„River” ist ein britisches psychologisches Drama im Krimigewand, in dem der leitende Ermittler die Toten seiner Mordfälle sehen und mit ihnen interagieren kann. Manchmal hilft ihm das beim Lösen der Fälle, manchmal driftet er so in den Wahnsinn ab. Der neueste Mordfall trifft ihn persönlich und bringt ihn an seine Grenzen. „River” ist mehr Drama als Krimi und wirkt eher wie ein nordischer Noir-Krimi als ein klassischer britischer Krimi. Ich fand den Auftakt brillant und mochte das Ende, die Mitte nimmt sich Zeit, um die Psyche zu erkunden.
In der 6-teiligen Miniserie ermittelt der knurrige und verschlossene River (Stellan Skarsgård, Highlight, „Andor„) in einem Fall einer 17-jährigen, die verschwunden ist. Doch schnell wird er noch in einen anderen Fall hineingezogen. Eine Person aus seinem Umfeld (Nicola Walker) wird ermordet, er wird aufgrund von Befangenheit aus dem Fall ausgeschlossen, aber dennoch folgt ihm dieser Fall in jeder Sekunde seines Tages. Anfangs verfolgt er einen Verdächtigen, der sich vor ihm in den Tod stürzt, was zu großem öffentlichen Druck auf die Polizei führt. River, der nun immer häufiger mit zahlreichen Toten ungelöster Fälle spricht, was auch für alle anderen ersichtlich ist, muss deswegen auch mit einer Polizeipsychologin sprechen, die ihn auch für untauglich erklären könnte. River balanciert nun zwischen seinem eigenen Fall, dem persönlichen Fall und den Problemen nicht suspendiert zu werden. Dabei hilft ihm immerhin sein neuer Kollege Ira King (Adeel Akhtar, „Utopia”), den er anfangs noch sehr ausschließt, sich ihm gegenüber aber mit der Zeit etwas öffnet.
Was man zu Beginn wissen sollte: Ja, die Anmutung ist die eines Krimis, aber die Hauptfigur und ihre Dämonen, ihre Stimmen, die Toten, die sie sieht und wie sie damit umgeht, stehen im Zentrum der Serie. Zudem wird Rivers Psyche weiter ergründet, in dem deutlich wird, dass er für das Opfer wohl mehr als nur Freundschaft empfand und auch die Familie des Opfers gut kennt. Im Kern ist „River” ein psychologisches Drama, bei dem ich mir teilweise mehr Krimifokus gewünscht hätte. Manchmal gelangt River doch recht zufällig an neue Erkenntnisse. Die Darsteller sind alle solide, aber Stellan Skarsgård sticht positiv heraus. Das musikalische Leitmotiv ist schlau eingesetzt, die düstere Atmosphäre passt hervorragend zur Geschichte. Das Erzähltempo ist anfangs sehr hoch, ein erster Twist großartig, in der Mitte lässt das Tempo etwas nach und nimmt Anlauf, um in der letzten Folge zu einem passenden Ende zu kommen. Inszenierung und Produktion sind eher klassisch und solide. Der Kniff tote Menschen sehen zu können, ist die dominante kreative Idee dieser Serie, die sehr gut aufgeht.
Zusammenfassend bekommt „River” eine Empfehlung für alle Fans von nordischen Neo Noir Krimis, Ermittlern mit eigenen Dämonen und vielschichtigen Dramen über Schuld und wie man diese bewältigen kann. Fans von ganz klassischen Krimis werden manchmal vielleicht leicht genervt sein, dass der Krimifokus nicht mehr besteht, aber Rivers einzigartige Fähigkeit verleiht der Serie eine eigene, interessante Identität. Somit ist „River” ein Geheimtipp! Keine leichte Kost, aber eine gute, etwas andere Krimidrama-Serie mit kleineren Makeln.



