„The Great” ist ein absurdes, satirisches Comedy-Kostümdrama mit zahlreichen Intrigen am Hof, das lose auf der historischen Figur der russischen Kaiserin Katharina in der Mitte des 18. Jahrhunderts basiert und eine Hassliebe mit Kaiser Peter III. porträtiert. Nach einer schnellen Heirat bemerken beide, dass sie nicht zueinander passen und entwickeln Ideen, die jeweils andere Person zu ermorden, um die eigene Macht zu sichern. Die Historien-Groteske greift sich wenige Punkte aus der Realität heraus und strickt daraus eine ganz eigene Geschichte, die häufig mit sexuellem und morbidem Humor angereichert wird – muss man mögen.
Die deutsche Sophie von Anhalt-Zerbst (Elle Fanning) wird mit dem russischen Kaiser Peter III. (Nicholas Hoult) vermählt. Doch Peter stellt sich als vollkommen inkompetenter Herrscher und Lebemann heraus, der das Feiern, den Alkohol, viel Sex, etwas Krieg und zahlreiche Gewaltmomente als zentrale Elemente seiner Herrschaft versteht. Die junge Katharina ist davon angewidert und fühlt sich mehr zu den aufklärerischen Ideen rund um Voltaire hingezogen. Auch durch einige Vertraute am Hof, die der jeweils anderen Seite die Pest an den Hals wünschen, schaukelt sich die Rivalität so hoch, dass die beiden Mordpläne gegeneinander entwickeln. Dieses Thema zieht sich durch alle 3 Staffeln der Serie, die insgesamt 30 Episoden á 50-60 Minuten umfasst. Es gibt offene Konflikte, Situationen der Gefangenschaft, es wird sich aber auch überraschend zusammengerauft und in Teilen liegt der Fokus auf anderen Kriegen (mit Schweden oder den Osmanen) oder den Nebenfiguren.
Faustpfand der Serie sind ihre wunderbaren Darsteller. Speziell Fanning und Hoult brillieren als übergroße Figuren, die sowohl Comedy als auch großes Drama bieten. Aber auch das restliche Ensemble überzeugt. Das Erzähltempo der Serie ist in Ordnung, speziell in der Mitte der Staffeln (mit Ausnahme der letzten) gibt es einige Exkursfolgen, die etwas das große Ziel aus den Augen verlieren, aber dennoch unterhalten können. Primär der Anfang und das Ende der jeweiligen Staffeln sind allerdings Highlights.
Die Humorfarbe ist dunkel, sexuell und makaber mit etwas Fäkalhumor. Es gibt ständig neue Liebschaften, Sex in Kostümen und Intrigen. Anfangs empfand ich diese freche, teils wirklich bösartige und überraschend gewalttätige Darstellungsform für eine Comedy als sehr erfrischend, interessant und überwiegend lustig. In den Folgestaffeln stellte sich aber eine gewisse Sättigung ein, speziell zu den stets ähnlichen Sexwitzchen. Der satirische Aspekt ist hingegen durchgehend überzeugend und konzentriert sich vor allem auf die Machtgier der zahlreichen Figuren – von weltlich bis religiös. Doch Humor und Satire sind wie immer subjektiv. Viele werden damit nichts anfangen können, für andere trifft es genau ins Schwarze. Handwerklich ist die komödiantischen Momente gut gemacht, schön aufgebaut und stimmig von den Darstellern vorgetragen. Für mich nutzte sich die Comedy etwas ab, weil man sich humoristisch nicht genügend neu erfindet, um mich ständig am Schmunzeln zu halten. Stattdessen gefielen mir später die machtpolitischen Auswüchse besser – wenn es tatsächlich um Strategien zum Mordkomplott, die Umsetzung von Reformen oder Verhandlungen und Kriegen mit anderen Nationen geht. In Sachen Kostüme und Produktion ist die Serie ohnehin überzeugend (bis auf einige CGI-Tiere).
Historisch akkurat ist davon wenig, die Story hangelt sich an einigen realen Figuren und Ereignissen entlang, erfindet aber auch einiges dazu und fiktionalisiert viel. Daher eignet sich „The Great” nur anteilig für Geschichtsfans und ist nicht mehr als ein Einstiegspunkt, wenn man mehr über die Zeit wissen möchte.
„The Great” ist eine sehenswerte Comedy mit fortlaufender Handlung, die Machtpolitik, Intrigen und Kostümdrama gekonnt mit Humor verbindet. Eine gewagte Mischung, die allerdings aufgeht. Fans von Kostümdramen oder Comedys sollten sich die erste Folge ansehen. An dessen Ende weiß man, ob man etwas mit dem schrägen Humor und dem Vibe der Serie anfangen kann. Mir gefiel es zu Beginn sehr gut, allerdings gab es mit der Zeit einige Abnutzungserscheinungen. Dennoch ist „The Great” eine ganz eigene und ungewöhnliche Serie mit starken Darstellern.



