Sweetpea – Gemobbte wird zur grotesken Serienkillerin. Review Staffel 1

„Sweetpea” ist eine Comedy-Thriller-Serie mit Young Adult-typischen Romanzen und Krimielementen, die vor allem durch ihren grotesken Plot heraussticht. Denn Hauptfigur Rhiannon wird zur Serienkillerin, weil sie sich nicht gesehen fühlt, Tragödien aus der Gegenwart und Vergangenheit mit sich herumschleppt und diverse Rachegefühle hegt. Wird dem Mauerblümchen, dem niemand so etwas zutrauen würde, in dieser Buchadaption jemand auf die Spur kommen?

Für Rhiannon (Ella Purnell, ganz gut, „Fallout”), die von ihrem Boss „Sweetpea” genannt wird, kommt es knüppeldick. Die Anfang 20-jährige Frau wird auf der Arbeit ignoriert und nur zum Teekochen verdonnert, obwohl sie Ansprüche hegt „Junior-Reporterin” zu werden, sie lebt und pflegt ihren kranken Vater, auch romantisch läuft bei ihr wenig. Sie wünscht sich nicht mehr als Aufmerksamkeit und gesehen zu werden. Zu ihrer generellen Unzufriedenheit kommen komödiantisch schnell einige Schicksalsschläge, die das Fass zum Überlaufen bringen. Zunächst verstirbt ihr geliebter Vater, dann am selben Tag auch noch ihr Hund und zusätzlich droht ihre Schwester ihr damit ihr Haus zu verkaufen – doch das Schlimmste kommt erst nach – an ihren High School Mobberin Julia (Nicôle Lecky). Für Rhiannon ist das alles zu viel, so dass ihr eines Abends nach einer Konfrontation mit Julia die Nerven durchbrennen. Kurzerhand sticht sie einen Zufallspassanten ab, der ihr quer kam. Dadurch verändert sich ihr ganzes Leben, denn sie erhält auf einmal Selbstvertrauen! So läuft es schlagartig im Job und auch in den Romanzen besser. Doch kann sie jemand aufhalten?

Die Geschichte wird danach noch immer wirrer und weniger glaubwürdig, man muss „Sweetpea” als „High-concept-Thriller” verstehen, um weiterhin mit der schwarzhumorigen, absurden Handlung Spaß zu haben. Spätestens mit der Wendung nach Julias Entführung, wird die Geschichte völlig absurd und überdreht, was mir leider nicht mehr so gefallen hat. Auch das typische Love-Triangle konnte mich weniger begeistern, doch das Hocharbeiten bei der Zeitung, die zwanghafte Suche nach Makeln der Ermordeten um sie öffentlich zu diskreditieren und eine gewisses Leuchten in den Augen von Rhiannon, nachdem sie gemordet hat, konnten mich positiv stimmen. Der Ergründung ihrer Psyche und warum sie sich durch brutale, blutige Morde endlich lebendig fühlt, hätte man für mich noch etwas mehr auserzählen dürfen. Die Darsteller sind alle recht zweckmäßig, Ella Purnell ist klar die beste Schauspielerin in dieser Serie voller karikaturesker Figuren. Die Comedy zieht sich vor allem aus den absurden Situationen.

Die erste Staffel endet nach 6 Folgen á etwa 40 Minuten mit einem Cliffhanger, insgesamt gibt es aktuell (2025) bereits 5 Bücher in der „Sweetpea”-Reihe, somit stehen der Serie theoretisch noch zahlreiche Türen offen – sollte sie denn gut genug ankommen. Ich möchte die Serie als leichte, recht unterhaltsame, etwas groteske Young-Adult-Comedy-Thriller-Kost durchaus empfehlen, allerdings kann „Sweetpea” auf keiner Ebene wirklich brillieren.

75/100
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