzurichten. Jessie will eigentlich gar nicht vor Ort bleiben, doch Mila besteht darauf. 1999 verschwand Jessies kleine Schwester im Haus, und auch 1949 gab es bereits eine vermisste Person in der Familie. Jessie wollte das wohl alles so gut es geht vergessen, sie wirkt regelrecht traumatisiert von diesem Ort. Da hilft es natürlich gar nicht, dass Mila am ersten Abend an der Wand steht, hinter der Jessies Schwester verschwand, und monoton gruselig klopft… Und welches Wesen irrt da im Hintergrund herum? Doch ist das alles echt oder halluziniert Jessie etwa?
Ich bin immer sehr froh, wenn die Öffentlich-Rechtlichen Genreproduktionen eine Chance geben, speziell im Mystery- oder Sci-Fi-Bereich gibt es davon in Deutschland viel zu wenige. „House of Yang” ist auf jeden Fall eine künstlerisch wertvolle Addition ins Portfolio. Die 6-teilige Miniserie mit Folgen von etwa 25 Minuten besticht durch ihre düstere Atmosphäre, ihre gelungene Bildsprache mit Horrormotiven und manchen Überraschungsmoment. Doch im Kern ist „House of Yang“ ein Familiendrama, eine intime Tragödie und eine Traumabewältigung für die Hauptfigur. Sie muss mit der Schuld umgehen, dass ihre Schwester unter ihrer Aufsicht im Haus verschwand. Die Zeitebene von 1949 bringt eine Extraportion schlechte Laune hinzu, weil den Frauen dort übel mitgespielt wurde. Die verschachtelte Erzählweise funktioniert sehr gut. Der fliegende Wechsel zwischen den Zeitebenen bringt eine gewisse, gewollte Verwirrung mit sich. Die meisten Dialoge wirken authentisch, gerade die Rassismuserfahrungen werden gekonnt verarbeitet. Den Einstiegsdialog im Auto empfand ich leider als etwas hölzern, danach wurde es aber stetig besser.
Eine Mysteryserie steht und fällt letztlich mit dem Mysterium und wie es aufgelöst wird. Manchmal muss man ein Auge zudrücken, um alles genießen zu können, manchmal findet man es richtig super und kann dem komplett folgen. Manchmal findet man es nur dämlich und steigt gedanklich völlig aus – der Todesstoß für jeden Film oder jede Serie. „House of Yang“ lässt mich im Zwiespalt zurück. Irgendwie ist das Ende eher ein neuer Anfang, und die Geschichte hätte noch weitere Episoden vertragen können. Die Schlusspointe gefiel mir zwar sehr gut, aber für mich blieben doch zu viele Fragen offen.
Zusammenfassend ist „House of Yang“ eine stark inszenierte deutsche Miniserie mit einem interessanten Mysterium im Mittelpunkt. Leider konnte mich das Ende nicht ganz überzeugen. Dennoch möchte ich die kurze Serie empfehlen. Fans von Familiendramen und Verwirrspielen kommen auf ihre Kosten, zudem muss man sich von den leichten Horrorelementen nicht abschrecken lassen.



