Stranger Things Staffel 5 – Wähle dein eigenes Ende!

Nach insgesamt 10 Jahren findet Stranger Things mit Staffel 5 ein Ende. Wer meine Gesamteindrücke zur Kultserie unserer Zeit mit Prozentbewertung lesen möchte, dem empfehle ich mein Review der ganzen Serie. In diesem Text lasse ich ein wenig meine Gedanken kreisen ohne auf ein spezielles Ziel hinzuarbeiten. Es gibt minimale Spoiler.

Ich könnte groß über fehlende Glaubwürdigkeit der Charaktere sprechen, die alle von Schauspielern (häufig schwach) verkörpert werden, die mindestens 5-10 Jahre älter als ihre Rolle sind. Ich könnte mich darüber beschweren, wie „Stranger Things“ ein einziges CGI-Gewitter mit schwach aussehenden Kulissen, noch hässlicheren Hintergründen und fragwürdiger Ausleuchtung ist. Ich könnte mich über zahlreiche sinnlose Gespräche aufregen, die Figurenentwicklungen möglichst ungelenk durchs Reden statt durch Aktionen („Show don’t tell!“) vorantreiben. Ich könnte laut fragen, was die ganze Nummer mit dem Militär eigentlich soll und inwiefern vor dem Zeitsprung rund ums Militär wirklich alles gut ist (und warum Hopper ungestraft x Leute töten darf). Ich könnte mich über ein Ende aufregen, was die Zuschauer selbst wählen lässt, ob es eine gewisse Gravitas gibt oder nicht. Oder mich fragen, wie sinnig die Opferlogik eigentlich ist. Oder genauer auf die ganzen möglichen Plotholes, Anschlussfehler und nicht durchdachte Sequenzen blicken. Oder den komischen „Stein der Weisen“ mitsamt „Abyss“ und anderen Forschungsbösartigkeiten hinterfragen. Ich könnte mich aber auch über gelungene Referenzen, einen charmanten Cast, einige wundervolle Kamerashots und Schnitte, ein paar stimmige Gags, schöne Musikmontagen, einige epische Kampfmomente (Let’s go Will!), die würdevolle Verabschiedung vieler Figuren und großartige Credits freuen. Auch wenn die positiven Punkte kürzer erscheinen, ist Staffel 5 weit von einer Katastrophe entfernt. Man bekommt die Story einigermaßen stimmig zu Ende erzählt, man sieht die Charaktere und die Welt gern wieder und kann stellenweise mitfiebern.

„Stranger Things“ war eine nostalgische jugendliche Abenteuerserie, eine Coming-of-Age-Geschichte mit Science-Fiction- und Horrorelementen mit etwas Verschwörungsthriller: Eine Hommage an King und Spielberg. Doch die Serie wurde von ihrem unglaublichen Erfolg übermannt und größer, als man je geglaubt hätte. Trotz zahlreicher Makel und Produktionsprobleme über die Jahre (Schauspieler ohne gemeinsame Drehzeit, Schauspieler, die zu schnell altern, zu viel Abstand zwischen den Staffeln) konnte die Fanbase stetig erweitert und bei der Stange gehalten werden (trotz einiger fragwürdiger Handlungsstränge), so dass die Serie zu einem Phänomen bei Nostalgikern, jungen Erwachsenen und Vielen dazwischen wurde. Das ist bemerkenswert. „Stranger Things“ war dennoch nie die Überserie, nie auf „Breaking Bad„-Niveau, nie auf „The Sopranos„-Niveau, nie auf früherem „Game of Thrones“-Niveau. Insofern kann man dies auch nicht von einer finalen letzten Staffel erwarten, die letztlich vieles zeigt, was bereits die vorherigen Staffeln ausmachte und – zumindest in den großen Momenten – einigermaßen richtig liegt. Dabei blicken die Macher – die Duffer Brothers – auch nochmal nostalgisch zurück auf die letzten 10 Jahre und versuchen den Abschluss so zu gestalten, wie sie glauben, dass die Zuschauer es gern sehen wollen würden. Und genau das reicht vielleicht am Ende auch aus und passt perfekt in unsere heutige Zeit, die häufig den Remix der Originalität vorzieht, im Mainstream selten mutig ist und in Greenscreen-Welten aufgehen kann. Insofern ist „Stranger Things“ nicht die beste Serie der letzten 10 Jahre, aber eine der beliebtesten, prägendsten und meistgeschauten. Und das sagt doch einiges aus. So oder so: Das Ende ist folgerichtig und passt zur Serie. Wirklich gut ist es aber nicht.

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