Ripple – Stereotyphaltiges Schmalz-Ensemble-Drama. Review Staffel 1

„Ripple” ist ein Ensemble-Drama über einige Fremde, die sich in New York mehr zufällig über den Weg laufen und zu Freunden werden. Dabei hat jeder sein eigenes Päckchen zu tragen – Trauer, Krebs, Selbstfindung, familiäre oder berufliche Probleme. Die Gemeinschaft gibt ihnen einen notwendigen Halt, aber natürlich gibt es auch immer wieder kleinere Konflikte untereinander. Die Serie wurde ursprünglich für Hallmark entwickelt und leider merkt man das auch sehr deutlich. Sie ist trotz ihrer Themen sehr seicht, klischeebeladen und sieht billig aus. Anfangs konnte ich mich noch darauf einlassen, später wurde es etwas arg unglaubwürdig.

Im Zentrum der Serie stehen vier Personen. Nate, ein Barbesitzer mit einer gehörlosen Tochter (Bonus dafür, dass die Schauspielerin wirklich gehörlos ist), der mit seiner Frau eigentlich in Trennung lebt, dessen Leben aber durch eine Krebsdiagnose auf den Kopf gestellt wird. Kris, eine höher gestellte Managerin in einem Plattenlabel, die aber gefeuert wird, weil sie mit der heutigen Musikwelt und Emporkömmlingen über Social Media nichts anfangne kann und hofft den Geheimtipp in Bars zu finden (als ob sie 70 wäre, aber sie ist tatsächlich 40). Walter, ein Witwer, der mit der Trauer umzugehen versucht und dessen Freunde ihm mal mehr und mal weniger behilflich sind. Und Aria, eine junge Frau, die unbedingt schwanger werden will, aber auch noch super musikalisch talentiert ist – die erste Verbindung dürfte damit schon klar sein. Darüber hinaus gibt es noch einige andere Charaktere, die für kleine Handlungsstränge verantwortlich sind. So geht es einmal darum, ob die Liebe auch einen Umzug in eine andere Stadt übersteht oder darum, wie schwer es ist mit jemand anderem zusammenzuleben. Auch ein neunmalkluges neunjähriges, sympathisches Kind darf nicht fehlen. Die Serie zeigt den Alltag der Charaktere.

Alles ist Standard, alles ist mit zu viel Weichzeichner (besonders die Flashbacks) bedeckt, ein New York Gefühl kommt am Drehort Toronto nie auf, stattdessen fokussiert sich das Geschehen auf weninge Indoor-Lokalitäten und wirkt dadurch fast wie eine Sitcom. Die Handlungsstränge hat man alle so oder so ähnlich schon mal gesehen, die Schauspieler sind in Ordnung. Auffällig ist, wie einfach Konflikte aus dem Weg geschafft werden und man danach wieder miteinander umgeht, als sei das nicht mal passiert – Verrat inklusive. Auch dass einige Figuren maximal 1-2 Szenen über etwas traurig sein dürfen und danach so auftreten als sei nie etwas passiert, ist anstrengend und lässt für mich keine größere Verbindung zu den Charakteren zu. Weil sie sich nicht echt anfühlen. Ansonsten schwelen Probleme auch gerne mal, weil man es nicht schafft eine Textnachricht aus London zu schreiben und lieber die anderen raten lässt. Alles ist arg konstruiert und so gebastelt, dass es sich teilweise eher wie Science Fiction anfühlt. Als spiele „Ripple” in einer Parallelwelt. Das beste Beispiel dafür war das unfassbar quatschige Gespräch „Therapiegespräch” mit der Kundenservice-Mitarbeiterin des Internetanbieters. Ich spreche normalerweise nur mit KIs oder Menschen aus Asien, aber hier wird auch diese Gelegenheit zum zuckersüßen Gespräch, dass eine Figur über ihre Fehlgeburt hinwegtröstet. Es ist absurd. Auch dass der 70-jährige Witwer direkt nach dem Tod seiner Frau von seinen tollen Friends ein Datingprofil erstellt bekommt, finde ich unangebracht. Dass er sofort 20 Matches hat nur beknackt.

Natürlich kann man jetzt korrekterweise fragen: Hey, was erwartest du eigentlich? „Ripple” soll einfach seicht sein, positiv sein, keine zu große Fallhöhe haben und etwas, was sich wie eine warme Decke um einen legt, wenn man es nebenbei schaut. Daran ist erstmal nicht viel auszusetzen und „Ripple” funktionierte anfangs für mich auch noch auf diesem Niveau. Doch mit der Zeit störte mich der nicht betriebene Aufwand – die weichgezeichneten Flashbacks mit Charakteren, die bis auf eine andere Perücke gleich aussehen, obwohl sie halb so alt sein sollen, die fehlende Varianz an Locations und ständigen Wasserrohrbrüche, die die Handlung vorantreiben sollen. Irgendwann fand ich das alles einfach nicht mehr glaubwürdig. Hier werden nicht Menschen präsentiert, die von ihren neuen Freunden in schwierigen Zeiten aufgefangen werden und sich gegenseitig unterstützen, hier werden nur geschriebene Figuren gezeigt, denen ich hier Handeln schnell nicht mehr abkaufen kann. Weiterhin nicht hilfreich sind die steten Zeitsprünge, weil ohne mit der Wimper zu zucken Tage oder Wochen vergehen.

Auf einem oberflächlichen Niveau kann man „Ripple” als seichtes Ensemble-Drama durchaus empfehlen. Wenn man aber etwas in die Tiefe geht und normale Serienmaßstäbe daran ansetzt, gibt es zu viele Fallstricke, um die Serie anzupreisen. Ich fand sie noch ok, aber eher für Hallmark als für Netflix.

70/100
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