„MobLand” ist eine britische Gangster-Dramaserie, in der rivalisierende Londoner Gangs um die Vorherrschaft auf dem Drogenmarkt kämpfen. Im Zentrum steht Harry, der Problemlöser der einflussreichen Familie Harrigan, die sich nach einer Eskapade des jüngsten Familienmitglieds auf Konfrontationskurs mit den Stevensons befindet. Die Story ist nicht neu oder spektakulär, aber die Besetzung und die Inszenierung sind großartig.
Harry Da Souza (Tom Hardy) ist so etwas wie die Exekutive in der Gangsterfamilie Harrigan. Wenn es ein Problem gibt, wird er angerufen und findet schnell eine Lösung. Lösungen, die er allerdings nicht für die Probleme mit seiner eigenen Familie findet. Zu Beginn muss er sich darum kümmern, dass der junge, aufbrausende und arrogant-naive Eddie Harrigan (Anson Boon) während einer Partynacht jemand anderen absticht. Harry sorgt dafür, dass alles unter den Teppich gekehrt wird, doch bald darauf fördert er ein viel größeres Problem zu Tage. Denn bei Eddies Aktion war auch der jüngste Sprössling der Stevensons zugegen, der seit dem Abend vermisst ist. Die Stevensons sind die großen Rivalen der Harrigans und bereits im Fentanyl-Geschäft verwurzelt. Sie verlangen Erklärungen. Als das Problem an den Patriarchen Conrad (Pierce Brosnan, herrlich übertrieben) und die Matriarchin (Helen Mirren, erfrischend böse) herangetragen wird, droht alles zu eskalieren. Denn in ihrer Selbstüberschätzung kokettieren sie stets damit den Kriegspfad einzuschlagen.
Interessant ist, dass sich „MobLand” auf eine Gangsterfamilie fokussiert, deren Stern unterzugehen droht – es wird nicht der Einstieg in den Drogenhandel und der Aufstieg präsentiert, sondern eine Familie, die strauchelt und nach Strohhalmen greift. Das ist inhaltlich aber auch das einzig Besondere an der Handlung. Denn natürlich geht es um rivalisierende Gangs, um Grabenkämpfe, um Intrigen, um Korruption, um die Polizei und vor allem um einen Haufen familiärer Probleme. Harry hat mit seiner Frau ständig Streit und auch innerhalb der Harrigan Familie gibt es fast pausenlos Zerwürfnisse und Konflikte. Einige Handlungsstränge gefielen mir dabei weniger gut (Harry und seine Frau und speziell seine Tochter und Eddie), aber wenn es ums Geschäft geht, ist die Serie sehr unterhaltsam. Das große Faustpfand sind die Darsteller. Speziell die großen drei sind außergewöhnlich gut und es macht einfach Spaß ihnen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Zudem ist die Inszenierung phasenweise außergewöhnlich gut. Guy Ritchie führt in den ersten beiden Episoden Regie, was man auch sieht. Speziell die erste Folge hat ein überragendes Tempo und verknüpft gekonnt Kamera, Musik und Dialoge. Generell nimmt die Geschichte spätestens ab Folge 5 Fahrt auf und gönnt sich bis zum Ende keine Ruhepause mehr. Inhaltlich ähnelt „MobLand” zwar „Gangs of London”, doch der Fokus liegt hier deutlich mehr auf dem Drama, den Dialogen, kurzen, brutalen Aktionen und weniger auf ausgedehnten Actionsequenzen.
„MobLand” ist eine hervorragend produzierte und inszenierte Serie, die von ihrem Starensemble lebt und durchgehend unterhaltsam ist. Sie erfindet allerdings das Rad nicht neu und bleibt klassischen Versatzstücken von Gangsterdramen treu. Für Staffel 2 würde ich mir noch etwas mehr Mut wünschen, aber dennoch ist Staffel 1 bereits ein Serienhighlight und eine der besten Neustarts 2025.



