Die koreanische Serie „Pyramid Game” fokussiert sich auf den klassischsten Ort für Schikanierungen, Gewalt und Ausgrenzungen: Die Schule. An einer Mädchenschule wird durch die titelgebende Handyapp mittels eines Beliebtheitssystems von A bis F gemobbt. Die Fs sind vogelfrei, die As entscheiden, die Mitte darf auf Anweisung von oben ohne Konsequenzen die Fs terrorisieren. Das High-Concept-Drama wird zum Katz-und-Maus-Spiel mit vielen Erpressungen, Gesellschaftskritik (mächtige Reiche) und dem Aufbau einer Rebellion.
Mobbing scheint in Korea wirklich ein großes Thema zu sein. „Pyramid Game” ist von 2024, ähnelt in seinen Themen aber sehr „Teach You a Lesson” von 2026. Nur wird die Gewalt an Schulen diesmal nicht mit Gewalt von noch weiter oben (und Erwachsenen) beantwortet, sondern von einer neuen Schülerin, die gewaltlos das Mobbing-Spiel von innen heraus zerstören möchte. Seong Su-ji (Kim Ji-yeon, „Twenty Five, Twenty One”) wird an ihrer neuen Schule in das Pyramid Game eingeführt und schikaniert, weil sie diese unfairen Machtverhältnisse nicht hinnehmen möchte. Schnell bemerkt sie, dass auch ein Großteil der Lehrer das Mehrklassensystem zwischen Arm und Reich (+ einflussreich) duldet und sie die Zerschlagung des Systems selbst in die Hand nehmen muss. Dafür sucht sie sich nach und nach Unterstützerinnen und bemerkt im Verlauf der Handlung, was echte Freundinnen sind und wie verdammt einflussreich die große Böse eigentlich ist.
Beim Ansehen muss man die ein oder andere Hürde der Glaubwürdigkeit überspringen. Die Grundannahme der großen Bösen, dass es eben Mobbing in einer guten Klasse braucht, ist sehr zynisch, aber noch passend. Doch als sie das Pyramid Game auch noch stolz den Eltern vorgestellt wird, bröckelt die Plausibilität. Zudem ist sie einfach so mächtig, wie Darth Vader – durch den Großkonzern, der hinter ihrer Familie steht, respektiert aber dennoch demokratische Entscheidungen… Man muss dieses gebaute kleine Ökosystem als abgeschotteten Lebensraum verstehen und diese Logik nicht hinterfragen, um Spaß mit der Serie zu haben. Dann ist sie aber durchaus unterhaltsam.
Die Produktion ist genretypisch in Ordnung, die Darstellerinnen sind überwiegend solide bis gut. Viele Close-ups und Blickduelle zum eindringlichen Soundtrack dominieren die Sendeminuten. Die insgesamt 10 Folgen sind etwas zu lang für das Erzählte, sodass irgendwann eine gewisse Redundanz aufkommt. Man hätte den Beginn etwas schneller erzählen können, da die Mitte mit ihrer Suche nach Mehrheiten eigentlich interessant ist. Das Finale kommt etwas früh und abrupt in Folge 9, gefällt aber gut. Die Geschehnisse danach sind überraschend und etwas weit hergeholt. Eine Länge von 8 Episoden wäre super gewesen.
„Pyramid Game” ist ein solides K-Drama an einer Schule, das erneut eindringlich Koreas Problem mit Mobbing unterstreicht. Die Serie hat das Herz am rechten Fleck und vereint typische Strukturen des K-Dramas (auch etwas Slapstick & Comedy) zu einer soliden Serie einer Rebellion von Unten gegen Oben. Das ist unterhaltsam, auch wenn ein paar Makel den Sehgenuss ab und an stören.



