„Pluribus”, die neue Serie von „Breaking Bad”-Legende Vince Gilligan, ist eine dystopische Dramaserie mit Comedy und philosophischen Fragen in der heißgeliebten unverwechselbaren Machart. Es geht um einen Virus, der die Menschen allerdings untypischerweise alle glücklich werden lässt. Doch natürlich hat das auch seine Fallstricke. Die Serie erinnert an „The Leftovers”, „Truman Show”, „The Last of Us” „Die Körperfresser kommen” oder auch „Black Mirror”, visuell werden sich „Breaking Bad”-Fans schnell im altbekannten Albuquerque Setting zuhause fühlen.
Am besten ist es, wenn man von der Handlung so wenig wie möglich weiß, deshalb halte ich es kurz. Carol (Rhea Seehorn), eine bekannte Autorin von Romantasy, wird direkt in die Apokalypse hineingeworfen. Doch das Besondere ist, dass nicht alle zu Zombies werden, sondern zu extrem netten Menschen. Carol teilt ihre vermeintliche Immunität mit einer sehr begrenzten Anzahl von Personen weltweit. Während sie versucht, die Menschheit zu retten, sehen viele ihrer Kollegen das ganz anders. Und so versucht sich Carol mit der Situation zu arrangieren. Oder findet sie etwa doch einen Weg, ihre Ziele zu erreichen?
Auch wenn die Prämisse der Serie etwas seltsam klingt, möchte ich schon mal vorwegnehmen: „Pluribus” lohnt sich. Trotz der angeführten Vergleichswerke habe ich noch nie eine Serie wie diese gesehen, sie sorgt für frischen Wind auf dem Serienmarkt – und das in wundervoller Optik. Es ist erstaunlich, wie Vince Gilligans Serien eine gemeinsame visuelle Identität verbindet, kaum jemand nutzt solche Kameraperspektiven und schafft es solch eindringliche, erinnerungswürdige Bilder zu erschaffen. Zudem ist das große Budget anhand der vielseitigen Schauplätze rund um die Welt verteilt, der zahlreichen Statisten und der steten Nutzung von Hubschraubern sowie Flugzeugen, ganz offensichtlich. Das führt zu einer großen Authentizität und zu einem Haufen von absurden Szenen, wenn beispielsweise ein kleiner Bagger eingeflogen wird. Die Comedy zündet, die Inszenierung ist großartig, die Darsteller sind klasse, die Locations atemberaubend und die Story ist originell. Doch hapert es auch irgendwo?
Leider durchaus. Während die erste Episode noch absolut brillant und die zweite ganz formidabel ist, wird danach das Tempo spürbar herausgenommen. Es gibt zwar in der Mitte noch eine große Enthüllung, aber ansonsten fokussiert sich viel auf Carols Umgang mit der Krise und das Abhören von viel zu langen Telefonansagen. Das Erzähltempo ist bewusst entschleunigend gewählt und widersetzt sich damit heutigen Sehgewohnheiten. Es liefert aber auch spektakuläre Szenen an Drehorten über den Globus verteilt. Gegen Ende der 1. Staffel kommt es zu einem ungewöhnlichen Twist, speziell die Charakterentwicklung in der finalen Folge habe ich leider nicht ganz nachvollziehen können, es wirkte etwas forciert. Zudem bin ich mir noch nicht sicher, wie interessant die Bedrohung wirklich ist. Doch das Ende der 1. Staffel ist erneut absolut fantastisch und macht Lust auf mehr.
Zusammenfassend ist „Pluribus” noch nicht so gut wie „Breaking Bad” oder „Better Call Saul”, aber „Saul” hatte auch eher einen ruhigeren Beginn. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und habe immer noch große Hoffnungen, aber auch leichte Zweifel, dass sich das Konzept ewig trägt. „Pluribus” sollten sich alle ansehen, die eine einzigartige Serie suchen, die Vorgängerserien mögen oder vom gleichförmigen Serienmarkt gelangweilt sind. Das Anschauen lohnt sich, es hilft, wenn man etwas Geduld und einen gewissen Hang zur Absurdität mitbringt.



