„Tales from ‘85” ist eine Animationsserie und ein Spin-Off zur beliebten „Stranger Things”-Serie, die zwischen der 2. und 3. Staffel der Hauptserie spielt. Die Geschichte fokussiert sich auf die Kinder des Hauptcasts und erzählt erneut davon, wie irgendwelche Monster Hawkins heimsuchen. Die neuen Synchronstimmen erschweren den Zugang zu einer Serie, die zwar eigentlich alle Zutaten hat, aber wenig damit anfängt und sich in unspannenden Actionsequenzen verliert.
„Tales from ‘85” hat von Beginn an mehrere Probleme. Zunächst fehlen die arrivierten Sprecher, weil Netflix ihre Stimmen für das Training von KI verwenden wollte und sie das (zurecht) strikt ablehnten. Doch natürlich fanden sich andere, die diese Aufgabe (eher schwach) erledigen. Zudem hat die Serie klassische Prequel-Probleme: Wir wissen genau, dass den Figuren nichts passieren kann, was jeder Actionsequenz die Spannung nimmt und die bedrohliche Inszenierung fehl am Platz wirken lässt. Schwierig ist in diesem Zusammenhang die neue Figur Nikki, die so wirkt, als sei sie „Vi” aus „Arcane” mindestens nachempfunden (eher eine billige Kopie). Auch der Animationsstil ist polarisierend. Die Figuren sehen sehr so aus wie in den Telltale Games (z.B. „The Walking Dead”), was man entweder mag oder nicht. Nach Betrachtung der ganzen Serie mag ich den Stil weiterhin nicht besonders, die Animationen sehen aber durchweg gut aus, auch wenn sie kein überragendes Niveau wie in „Arcane” erreichen. Was mir sauer aufstieß, war, dass man Eleven im Vergleich zur Hauptserie de facto kaum wiedererkennt. Sie ist stärker als je zuvor und je danach, besonders, weil sie dauerhaft ihre Kräfte wirken kann und keine (oder kaum) Erholungspausen braucht. Das wirkt etwas seltsam, wie auch die Begründung dafür, dass es überhaupt Monster in Hawkins gibt, nachdem Eleven das Tor doch eigentlich geschlossen hatte. Das bringt uns kurz zum Inhalt.
Forscher haben doch irgendwas von der anderen Seite in der echten Welt behalten und damit Experimente gemacht. Die gerieten natürlich außer Kontrolle und erschufen Wesen, die es davor und danach nicht mehr gab. Die Truppe rund um die jüngeren Kids (ohne die Erwachsenen und weitgehend auch ohne Nancy, Steve & Co) rennt zu Beginn vor allem davor weg, ehe sie in der Mitte versuchen die Viecher zu verstehen. Dabei bringen sie sich ständig dumm in Gefahr, die aber eigentlich gar keine Gefahr ist – die bereits genannten Prequel-Probleme. Letztlich müssen sie die Monster natürlich besiegen. Das Erzähltempo ist recht hoch, speziell in den ersten Folgen gibt es ständig Verfolgungsjagden und Actionsequenzen ohne jede Fallhöhe.
Was macht die Serie denn gut? Die Animation ist gut, die Musikauswahl ist stimmig, die Gruppendynamik funktioniert zumindest einigermaßen. Die Action ist vernünftig inszeniert. Mir gefielen die Szenen ohne Monster allgemein besser als der Rest. Wenn sich die Gruppe einen Plan zurechtlegt und diesen fernab von bösartigen Kreaturen ausführt, gefällt mir die Serie am besten. Aus meiner Sicht hätte die Aufklärung eines Mordfalls ohne Übernatürliches oder Ähnliches der Serie besser gestanden. So will „Tales of ‘85” irgendwie dasselbe, wie die Hauptserie erzählen, nur eben animiert – und aus meiner Sicht schlechter auf fast allen Ebenen (die Animation ist besser als so manches CGI).
Für wen ist es was? „Tales of ‘85” kann für alle funktionieren, die gar nicht genug von „Stranger Things” bekommen können und einfach sehen wollen, wie die Gruppe interagiert und sich erneut Monstern gegenübergestellt – zu passender Musik und mit Superheldenkräften von Eleven in höherer Frequenz als je zuvor. Zudem darf einen der Sprecherwechsel nicht stören. In diesem Fall funktioniert die Serie.
Wer sich mehr von der Serie versprochen hat, wird enttäuscht. Für mich häuften sich die Hindernisse zu sehr, um wirklich Spaß zu haben. Das größte Problem sind die anderen Stimmen und die steten Actionsequenzen ohne jegliche Gravitas, die bei mir eher Langeweile erzeugten. Wirklich schlecht ist das alles nicht, aber irgendwie wirkt es seelenlos, beliebig und mit der heißen Nadel zusammengestrickt. Schade. Ich bin gespannt, ob es noch mehr Spin-Offs geben wird.



