Vladimir – Wohin führt die Obsession für den jüngeren Kollegen? Review Miniserie

Am Ende dieser seltsamen Familiendrama-Miniserie mit Comedy, Erotik und #Metoo-Thematiken sagt die Hauptfigur, dass sich ihr Buch über die Obsession einer älteren Frau für ihren jüngeren Kollegen deutlich besser verkauft als andersherum, weil es „eine Sehnsucht bedient”. Leider hat mich diese Sehnsucht, das Anschmachten des jungen Kollegen mit all den im Kopf stattfindenden Sex-Fantasien nicht gepackt und auch die Nebengeschichten können das nicht auffangen.

„Vladimir” basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Julia May Jonas, die auch in diese 8-teilige, insgesamt rund 4-stündige Miniserie involviert war. Im Zentrum der Handlung steht M (Rachel Weisz), eine Professorin, die in einen Shitstorm gelangt, weil ihr Ehemann und Professor-Kollege (John Slattery, schön ihn mal wieder zu sehen, „Mad Men”) in seiner Laufbahn ständig Affären mit seinen Studentinnen hatte. Diese Affären werden nun untersucht, weil man heutzutage das Machtgefälle mehr berücksichtigt und sich fragt, ob diese Affären wirklich einvernehmlich waren. Die vordergründig feministische M muss sich nun für eine Seite entscheiden (sehr ähnlich zum aktuellen „After the Hunt”), doch das ist für sie weniger relevant, weil sie stattdessen ihre Augen auf den neuen jungen Kollegen Vladimir (Leo Woodall) wirft. Sie ergeht sich in Sex-Träumen mit ihm und versucht ihm fast peinlich näher zu kommen. In der Mitte der Handlung probiert sie auch über eine Freundschaft mit seiner aktuellen Freundin an ihn heranzukommen. Ob Vladimir diese Anschmachtungsversuche erwidert oder nicht, bleibt lange die Frage und kulminiert in einer recht absurden finalen Folge.

Was mich am meisten ansprach, ist die Machart. Hauptfigur M bricht die 4. Wand und spricht direkt mit den Zuschauern. Man versucht die Buchherkunft nicht zu verschleiern. Auch die Produktion ist solide und die Darsteller sind in Ordnung. Doch letztlich ist das für mich inhaltlich nicht weit von „50 Shades of Grey” entfernt. Soft-Erotik in Buch- und Miniserien-Form, nicht als Romantasy getarnt, sondern im Uni und #Metoo-Milieu. Ab und an fühlt man sich auch an „You“ erinnert. Doch letztlich geiert eine ältere Frau einfach auf den Junior Professor und erregt sich an seinem Körper und seinem Intellekt. Über die volle Laufzeit ändert sich daran wenig. Die finale Folge hätte das Potential gehabt, dem Ganzen eine sehr interessante Wendung zu geben, entscheidet sich aber leider anders, so dass mich das Ende auch nicht überzeugen konnte.

Zusammenfassend ist „Vladimir” ein bisschen Soft-Erotik mit wenig überzeugender Nebenstory. Wer genau das gerne sieht, der schaut zu, alle anderen können sich diese Netflix-Miniserie sparen.

67/100
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