Nuklearer Notfall – Dokudrama über den größten radiologischen Unfall weltweit. Review Miniserie

„Nuklearer Notfall” ist eine brasilianische Dokudrama-Serie, die den Goiânia-Unfall in Brasilien im Jahr 1987 behandelt. Eigentlich müsste die Serie „Radioaktiver Notfall” heißen, denn tatsächlich wurde damals radioaktives Caesium-137 freigesetzt und es kam zu keinem nuklearen Zwischenfall. Der Unfall gilt als größter radiologischer Unfall weltweit. Die Serie erzählt die damaligen Ereignisse dramatisiert nach und rückt Wissenschaftler, Ärzte, Betroffene und Politiker in den Fokus. Dabei geht es auch um die öffentliche Meinung und den Widerstand in der Bevölkerung.

Am 13. September 1987 stahlen zwei Schrottsammler ein metallenes Gerät aus einer stillgelegten Klinik. Kurze Zeit später verkaufen sie es weiter an einen Händler, der es weiter öffnet und dabei ein im Dunkeln leuchtendes Pulver freisetzt. Weil er keine Ahnung davon hat, aber fasziniert ist, verteilt er es an Bekannte und Freunde. Tage später werden die Leute in der Umgebung krank. Durch einige glückliche Zufälle wird Radioaktivität vermutet und das Protokoll eingeleitet. Die ersten Episoden fokussieren sich auf den Ausbruch des radioaktiven Materials, wie es zur Verbreitung kommen konnte und wie man die radioaktiv verseuchten Stellen ermittelt. Dabei kämpfen die Wissenschaftler gegen Politiker, die am liebsten alles vertuschen würden und auch gegen die Kontaminierten selbst, die es sehr schwer haben die eigene Situation zu verstehen. Im Verlauf wechselt die Handlung mehr zu den Doktoren, die versuchen Kontaminierte zu retten, und behandelt die Fragen nach Verantwortlichkeiten und nach einem Endlager für den radioaktiven Müll.

Die Ensemble-Serie ist hochwertig produziert und relativ klassisch inszeniert. Die Darsteller sind gut und bringen der Zuschauerschaft die Geschichte mit einer passenden Emotionalität näher. Das Erzähltempo ist anfangs höher, später wird ein größerer Zeitraum erzählt und die Handlung fächert sich etwas auf. Ich empfand den Anfang als stark, der Ausbruch wird besser erzählt als die Zeit danach. Manchmal liegt mir der Fokus etwas zu sehr auf den persönlichen Problemen einiger weniger Personen. So ist beispielsweise die Beziehung zwischen dem jungen Physiker und seiner Freundin wenig relevant, nimmt aber einen großen Stellenwert ein. Einige Szenen sind zudem etwas zu deutlich auf Emotionalität hin gebaut und mit der passenden traurigen Musik unterlegt, was die Serie gar nicht nötig hätte. Viele Figuren sind mir zu sehr nach dem „Malen nach Zahlen”-Prinzip angelegt.

„Nuklearer Notfall” ist zwar ein falscher Titel, aber dennoch eine gute 5-teilige Miniserie. Wer noch nichts von dem realen Unfall wusste, kann sich hier weiterbilden und erhält gleichermaßen eine unterhaltsame, schockierende und bittere Serie. Besonders grotesk wirkt der sorglose Umgang der Bürger ein Jahr nach Chernobyl, das Kompetenzgeschacher und die rückgratlosen Politiker sind hingegen wenig überraschend. Auch das fehlende Verständnis in der Bevölkerung für die Wissenschaft wird gut transportiert. Natürlich kommt die Miniserie nicht an den Genrekönig „Chernobyl” heran, aber dennoch ist die Serie sehenswert und empfehlenswert für Fans von Dokudramen.

78/100
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