Steal – Wer wusste vom Raub des Jahrhunderts? Review Staffel 1

„Steal” ist eine britische Thrillerserie, die mit einem Raub beginnt und dann überraschend schnell zum Verschwörungsthriller wird. Diesmal wird keine Bank ausgeraubt, sondern ein Investment-Fond für Pensionen mitten im Londoner Finanzsektor. Doch wer steht hinter der Räuber-Truppe, deren Namen offensichtlich an „Haus des Geldes” angelehnt sind und die 4 Milliarden erbeuten? Und was wussten die Mitarbeiter der Investmentfirma, speziell Hauptfigur Zara?

Die erste Folge von „Steal” ist großartig. Die Darstellung eines Raubes aus der Opferperspektive sorgt in der Pilotfolge für große Spannung. Das etwas andere Setting im Finanzsektor bringt frischen Wind, die Abläufe und der Spannungsaufbau ist derselbe wie bei einem gut inszenierten Bankraub. Doch dieses hohe Niveau kann die Serie leider nicht über ihre insgesamt 6 Folgen aufrechterhalten. Nach dem bedrohlichen Auftakt werden immer wieder neue Fraktionen, neue Mitwisser und neue angebliche Drahtzieher präsentiert und auch Zwistigkeiten innerhalb der Fraktionen stehen auf dem Programm. Somit bleibt das Tempo irgendwie hoch, aber alles wird auch schnell immer dümmer, immer unlogischer und man entfernt sich gedanklich von jeglicher Sinnhaftigkeit. Warum muss beispielsweise zwingend der MI5 in die Story eingequetscht werden, der eher wie eine Gruppe von Auftragskillern als wie eine Geheimbehörde inszeniert wird? Warum müssen MI5 und Polizei gegeneinander arbeiten? Warum braucht es bei der Räubergruppe interne Probleme? Und was bezwecken die Diebe, bzw. wie werden sie gesteuert? Irgendwann handelt auch Hauptfigur Zara fast wie eine Agentin.

„Steal” wird nach der starken ersten Episode ein Durcheinander von Ideen ohne spürbaren roten Faden. Glücklicherweise sind die Darsteller, speziell Sophie Turner („Game of Thrones”) in der Hauptrolle und Archie Madekwe überwiegend gut, Turner trägt die ganze Last der Serie auf ihren Schultern. Die Charaktere sind manchmal arg wankelmütig und wenig rational. Einige Nebenhandlungsstränge funktionieren besser (Zaras Mutter), andere schwächer (Spielschulden). Die Inszenierung konnte mich nach dem Abschluss der ersten Folge leider auch nicht mehr überzeugen. Besonders schwach choreographiert sehen einige Actionsequenzen in der letzten Episode aus, wenn dann auch mal rumgeballert wird. Die Produktion ist solide, manchmal ist es draußen schon hell, während die nächste Szene wieder Dunkelheit suggeriert. Dennoch gelingt es die ganze Zeit über eine Drohkulisse aufzubauen, so dass „Steal” interessant bleibt. Die Auflösung fand ich letztlich als okay.

Im Verlauf der Serie dachte ich an „The Undoing” oder „The Outsider”, die auch nach einer starken Pilotfolge auseinanderfallen. Leider reiht sich „Steal” in diese Riege nahtlos ein. Eine Empfehlung für die Verschwörungsthriller-Serie mit Heistelementen im Finanzsektor gibt es vor allem für die erste Folge, ob sich die Serie komplett lohnt, finde ich schwieriger zu beantworten. Doch auch wenn das Drehbuch hinkt, können die Darsteller überwiegend überzeugen, so dass „Steal” letztlich ein solider Thriller mit einem Highlight und ein paar guten Ideen ist.

73/100
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