„Ponies” ist eine US-amerikanische Serie, die den Agententhriller mit der Buddy Komödie in einem 70er Jahre Setting in Moskau verbindet. Dort werden zwei Sekretärinnen in der US-Botschaft unverhofft zu CIA-Agentinnen, als ihre CIA-Männer nach einer Operation nicht lebendig zurückkehren. Fortan wollen sie die Tode aufklären und die Hintermänner finden. Figurenkonstellation und Setting wecken Erinnerungen an „The Nice Guys”, „Die Zwei”, ganz viel „James Bond”, aber auch „Booksmart”, den beliebten Film der Schöpferin Susanna Fogel. Der Spagat zwischen Comedy und hartem Spionagethriller gelingt meistens überraschend gut.
Die Männer von Bee (Emilia Clarke, „Game of Thrones„) und Twila (Haley Lu Richardson, „The White Lotus„) werden bei einer Mission getötet, mutmaßlich vom KGB. Weil speziell Bee das nicht auf sich sitzen lassen kann, setzen sie beim Moskauer CIA-Station Agent Dane Walter (Adrian Lester) durch, dass sie selbst nachspionieren dürfen, allerdings nur in einem kleinen Team. Bee scheint dafür zunächst besser geeignet, weil sie russisch spricht und bekommt schnell einen gefährlichen Auftrag erteilt. Sie soll mit einem KGB-Agenten anbandeln, der die Ränge aufsteigen will und im Verdacht steht seine Kollegen & CIA-Agenten zu erpressen. Die CIA möchte den Überwachungsort finden, wo alles Tapes zusammenlaufen. Während Bee ihren Job sofort voller Ernst und ausgesprochen gut bewältigt, fällt es bei der extravaganten Twila schwer sie korrekt einzusetzen. Doch mit der Zeit findet auch sie ihren Platz. Speziell in den letzten beiden Folgen nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf.
„Ponies” tut sich mit seinem eher klamaukigen Beginn nicht zwingend einen Gefallen. Anfangs ist der Humoranteil noch sehr hoch, alles wirkt überaus grotesk. Doch nachdem die Spionageermittlung ins Rollen gerät, lugt hinter dem Comedyvorhang ein knallharter, gut konzipierter Agententhriller hervor, der in einem spannenden Setting erzählt wird. Natürlich ist das alles nicht neu, CIA gegen KGB, vorgetäuschte Beziehungen um an Informationen zu gelangen, die Platzierung von Wanzen, das Einweihen weiterer Beteiligter, zahlreiche knappe Momente, in denen man als Zuschauer glauben soll, dass es jetzt um die Hauptperson geschehen ist. Dass es diesmal Agentinnen sind, erfindet das Rad zwar nicht neu, wirkt aber zumindest etwas frisch. Zudem funktioniert die Chemie zwischen Clarke und Richardson sehr gut, auch wenn primär Richardson lange Zeit darauf warten muss mal mehr als die überdrehte, tollpatschige und dennoch clevere Frau mit einem aufgescheuchten Blick zu spielen. Emilia Clarke ist durchgehend überzeugender.
Die Darstellerinnen sind gut, das Pacing könnte zu Beginn etwas schneller sein. Spätestens ab Folge 4 hat die Handlung ihren Groove gefunden, weil alle ihre korrekten Rollen eingenommen haben und das Erzähltempo bleibt bis zum Ende hin hoch. Natürlich gibt es auch noch einige Nebenhandlungsstränge, die ich nicht alle gebraucht hätte und teils darf man sich die Frage stellen, wie logisch die Figuren tatsächlich handeln. Dass beispielsweise gen Ende der große Auftrag eigentlich erfüllt wurde, die Person aber keine Anstalten macht dies zu melden und der Chef währenddessen irgendwo anders rumhängt, wirkt etwas seltsam. Solche kleineren Drehbuchprobleme gibt es immer wieder, wenn man sich darauf aber nicht fokussiert, stört es nur kaum. Ganz wundervoll ist der Soundtrack, der die Atmosphäre und das Setting unter einen Hut bringt und dabei einen 70er Jahre Banger nach dem anderen raushaut. Durch eine teils kreative Kamera und einen stilsicheren Schnitt, gelingt eine passende Inszenierung des Agententhrillers in glorreichem 4:3 Format.
Zusammenfassend ist „Ponies” für Fans von Buddy-Komödien und Spionagethrillern gleichermaßen sehenswert. Egal, ob man nur eines oder sogar beides mag, ist die Serie einen Blick wert. Dass dabei nicht alles großartig ist und es ein paar kleinere Makel gibt, kann man leicht verschmerzen. Ich würde gern noch mehr sehen, bislang ist eine 2. Staffel allerdings noch nicht bestätigt.



