„Kacken an der Havel” ist eine deutsche Familiendrama-Comedy mit Rap-Thematik und völlig absurden Figuren und Handlungssträngen. Überraschenderweise fand ich die Comedy stellenweise ganz amüsant und musste häufiger schmunzeln, auch wenn nicht alles Gold ist, was in „Kacken” glänzt. Die Serie wandelt zwischen „cringe” und „witzig”, ist aber überwiegend unterhaltsam. Sei es über die ständigen Metagags, Referenzen oder die recht liebevolle Familiengeschichte mit mehreren ungleichen Vater-Sohn-Duos.
Die Ausgangslage ist absurd: Toni (Anton „Fatoni” Schneider) versucht sich in Berlin als Rapper, hat aber kaum Erfolg und arbeitet stattdessen als Pizzabäcker. Kurz vor einem bevorstehenden Rap Battle erhält er den Anruf, dass seine Mutter verstorben ist, was er zum Thema macht und damit Aufsehen erregt. Zur Beerdigung seiner wenig geliebten Mutter kehrt er in sein Heimatdorf, das titelgebende „Kacken an der Havel” in der brandenburgischen Provinz zurück, wo ihn auch sein 13-jähriger Sohn (Sky Arndt) erwartet, von dem er bisher nichts weiß. Doch eigentlich will er nur schnell zurück nach Berlin, weil dort ein Label nach seinem Battle-Rap-Auftritt Interesse an ihm zeigt und ihn eventuell unter Vertrag nehmen möchte. Nun muss Toni Familie und die große Chance auf die Musikkarriere unter einen Hut bekommen.
Natürlich ist die Story eher sekundär und dient nur als Vehikel für einen Haufen von Absurditäten, Referenzen, Gags und Metakommentaren. Wie man diese Comedy bewertet, wird sehr subjektiv sein. Ich war froh, dass es sich nicht um ein Feuerwerk von Fäkal uns Sexualhumor handelt, sondern man auch offensichtlich Spaß an anderen Dingen hatte. Großartig ist beispielsweise die völlig verrückte Obsession mit dem Film „Armageddon„, die in einer fantastisch-kitschigen letzten Folge mündet. Auch dass Veronica Ferres das Dorf als Bürgermeisterin mit harter Hand regiert, ist sehr amüsant. Auch die Netflix und Streaming-Metagags (Tudum) haben mich abgeholt, genau wie einige schöne anderen Referenzen und Musikeinlagen (Haddaway), die ich nicht alle vorwegnehmen möchte. Ich bin sicher, dass es für Deutsch-Raps Fans noch zahlreiche andere Eastereggs gibt, die ich aber aufgrund fehlender Vorbildung nicht bemerkt habe. Natürlich gibt es auch einige seltsamere Handlungsstränge, wie die Cousinen-Geschichte, die Stiefvater-Nummer und das sprechende Entlein namens Tupac, womit die Serie vielleicht etwas (unnötig) übertreibt. So wandelt die Serie auf dem Mittelweg zwischen cringe und lustig, die Bewertung, was einem gefällt, bleibt subjektiv. Auf jeden Fall bietet die Serie aber viel an.
Für mich waren einige Charaktere zu stark überzeichnet und das Erzähltempo nimmt sich in der Mitte einen Hänger. Die Darsteller sind alle recht zweckmäßig und schienen Spaß bei der Sache gehabt zu haben, obgleich man keine überragenden Leistungen finden wird. Mich konnte die Serie mit einigen guten Gags, einem interessanten Start und einem tollen Ende überzeugen. Somit ist „Kacken an der Havel” deutlich besser als es der schwache Titel vermuten lässt. Ich empfehle mal einen Blick zu wagen. Man wird schnell feststellen, ob die Familiengeschichte oder der spezielle Humor einen erreicht oder nicht.



