„Two Weeks to Live” ist eine Mischung aus Klamauk-Comedy und Gangster-Rache-Thriller mit etwas peinlicher Teenie-Romance von Anfang 20-jährigen gepaart. Vorbild war vielleicht Guy Ritchie, aber primär die Actionsequenzen können damit nicht mithalten. Dennoch ist die britische Serie ordentlich blutig und kann durch den frischen Blick der Hauptfigur ein paar satirisch-gute Beobachtungen über unseren Alltag vermitteln. Aber es wird auch viel rumgeblödelt von Figuren, die völlig überzeichnet und “cringe” sind, woraus ein Großteil der Comedy gebastelt wird. Als Comedyfan anschaubar, ansonsten weniger.
Die erste Folge beginnt interessant, allerdings eher in Sketch Form. Die junge Kim (Maisie Williams, „Game of Thrones”, positiver Fixpunkt der Serie) kommt in einen Imbiss in England und scheint keinen Plan von der Welt und deren Funktionsweise zu haben („fish out of water”). So wird sie schnell vom Besitzer abgezockt, als sie ihr ganzes Geld zückt. Weil sie das Unrecht später erkennt, brät sie ihm eins über. Danach wankt sie in einem Pub hinein, wo sie die Brüder Nicky (Mawaan Rizwan) und Jay (Taheen Modak) trifft. Die beiden sind sehr peinlich und wirken pubertär. Nicky fühlt sich zu Kim hingezogen und bemerkt, dass sie eine To-do-Liste in ein altes Buch geschrieben hat und die Asche ihres Vaters herumträgt. Eine spannende Figur! Woher kommt Kim? Ist sie ein Alien? Was hat es mit dem Titel auf sich? Gibt es eine Apokalypse? Das deutet Kim zumindest an, als sie mit den beiden Jungs spricht, ihre Mutter ist vom bevorstehenden Atomkrieg überzeugt und hat ihr das eingeimpft.
Leider entscheidet sich die Serie in keine dieser möglicherweise spannenden Sci-Fi oder Apokalypse-Richtungen zu gehen. Stattdessen ist Kim nur die Tochter der Prepperin Tina (Sian Clifford, „Fleabag”), die mit ihrer Tochter einsam im Wald lebt, ihr vom Weltuntergang erzählt und sie im Survival-Training schult. Das alles hat natürlich interessante Gründe aus der Vergangenheit und schnell wird es aus der mysteriösen Serie eine klassische Rache- und „Gangster wollen mich ermorden”-Geschichte mit viel Klamauk und Blut. Es wirkt, als hätten die Macher „Utopia” gut gefunden, diese Klasse erreichen sie aber nie.
Der Anfang zog mich durchaus in seinen Bann, nachdem das Mysterium aber schnell und für mich recht unspannend aufgelöst wurde, konnte ich keinen rechten Zugang mehr zu der nur 6-teiligen Serie mit Folgen à 25 Minuten finden. Das Erzähltempo und die Actionsequenzen sind durchaus in Ordnung, aber speziell die Figuren der beiden Brüder sind wirklich so weit draußen und „cringe”, dass es manchmal schmerzt. Zudem wirkt die Handlung etwas wie ein Abhaken bestimmter Punkte auf einer Liste, die es eben in diesem Genre braucht. Die ein oder andere Sequenz ist dennoch cool inszeniert oder gut beobachtet, aber das war mir leider am Ende zu wenig.
Comedyfans können bei „Two Weeks to Live” mal reinschauen. Wer allerdings mehr als Klamauk-Comedy gemischt mit einem Gangsterdrama und einer peinlich-naiven Lovestory erwartet, wird wohl enttäuscht. Ganz offensichtlich wollten die Macher eine 2. Staffel, die es aber wohl nie geben wird. Verständlich.



