Euphoria Staffel 3 – Ein Ende mit Schrecken. Review

Die dritte und finale Staffel von „Euphoria” ist kaum wiederzuerkennen. Aus einer depressiven, stylischen, versexten und drogengetränkten Coming-of-Age Geschichte wird eine typische Gangrivalität im Drogenmilieu. Dazu gesellt sich eine breite OnlyFans-Story, die zwar ein paar gute Einblicke liefert, aber letztlich oberflächlich bleibt und unnötigerweise mit Kriminalität verwoben wird. Viele altbekannte Figuren kehren zurück, eine Weiterentwicklung ist 4 Jahre später aber kaum zu erkennen. Alles in allem ist die 3. Staffel keine Vollkatastrophe, aber völlig unnötig und nur noch ganz selten „Euphoria”. Dabei habe ich ausdrücklich kein Problem mit den angeblich so „schockierenden Szenen” rund um das OnlyFans-Thema, sondern mit Ideenarmut und dem seltsamen Fokus.

Zum Review von Staffel 1 & 2. Zu Beginn wird viel Zeit damit verbracht die verpasste Zeit zwischen Staffel 2 und 3 nachzuerzählen. Ich verkürze es, somit kann man sich die ersten beiden Episoden fast sparen. Alles ist weiterhin kacke, alle Charaktere sind noch recht ähnlich. Rue (Zendaya) arbeitet mittlerweile als Drogenschmugglerin, macht das ganz gut und gerät zwischen zwei rivalisierende Gangs. Jules (Hunter Schafer) ist jetzt Sugarbaby und Malerin, darüber hinaus passiert bei ihr nichts Relevantes. Cassy (Sydney Sweeney) will endlich berühmt werden, aber gleichzeitig auch das Ekelpaket Nate (Jacob Elordi, wenige Drehtage) heiraten. Nate wird erpresst, sie will per OnlyFans an Geld kommen. Dabei hilft Maddie (Alexa Demie), die jetzt Mitarbeiterin einer Schauspielagentin in Hollywood ist, aber im Bereich von OnlyFans und Content Creatoren eigentlich das große Geld sieht. Fehlt noch Lexi (Maude Apatow), die jetzt persönliche Assistentin bei einer Daily Soap im TV ist. Viel mehr passiert um diese Figuren herum auch nicht. Sie haben mal gute Momente, mal schlechte Momente, die die Schattenseiten ihres jeweiligen Businesses zeigen. Viel passiert da nicht. Immerhin liefert die Hochzeit in Folge 3 ein paar schöne Interaktionen der Hauptfiguren untereinander, die sonst in fast keiner Szene am selben Ort sind. Schauspielerisch ist das in Ordnung, mehr aber auch nicht. Ansonsten gibt es nur selten kreative Ideen, wie die Godzilla-Sequenz in Folge 5, die allerdings auch fragwürdig ist.

Man muss einsehen, dass Staffel 3 eigentlich eine Gangrivalität unter Drogenbanden (Martha Kelly vs. Adewale Akinnuoye-Agbaje) ist und darauf den Großteil der Erzählzeit verwendet. Dabei gerät Rue zwischen die Fronten und wechselt diese mehrfach unglaubwürdig, während sie ungehörig viel Plot Armour hat. Es sorgt nicht gerade für Spannung, die Hauptfigur per Cliffhangern stets größter Gefahr auszusetzen, wenn man ohnehin weiß, dass ihr nichts passieren wird. Mit Elementen des Western, ein paar Slapstick-Momenten, Gore-Sequenzen und ständig dümmlich handelnden Figuren wirkt die 3. Staffel manchmal wie eine Parodie des Genres. Ultimativ ist das hart enttäuschend und wird durch viel zu viel Gelaber über die Bibel und Gott am Ende nur noch schlimmer. Es reicht halt nicht nur zu schockieren und eklig zu sein, Die 3. Staffel verkommt in vielen Szenen zum Selbstzweck. Levinson scheint sich im ideenlosen Kopieren besserer Serien zu verlieren und darüber seine eigenen Figuren teils fast vergessen zu haben. Erst im nostalgisch-bitteren Finale findet er kurzzeitig die alte Atmosphäre zurück, wirft sie aber schon bald wieder zugunsten von Rache und Gott über Bord, während die altbekannten Figuren erschreckend wenig dazu beizutragen haben. Das ist schon arg enttäuschend.

Nach dem beschissenen „The Idol” hatte ich allerdings auch nicht mehr viel erwartet. Mir wäre es deutlich lieber gewesen, wenn die Serie nach Staffel 2 beendet worden wäre. Denn der Beginn von Staffel 3 ist langatmig, die Mitte schleppt sich mit altbekanntem, maximal solide ausgeführtem Drogenrivalitäten-Kram und OnlyFans “wie werde ich schnell berühmt”-Plot über die Zeit und das Ende, was endlich emotional packen könnte, wird mit komischem Fokus erzählt. Natürlich ist die Produktion weiterhin top und der Soundtrack (Score+bekannte Songs) gefiel mir sehr gut. Aber die Atmosphäre des alten „Euphoria” wird nur in den Nostalgiemomenten wieder eingefangen. Der Rest wirkt wie eine generische Kopie anderer Serien.

Hätte Levinson eine Crime-Gangster-Drogen Geschichte machen wollen, hätte er das gern tun können. Aber doch bitte nicht unter dem Namen „Euphoria”. Vielleicht sehe ich das auch zu engstirnig. Serien sollen und dürfen sich schließlich gerne weiterentwickeln und auch das Genre wechseln. Aber hier passt einfach zu wenig zusammen.

Dennoch klingt das alles schlechter, als es am Ende ist. Völliger Müll, wie „The Idol”, ist es nicht geworden, auch wenn man der Serie erneut eine misogyne Komponente unterstellen kann. Ich mochte die ersten beiden Staffeln wirklich gern. Hiervon mochte ich sehr wenig, obwohl sicherlich objektiv nicht alles schlecht ist. Leider fällt damit „Euphoria” als Gesamtkunstwerk auch aus meinen Top 100 auf den aktuellen Platz 211, was ich angesichts der ersten beiden Staffeln sehr bedaure.

68/100
Total Score
Nach oben scrollen