„The German” erzählt eine fiktive Geschichte im Jahr 1970 in Israel. Es geht um die Agenten-Tätigkeiten des Mossads um eine Gruppe von Ex-SS-Soldaten zu infiltrieren und damit an Josef Mengele zu gelangen, aber auch um sehr viel Familiendrama, Traumata der Vergangenheit und deren Aufarbeitung, die eigene Identität sowie zahlreiche neue Liebschaften. Oliver Masucci spielt einen israelischen Familienvater, Holocaustüberlebenden und Spion wider Willen und trifft auf einen ansonsten überwiegend israelischen Cast, aber auch auf deutsche Darsteller im Münchener-SS-Plot.
Die israelisch-amerikanische Serie, die in ihrer ersten Staffel 8 Folgen lang ist und wohl noch eine Fortsetzung bekommen soll, überzeugt mit ihrer Darstellung der 1970er Jahre. Das Setting eines Kibbuz am See in Nordisrael und auch in München wird gut getroffen. Im Zentrum stehen Uri (Masucci) und seine Familie rund um Frau Anna (Ania Bukstein), Tochter und Sohn, die beide Anfang 20 sind. Uri versucht ein großes Geschäft für Wasserfilter ans Laufen zu bekommen und erhält frühzeitig ein Angebot von Deutschen in Höhe von 30 Millionen DM, womit er die Schulden des gesamten Kibbuz tilgen könnte. Die Tochter der Familie studiert und trifft dort auf einen Forscher aus den USA, den sie auf das spannende Thema des generationsübergreifenden Traumas bei Holocaustüberlebenden bringt. Fortan lebt dieser Forscher im Kibbuz und spricht mit zahlreichen Einwohnern. Dabei wird deutlich, dass Uri und Anna eine traumatische Vergangenheit verbindet und sie sich damals in einem Auffanglager nach Kriegsende noch in Deutschland kennen und lieben lernten. Anna wird durch Forscher von einem Aufklärungsdrang gepackt. Nachdem sie ihre Vergangenheit 25 Jahre lang beiseite schob, möchte sie nun genau wissen, was mit ihrer Familie passiert ist und auch ob Uri als Holocaustüberlebender in Auschwitz noch Verwandte hat. Dabei stößt sie allerdings auf einige Ungereimtheiten. Parallel wird Uri vom Mossad angeheuert, um eine SS-Bande zu unterwandern, die Verbindungen nach Brasilien zu Mengele hat. Dort muss er sich und seine Tarnung in spannungsgeladenen Gesprächen immer wieder auf die Probe stellen.
„The German” ist gut gespielt, Masucci lernte sogar extra hebräisch für die Rolle. Das Setting ist gut, die Inszenierung ist solide, die Grundgeschichte ist spannend und überraschend. Dabei wird allerdings schnell deutlich, dass die Handlung rund um Agenten und Spionage die interessanteste ist, die allerdings nicht den größten Raum einnimmt. Darüber hinaus ist auch Annas Suche und Durchforsten von Archiven mit ihren neuen Erkenntnissen aufregend. Wären diese beiden Handlungsstränge die einzigen relevanten, dann hätte mir die Serie noch besser gefallen. Leider gibt es noch zahlreiche weitere Zutaten für diese Dramaserie, vor allem unnötigerweise unzählige Liebschaften. Dass die Tochter mit dem Forscher anbandelt, der durch die Aufarbeitung des Traumas eine bedeutsame Komponente in die Geschichte einbringt, passt noch gut. Doch was soll der Sohn der Familie? Durch seinen Mist am Anfang wird sein Vater erpresst, danach ist er irrelevant für die Geschichte. Mal ist er traurig, dann wieder nicht, dann geht es an die nächste Freundin, Schuld scheint er kaum zu fühlen. Er ist wirklich ein komplett hassenswerter Charakter, dessen Liebschaften dennoch viel Raum einnehmen. Wenn das generationsübergreifende Trauma an seinem Beispiel gezeigt werden sollte, ist das für mich leider nicht gelungen. Auch viele andere Affären und Verwicklungen hätte es für mich nicht gebraucht. All dies bläht die so spannende Grundgeschichte mit SS-Spionage und dem Nachforschen über die dunkle Vergangenheit leider unnötig auf, wodurch das Tempo immer wieder herausgenommen wird. Schade!
Für mich hätten deswegen auch 6 Folgen ausgereicht, die sich auf die genannten wichtigen Themen fokussieren. So war ich leider nicht durchgehend unterhalten, sondern manchmal leider etwas genervt. Doch die Zuspitzung und die Enthüllungen bringen die Serie nach ruhigem Beginn in der Mitte auf eine neue Stufe, die mir sehr gut gefiel. Deswegen ist die Bewertung etwas ambivalent. Das Ende ist polarisierend. Für mich funktioniert es hervorragend als zynisches offenes Ende, aber tatsächlich ist es wohl eher ein Aufgalopp für eine 2. Staffel. An der ich durchaus noch Interesse hätte.
„The German” ist eine interessante Serie, die geschickt eine Spionagegeschichte mit großem Familiendrama und Traumata vor dem lauernden dunklen Schatten des Holocausts verbindet. Darsteller und Setting sind sehr gut, leider gönnt sich die Geschichte zu viele wenig interessante Nebenhandlungsstränge, die die spannende Haupthandlung verwässern. Dennoch wirkt die Geschichte frisch und unverbraucht, wodurch es eine kleine Empfehlung gibt. Die Serie von 2025 ist noch sehr unbekannt und aktuell ein klarer Geheimtipp.



