„Land der Sünde” ist eine schwedische Krimiserie, die sehr viel Familiendrama enthält, weil die leitende Kommissarin persönlich in den Fall involviert ist. Das schreit natürlich „Interessenkonflikt”, aber hält sie dennoch nicht davon ab im Fall des Verschwindens (oder des Mordes) an ihrem ehemaligen Pflegekind zu ermitteln. Die Geschichte der 5-teiligen Miniserie mit einer Gesamtlaufzeit von 3,5 Stunden hätte man auch in einem zweistündigen Film erzählen können und am Ende geht es etwas wild drunter und drüber, aber die Auflösung ist gelungen.
Der jugendliche Silas verschwindet spurlos, nach 4 Tagen wird Kommissarin Dani Anttila (Krista Kosonen, stark, „Beforeigners”) von einer Person aus der Familie des vermissten Jungen gebeten, sein Verschwinden zu untersuchen. Dani befragt zunächst erfolglos ihren Sohn Oliver, der für Silas wie ein Bruder war – Silas war zuvor als Pflegekind Teil der Familie Anttila, die leibliche Familie des Jungen hasst Dani dafür. Schnell wird deutlich, dass beide Jungen Probleme mit Drogen hatten und in diesem Milieu Bekanntschaft mit üblen Gestalten des organisierten Verbrechens machten. Nachdem Silas noch in Folge 1 tot aufgefunden wird, dringen Dani und ihr neuer Kollege Malik immer tiefer in den Sumpf von Familienfehden, Drogenhandel und persönlicher Befangenheit ein: Denn Danis Sohn Oliver ist einer der Hauptverdächtigen!
Der Interessenkonflikt ist so überdeutlich und sollte gar nicht stattfinden, er ist aber ein integraler Bestandteil der Story. Wenn man das als zu unlogisch und störend empfindet, sollte man die Miniserie nicht schauen. Darüber hinaus ist das Tempo der Serie zu Beginn etwas gemächlich, die ersten beiden Folgen nehmen sich viel Zeit, um zu einem Punkt zu kommen, der von Beginn an vorhersehbar ist. Doch danach bricht die Story jedoch auf und Krista Kosonen kann zeigen, was sie schauspielerisch leisten kann. Ab der Mitte wird das Tempo leicht erhöht, in der letzten Folge wird ein Twistfeuerwerk abgebrannt. Dennoch hätte man auch den ein oder anderen Handlungsstrang kürzen oder weglassen können, um einen soliden zweistündigen Film zu basteln, doch Miniserien sind heutzutage wohl lukrativer.
Die Serie ist solide inszeniert und lebt von ihrer bedrückenden, melancholischen Atmosphäre und den Drohgebärden der selbstjustiz-freundlichen Dorfmenschen. Natürlich kann man kritisieren, dass einige Charaktere nicht immer schlau handeln, aber bei dem Level der persönlichen Involvierung Danis und ihrer schwierigen Ermittlungssituation kann ich ihre Beweggründe gut nachvollziehen. Es werden einige passende falsche Fährten gelegt und die Auflösung empfand ich als gelungen. Das, was danach geschieht, ist allerdings etwas willkürlich.
„Land der Sünde” ist kein großer Wurf oder die Neuerfindung des Nordic Noir Genres (dafür gibt es ohnehin zu wenig Schnee), aber ein gelungener Mix aus Krimi und Familiendrama, der vor allem durch sein wendungsreiches Ende und seine dichte Atmosphäre funktioniert. Leider gibt es auch einige (größere) Makel, so dass es keine Universalempfehlung von mir gibt. Wer aber Lust auf eine kurze Krimiserie mit vielen Familienverstrickungen in Schweden hat, kann „Land der Sünde” eine Chance geben.



