„The Art of Sarah” ist eine koreanische Verwirrspiel-Miniserie mit Mord, falschen Identitäten und Betrug, angesiedelt in der Welt der Luxushandtaschen. Zunächst wirkt die Serie wie ein recht klassischer Krimi, ein Whodunit, bei dem zahlreiche Tatverdächtige präsentiert werden. Doch im hinteren Teil erinnert die Handlung auch an „Catch me if you can”, ein Verwirrspiel zwischen Betrüger und Polizei, welches nur einen Gewinner kennt. Mir war die Story lange Zeit zu wirr, die zweite Hälfte gefiel mir aber besser.
In der Kanalisation in Seoul wird die Leiche einer Frau gefunden, die als Sarah Kim (Shin Hye-sun) identifiziert wird. Nun wird innerhalb der ersten Folgen der Aufstieg Kims zur Chefin einer Luxusmarke skizziert, während gleichzeitig ihre Wegbegleiter und Rivalen von der Polizei verhört werden. Dadurch ergibt sich eine ganze Reihe an potentiellen Tätern, während das Bild von Sarah Kim als begabte Betrügerin, die alle gegeneinander ausspielte, um zu ihrem persönlichen Vorteil zu gelangen, immer deutlicher gezeichnet wird. Nach einem erwartbaren, aber dennoch gelungenen Twist in der Mitte, entwickelt sich die Story mehr in Richtung Duell zwischen Betrüger und Polizist. Beide wissen, was geschehen ist, oder vermuten es zumindest stark, aber kann man es auch beweisen?
Die koreanische 8-teilige Miniserie definiert sich völlig über ihr verworrenes Verwirrspiel in einer Modewelt, in der mehr glitzernder Schein als Sein herrscht. Man muss sich völlig darauf einlassen und in die Murder Mystery mit Gesellschaftskritik eintauchen, um wirklich involviert zu sein. Mir erschwerten dies ein paar Gründe. Leider bin ich kein Fan des Looks, der teils von vielen unsinnigen Unschärfen an den Rändern geprägt ist. Das Erzähltempo ist anfangs etwas langsam und die Charaktere gewinnen alle keine Sympathiepreise. Zumindest fehlte etwas der rote Faden, weil häufig zwischen Zeitebenen gesprungen wurde und man die ganze Story nur in Rückblenden mit zahlreichen Wiederholungen präsentiert bekommt. Einige Figuren overacten etwas deutlich, die Hauptcharaktere werden aber von ihren Darstellerinnen und Darstellern gut verkörpert. Erst in der zweiten Hälfte werden Fragen auch beantwortet und die Geschichte läuft stringenter auf ihren Kulminationspunkt zu. Zwar muss man dort einige Eigenheiten des koreanischen Rechtssystems gut nachvollziehen können, um den letztlichen Plan gut zu verstehen, aber die Spannung wird hochgehalten und ein schöner Twist in der vorletzten Folge kann für ein positives Raunen sorgen.
Zusammenfassend ist „The Art of Sarah” eine koreanische Miniserie für Fans von Verwirrspielen und Mysterythrillern, die sich sowohl an der ein oder anderen Logikhürde als auch daran, lange im Dunkeln gelassen zu werden, nicht stören. Zudem hilft es, wenn man ein gewisses Interesse für die verrückte Welt von Marken-Luxusartikeln hegt. Für mich gab es ein paar Probleme zu viel, doch das letzte Drittel konnte mich überzeugen. Mir gefielen die beiden vorherigen Netflix-Serien des Regisseurs, „Extracurricular” und „My Name” allerdings besser.



