„Spider Noir“ ist eine Superhelden- und Film-Noir-Miniserie mit Krimi-, Thriller- und Comedyelementen, die im New York der 1930er-Jahre spielt. In dieser alternativen Realität ist Spider-Man ein älterer, abgehalfterter Privatdetektiv am Existenzminimum, der in einen Zwist zwischen Bürgermeister und einem mächtigen Mafiaboss gerät. Als immer mehr Superschurken Chaos stiften, wächst der Druck auf „die Spinne”, das Noir-Kostüm wieder anzulegen und New York zu retten. Doch die große Frage ist: Macht Nic Cage die Serie besser oder schlechter?
Er macht sie comichafter und speziell im Verlauf der 8-teiligen Miniserie lustiger und weniger ernst, was mit dem Film-Noir-Ansatz etwas bricht. Doch von vorne: Basierend auf den Marvel-Comics wirft die Serie einen unverbrauchten Blick auf Spider-Man. Im Zentrum steht Ben Reilly (Nicolas Cage), der sein Superheldenkostüm an den Nagel gehängt hat und sich nun als Privatdetektiv durchschlägt. Ein vermeintlich leichter Auftrag des Mafiabosses Silvermane (Brendan Gleeson) zieht ihn in die Unterwelt. Er gerät auf die Fährte weiterer Männer mit Superkräften, die ihre Fähigkeiten im Dienst der Mafia einsetzen. Gemeinsam mit seinem Team versucht er sich an der detektivischen Arbeit, während sich parallel eine halbgare Lovestory zu Cat (Li Jun Li) aufbaut und ihn die zunehmende Gefahr für New York zurück in seinen Anzug drängt. Die Serie versucht dabei, den düsteren Ton des klassischen Film Noir mit den lustigen, chaotischen Elementen einer Comic-Adaption zu verknüpfen, während der gealterte Held gegen seine eigenen Zweifel kämpft.
Ein besonderes Highlight ist die Wahl zwischen zwei Bildoptionen. Man kann die Serie in Schwarz-Weiß oder in der True-Hue Farbversion ansehen. Ich habe anfangs zwischen beiden Varianten hin- und hergewechselt, bin dann aber bei der Farbversion geblieben, obwohl die authentische Noir-Option ebenfalls hervorragend passte. Visuell ist „Spider Noir“ großartig umgesetzt – das Spiel mit den Kontrasten funktioniert perfekt, die mutige Inszenierung mit schrägen Kameraeinstellungen und zahlreichen Close-ups unterstreicht die dichte Atmosphäre. Das 30er-Jahre-Setting wird regelrecht geatmet, was nicht zuletzt an den hervorragenden Kulissen und den passenden musikalischen Einlagen der Nachtclub-Sängerin liegt. Das Erzähltempo zieht nach recht ruhigem Beginn an, die Laborfolge erzählt eine interessante Originstory, die Special Effects sehen überwiegend gut aus. Die Actionsequenzen gefielen mir ebenfalls, auch wenn der gealterte Spidy in seinen Moves natürlich nicht mit dem Jungen mithalten kann. Das Highlight bildet das spannende, twistreiche Finale, das die Fäden passend zusammenführt.
Schauspielerisch und erzählerisch gibt es Licht und Schatten. Brendan Gleeson glänzt in seiner Rolle, Nicolas Cage hingegen neigt mit laufender Spieldauer zu Overacting und Slapstick-Momenten, was nicht jedem gefallen dürfte. Diese polarisierende Comedy bricht die eigentlich gelungene, düstere Noir-Stimmung auf. Zumindest eingefleischte Cage-Fans kommen dabei jedoch auf ihre Kosten. Darüber hinaus wird die Serie von einer recht klassischen, vorhersehbaren Gut-gegen-Böse-Formel und blassen Nebenbösewichten (Sandman und Megawatt) ausgebremst. Die Chemie zwischen Ben und Kat will zudem gar nicht zünden, wodurch die Liebesgeschichte leider banal und deplatziert wirkt.
Zusammenfassend ist „Spider Noir“ eine visuell überzeugende Hommage an den Film Noir, die vor allem durch ihre starke Atmosphäre, solide Effekte und eine tolle Inszenierung punktet. Wer über eine etwas formelhafte Story und Cages exzentrisches Schauspiel hinwegsehen kann oder sogar in Cages Darstellung ein klares Plus sieht, kann mit der Miniserie viel Spaß haben. Sie funktioniert sowohl für Superhelden-Fans als auch für Liebhaber des klassischen Film Noir in neuem Gewand. Mittlerweile steht fest, dass die Produktion eine 8-teilige Miniserie bleibt und keine 2. Staffel erhält.



