1923 – Yellowstone Spin-off zwischen Krieg und Lovestory. Review ganze Serie

„1923” ist eine weitere „Yellowstone”-Spin-off Serie, in der die Familie Dutton gegen zahlreiche gierige Widersacher kämpfen muss, um ihr Ziel zu erreichen. Mit einem stets drohenden Krieg am Horizont wird eine interessante Ausgangssituation geschaffen. Leider zieht sich die Zeit bis zum Showdown, weil viel Zeit für Nebenstorys und speziell eine große kitschige Lovestory verwendet wird, die eigentlich im Zentrum steht. Dennoch sorgen die Star Power von Helen Mirren und Harrison Ford sowie einige starke Episoden für eine gelungene Serie.

„1923” schließt grob an „1883” an und wurde erneut von Taylor Sheridan geschrieben und erschaffen. Nach der blutigen Reise der Vorgängerserie sind die Duttons nun in Montana angekommen, wo sie viel Land und eine große Viehherde besitzen und bewirtschaften. Doch die Probleme folgen ihnen erneut. Eine Dürre führt dazu, dass es kaum noch Land zum Grasen gibt, so dass es zu Konflikten mit anderen lokalen Farmern kommt (Jerome Flynn, „Game of Thrones”). Doch damit nicht genug. Es gibt auch noch einen superbösen britischen Geschäftsmann (Timothy Dalton, gut), der mit seinen reichen Freunden am Tisch alle paar Folgen die Welt unter sich aufteilt (oder so) und das Dutton-Land für seine touristischen Projekte braucht. Zu dieser spannenden Hauptstory gesellt sich eine Lovestory rund um Spencer Dutton und seine künftige Ehefrau Alex, die nach Montana kommen sollen, um Krieg zu führen. Außerdem gibt es eine große Storyline rund um eine amerikanische Ureinwohnerin (Aminah Nieves), die von Nonnen und einem Priester in einem christlichen Umerziehungsheim schikaniert wird. Generell fand ich diese Geschichte durchaus spannend und natürlich ist es löblich, dass die Schicksale amerikanischer Ureinwohner nicht unter den Tisch fallen. Mit der Hauptstory zu tun, hat es allerdings exakt gar nichts, was befremdlich wirkt, da zwei Erzählstränge nebeneinander herlaufen, ohne sich zu verbinden. Warum auch immer wird auch viel Zeit für die sadistischen Neigungen des Geschäftsmanns verwendet, die er mit Prostituierten auslebt.

„1923” ist schwer zu bewerten. Ein stimmungsvoller, atmosphärisch dichter Anfang bringt schnell den Krieg auf die Tageskarte und macht Lust auf mehr. Doch dann wird deutlich, dass der Krieg erst heiß werden wird, wenn Spencer zur Familie dazustößt. Leider verbringt er aber seine Zeit als Abenteurer in Afrika und auf Schiffen, wobei er sich verliebt und die beiden ein bisschen Titanic nachspielen. Das ist ungeheuer schmalzig, generell verfallen einige Dialoge dem Kitsch und viel dieser Geschichte plätschert und pilchert so vor sich hin. Somit wartet man von Folge 5 der ersten Staffel bis zur finalen 7. Folge der zweiten Staffel darauf, dass es endlich zum unvermeidlichen Showdown kommt. Diese Herangehensweise bläht die Episoden dazwischen extrem auf, speziell, weil sich immer wieder redundanten Handlungssträngen gewidmet wird, die für die Hauptgeschichte irrelevant sind oder nichts Neues zu erzählen haben. Generell werden ständig Frauen gequält, was historisch vermutlich absolut korrekt ist, aber in der Häufigkeit befremdlich wirkt. Zwar bekommen einige Frauen ihre Rache, aber leider auch nicht alle und ab und an kann nur der heldenhafte Mann in glänzender Rüstung den Tag retten.

In Sachen Produktion und Inszenierung kann man „1923” kaum etwas vorwerfen. Die Kulissen sind hochwertig, die Bilder der riesigen, weiten Landschaften sind atemberaubend schön. Die Darstellerriege ist sehr gut, auch weit über die beiden Hauptdarsteller hinaus. Die Musik bedient sich vieler Streicher und beherrscht die allzu typische Klaviatur des Kitschkinos. 

Fans von „Yellowstone” und „1883” kommen auch bei „1923” auf ihre Kosten, die Reihe sortiert sich nahtlos in das bekannte Universum ein. Zudem ist die Serie etwas für Fans von Romanzen. Ich werde mit dem „Yellowstone”-Franchise weiterhin nicht so richtig warm und habe kein Interesse mehr an weiteren Spin-offs. Das heißt aber keinesfalls, dass die Serie schlecht ist. Ich mochte den Anfang und das Ende gerne, mir war die Mitte allerdings zu lang.

78/100
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