„The Beast in Me” ist ein düsterer Psychothriller, der herausragend gut gespielt ist und einige kreative Ideen in der Inszenierung zu bieten hat. Eine von der Vergangenheit gebeutelte Autorin trifft auf einen mutmaßlichen Frauenmörder, dem das Verschwinden seiner ehemaligen Ehefrau allerdings nie angelastet werden konnte. Trotz anfänglicher Antipathie entwickelt sich eine gewisse Anziehungskraft, so dass auch ein gemeinsames Buch im Raum steht und nach und nach alle Geheimnisse von Gegenwart und Vergangenheit gelüftet werden. Die Miniserie überzeugt auf vielen Ebenen, leider aber nicht vollumfänglich auf der wichtigsten: Dem Inhalt und der Auflösung.
Claire Danes knüpft als die Bestsellerautorin Aggie Wiggs gefühlt an ihre Rolle in den späteren Staffeln von „Homeland” an. Sie ist massiv psychisch instabil, von Schuld und Angst zerfressen, seitdem sie bei einem Autounfall vor Jahren ihren jungen Sohn verlor. Seitdem mag ihr auch kein Nachfolger ihres Bestsellers gelingen, ihrer Verlegerin lügt sie stets etwas vor und auch finanziell ist sie nicht mehr auf Rosen gebettet. Da trifft es sich doch eigentlich gut, dass der Immobilienmogul-Sohn und mögliche Frauenmörder Nile Jarvis (Matthew Rhys, „The Americans”) mit seiner aktuellen Frau in die benachbarte Villa einzieht und ihr Geld dafür anbieten möchte, dass er einen Joggingpfad durch den Wald bauen darf. Doch Aggie ist eine Frau der Prinzipien, die sich nicht kaufen lassen möchte und mit dem neuen Nachbarn schnell aneckt. Dennoch entbrennt zwischen den beiden eine seltsame Faszination, die ich persönlich allerdings weniger greifen konnte. Jedenfalls treffen sie sich daraufhin häufiger und reden tiefgreifend über ihre Gefühle und Geschehnisse der Vergangenheit. Jarvis findet so heraus, dass der damalige andere Unfallfahrer weiterhin in der Kleinstadt lebt, was Aggie sehr mitnimmt. Am nächsten Morgen ist dieser verschwunden… was da wohl passiert sein könnte. Zudem steht auch noch das FBI nachts bei Aggie vor der Tür, offenbar wird doch noch irgendwie gegen Jarvis ermittelt. Danach bewegt sich die Thriller-Maschinerie auf relativ vorhersehbaren Pfaden, der Spannungsaufbau und der Psychothriller gelingen, die Auflösung fand ich jedoch leider etwas halbgar.
Besonders gelungen ist die einfallsreiche Inszenierung der Miniserie. Sofort in der ersten Folge mochte ich die vielen ungewöhnlichen Kameraperspektiven, gerade die häufig genutzte Vogelperspektive hat es mir besonders angetan. Die Produktion ist sehr gut, doch das Faustpfand sind die Darsteller. Claire Danes und Matthew Rhys liefern beide sehr stark ab, Rhys schien Spaß am Bösen (und Tanzen zu „Psycho Killer”) zu haben, Danes ist typisch extrem verzweifelt. Doch auch über einen starken Jonathan Banks („Breaking Bad”, „Better Call Saul”) habe ich mich sehr gefreut. Die Serie ist stilsicher inszeniert, es gibt viele schöne Bilder voller Symbolik. Aus meiner Sicht kann nur das Drehbuch nicht ganz mithalten. Die Frage nach der Schuld und Unschuld hätte ambivalenter und nicht so überdeutlich ausfüllen dürfen, ich hätte gerne zumindest eine Sekunde lang gezweifelt. Zudem ist die Annäherung der beiden Hauptcharaktere kaum nachvollziehbar und die FBI-Leute sind alle zu große Vollpfosten. Die finalen Entwicklungen sind vorhersehbar und die Auflösung wirkt etwas arg einfach. Dennoch bietet die Serie viele Highlights. Die erste Folge liefert ein starkes Setup, auch danach gibt es starke Momente und inhaltsreiche Gespräche. Die vorletzte Rückblick-Folge, die alle halblosen Enden verknüpft, ist hochinteressant.
Zusammenfassend ist „The Beast in Me“ eine schöne Thrillerserie, über die ich mich grundsätzlich sehr freue, weil mein Lieblingsgenre nicht so häufig mit hochwertig produzierten, top besetzten Geschichten beliefert wird. Die äußeren Werte sind alle fantastisch, doch leider stimmen die inneren Werte für mich nicht ganz. Wie hoch man was gewichtet, liegt – in diesem Fall und vielen anderen Lebenssituationen – ganz beim Konsumenten. Ich hatte trotz der Makel dennoch Spaß an der Serie, ich hätte aber gerne mehr gerätselt und die „Twists“ hätten überraschender sein dürfen.



