Five Days at Memorial – Das intensive Drama schafft den Sprung in die Top 100. Review Miniserie

„Five Days at Memorial“ ist eine intensive, bittere und schonungslose Dramaserie über die realen Zustände im Memorial Krankenhaus nach Hurricane Katrina im Jahr 2005. Die Miniserie, die auf einem Sachbuch basiert, porträtiert den Hurricane selbst, die fünf Tage danach und die juristische Aufarbeitung der Geschehnisse. Der Teil im Krankenhaus ist emotional mitreißend, zermürbend und schwer zu verdauen. Doch leider verwehren einige kleinere Makel der Serie den Zugang zum Olymp.

Die 8-teilige Miniserie behandelt eine der größten humanitären Katastrophen der US-Geschichte und hangelt sich dabei relativ eng an den wahren Begebenheiten entlang. Ohne Umschweife oder große Exposition wird man als Zuschauer sofort in die Krisensituation hineingeworfen. Doch nachdem der Hurricane relativ glimpflich vorbeizieht, beginnt das wahre Desaster. Denn ohne Notfallplan und durch den drohenden Ausfall der Notstromaggregate steht die Infrastruktur vor dem Kollaps: Doch wie kann man möglichst viele Patienten retten? Die ersten fünf Episoden dokumentieren Tag für Tag den klaustrophobischen Überlebenskampf und das moralische Dilemma der Ärzte, Pfleger und Entscheider. Ab der sechsten Folge wandelt sich das Format und widmet sich der kriminalistischen und juristischen Aufarbeitung, die sich über Jahre ziehen sollte. Das Erzähltempo wird spürbar entschleunigt und die Ermittlerfiguren können nicht so sehr überzeugen, wie die Charaktere im Krankenhaus, aber dennoch begrüße ich diesen umfassenden Blick auf die damaligen Geschehnisse.

In einigen Versatzstücken ist „Five Days at Memorial” überragend. Die Intensität ist unfassbar hoch, das Geschehen im Krankenhaus wird ungeschönt, dramatisch und schockierend inszeniert. Die Ohnmacht des medizinischen Personals angesichts der fehlenden koordinierten staatlichen Hilfe wird stark auf den Punkt gebracht. Die große Wut auf das System, die Regierung und die Betreibergesellschaft, die ihre Mitarbeiter im Stich lässt, ist greifbar und erinnerte mich sogar an die beste Miniserie aller Zeiten: „Chernobyl”. Die Darsteller sind überwiegend gut, die Inszenierung mit vielen Nahaufnahmen und erschreckenden Szenen menschlichen Elends sorgt dafür, dass es keine Distanz zum Zuschauer gibt. Allerdings kommt gelegentlich das Gefühl auf, dass sich die Miniserie etwas zu sehr im Elend suhlt und in manchen Momenten durch eine zu melodramatische Musikuntermalung plakativ kitschig wirkt. Die Kulissen, die eher an „The Last of Us” erinnern, sowie die stets schwitzenden Mediziner und Patienten unterstützen hingegen die hohe Authentizität. Der abschließende Justizdrama-Teil seziert die ethischen Grauzonen dieser Notsituation gekonnt und rundet die Miniserie gut – wenn auch frustrierend – ab.

Gelegentlich verliert die Miniserie ihren Fokus oder setzt ihn seltsam. Manchmal fragt man sich, warum so viel Zeit in einige Handlungsstränge investiert wird und diese dann allzu abrupt enden. Dass die Leiterin des Krisenstabs in der zweiten Hälfte fast komplett an Relevanz verliert, hinterlässt erzählerische Lücken. Auch die Rettung der Mutter verpufft im Nichts. Zudem war mir der religiöse Überbau, der an vielen Stellen mitschwingt, zu viel, er passte aber letztlich sehr gut zum Setting und den Figuren. Die teils überinszenierten Momente nehmen der Serie etwas von ihrer vorherigen fast dokumentarischen Härte.

Zusammenfassend ist „Five Days at Memorial“ ein herausragendes und emotional forderndes Ensemble-Drama. Trotz einiger kleiner Makel verfehlt die Serie ihre Wirkung in keiner Sekunde. Für ein Meisterwerk reicht es zwar nicht, die Miniserie ist aber dennoch eine absolute Empfehlung für alle, die intensives, reales und moralisch komplexes Drama suchen.

82/100
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