„Task” ist eine Crime-Serie von HBO, in der ein FBI-Agent mit traumatischer Vergangenheit eine Einheit zusammenstellt, um Raubüberfälle in der Gegend zu untersuchen. Doch schon bald eskalieren die Überfälle und die Ermittlung entwickelt sich zu einer Morduntersuchung im Biker-Drogengang-Milieu. Neben dem eher klassischen FBI-Blickwinkel der Ermittler, fokussiert sich eine zweite Perspektive auf den Haupttäter und seine Beweggründe. Insgesamt werden in der Serie von Brad Ingelsby, der zuvor bereits das starke „Mare of Easttown” für HBO schuf, die Ermittlungsarbeit und Bandenkriminalität mit vielen blutigen Konsequenzen gezeigt, doch der Racheplot und sehr viel Familiendrama auf allen Ebenen runden die Handlung erst richtig ab. Herausgekommen ist eine intensive, unterhaltsame Serie mit kleineren Abzügen in der B-Note.
Die erste halbe Stunde der Serie wirkt noch etwas langsam und ziellos, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen und einfach weiterschauen. Denn es wird sich viel Zeit für die Exposition der beiden Hauptcharaktere und ihrer Seiten genommen. Hier der vom Leben gezeichnete FBI-Agent, der eigentlich nicht mehr wirklich in den aktiven Dienst zurückkehren möchte, dort der Müllmann Robin Hood, der aus Rache eine Drogen-Motorrad-Gang bestiehlt. Was beide gemeinsam haben: Ein schwieriges Familienleben. Diese Themen behandelt die Serie intensiv, die Ermittlungsarbeit gerät teilweise sogar in den Hintergrund. Doch wenn die 7-teilige 1. Staffel nach dem starken Abschluss der Pilotfolge spätestens ab der Hälfte ihr Tempo findet, dann brilliert sie als vielschichtiges Werk, das Familiendrama, Gangrache und Kriminalermittlung gekonnt miteinander verbindet. Überraschend früh gibt es in Folge 5 und zu Beginn der stärksten Episode, der 6., bereits den großen Showdown, der großartig funktioniert (obwohl die Szene auf der Brücke leider nicht sonderlich gut aussah) und vor Konsequenzen nicht zurückschreckt.
Mein größter Kritikpunkt ist die Storyline nach dem Showdown. Denn die skizzierte Gefahr, die letztlich auch zum finalen Showdown führt, ist so überdeutlich und sollte für alle so naheliegend sein, dass es mich aktiv störte, dass niemand vorher darauf kam. Ich muss es so umschreiben, um nicht zu spoilern: Kurzum, das ist viel zu vorhersehbar und diese mögliche Bedrohung hätte auch für die FBI-Leute überdeutlich sein müssen. Darüber hinaus kann die ganze Geschichte durch die vielen Nebenhandlungsstränge manchmal etwas aufgebläht oder nicht ganz auserzählt wirken. Das störte mich lange Zeit allerdings fast gar nicht, doch das Ende rund um Ethan konnte mich nicht überzeugen. Auf der positiven Seite beeindruckten mich die dichte Atmosphäre, die twistreiche Handlung und die Charaktere mit Tiefe sowie ihren eigenen Hintergrundgeschichten. Besonders gelungen fand ich den Plot rund um einen möglichen Maulwurf, wodurch man miträtseln kann und niemandem so richtig vertraut.
Ein großes Faustpfand ist natürlich das starke Ensemble. Mark Ruffalo funktioniert sehr gut in der Rolle des persönlich schwer gebeutelten FBI-Agents. Sein Gegenpart auf der anderen Seite wird stark von Tom Pelphrey als Räuber mit gutem Herzen verkörpert. Doch das wahre zweite schauspielerische Highlight neben Mark Ruffalo bietet Emilia Jones (Hauptdarstellerin im Oscar-Film Coda), die zeigt, dass sie eine große Schauspielkarriere vor sich haben könnte. Generell überzeugt der Cast auf ganzer Linie, was zu einer starken Immersion und erhöhter Glaubwürdigkeit beiträgt.
„Task” ist eine sehenswerte HBO-Crime-Serie mit interessanten Charakteren und einer ungewöhnlichen Mischung aus Familiendrama, Krimi und Robin Hood-Rache. Aufgrund eines für mich nicht ganz stimmigen letzten Abschnitts reicht die Serie nicht ganz an „Mare of Easttown” heran, sie lohnt sich aber für Fans des vielschichtigen, wendungsreichen Krimis, die auch privaten Problemen nicht abgeneigt sind. Die Serie war wohl ursprünglich als Miniserie gedacht, wodurch die 1. Staffel in ihrer Handlung auch komplett abgeschlossen ist. Dennoch soll es wohl noch mehr geben und ich werde gerne zu Staffel 2 zurückkehren.



