„I Love LA” ist eine HBO-Comedy über eine überwiegend weibliche Freundesgruppe in Los Angeles in ihren Zwanzigern. Auf den Spuren von „Girls” oder „Sex and the City” wandelnd, konzentriert sich „I Love LA” vor allem auf die Influencer und Agenten-Bubble. Dabei wird klassischer popkulturell aktueller (Web & Meme-) Humor mit viel Fremdscham, überzeichneten Charakteren und einigen guten Beobachtungen gemischt. Die Charaktere sind allerdings (bewusst) überwiegend unsympathisch.
Rachel Sennott, die ich in Shiva Baby und Bottoms ganz fantastisch fand, spielt nicht nur Hauptfigur Maia, sondern ist auch die Creatorin der Serie, die teilweise auch für das Drehbuch und die Regie verantwortlich ist. Es ist ihr Baby und insofern wundert es nicht, dass die Dialoge am Puls der Zeit sind oder das zumindest versuchen zu sein. Die dargestellte Influencer und Agenten-Bubble dürfte allerdings auf viele etwas abschreckend wirken. Die sehr starken Gegenreaktionen online kann ich allerdings nicht ganz verstehen oder teilen.
Zu Beginn feiert Maia ihren 27. Geburtstag und hat den Wunsch in ihrer Agentur für Influencer, Models und Co. Karriere zu machen. Daheim wartet ihr „normaler” Freund Dylan (Josh Hutcherson), doch ihr Leben wird von ihrer früheren besten Freundin Tallulah (Odessa A’zion, „Grand Army”) auf den Kopf gestellt, die aus New York zu ihrem Geburtstag anreist. Tallulah ist Influencerin und hatte auch mal einige größere Jobs, doch nun ist bei ihr Flaute angesagt. Nach etwas hin und her entscheidet sich Maia Tallulah zu managen und schnell gelingen erste Erfolge. Die erweiterte Freundesgruppe hat währenddessen mit Selbstfindung, Liebschaften und weiteren Problemen zu kämpfen.
Die Comedy zieht sich vor allem aus der Absurdität des Influencer-Geschäfts und den klassischen Mechanismen dessen. Klickfarmen, durchgescriptete, „spontane” Tik Toks, Fake-Freundschaften, verlogene Werbekampagnen, Machtgeschacher und ein bisschen #Metoo. Überraschen konnte mich davon allerdings nichts, wenig ist wirklich entlarvend, stattdessen bleibt die Handlung eher an der Oberfläche für ein paar eher billigere Gags. Manchmal funktionieren die, manchmal weniger, häufig gibt es Cringe-Momente. Highlights sind die selbstreferentiellen Sennott Gags (ihr „jüdisches Aussehen”) und der Gastauftritt von Elijah Wood. Ich war überwiegend solide unterhalten und habe verstanden, dass die unsympathischen Charaktere Teil des Konzepts sind. Sie nerven dennoch manchmal. Aber auch in den offensichtlichen Vorbildern fand man nicht alle Figuren super.
Kürzlich sagte Sennott, dass für sie „Girls” eine riesige Inspiration in vielerlei Hinsicht war. Insofern muss man nicht lange suchen, um die Prämisse von „I Love LA” zu verstehen: „Girls” im modernen LA in der oberflächlichen ans Smartphone geketteten Gen Z-Influencer-Bubble. Ob „I Love LA” dem Vorbild gerecht wird, muss die Generation selbst entscheiden. Ich belasse es gern bei der 1. Staffel, weil die Serie mir zu wenig Neues erzählt und die Figuren bisher nicht genügend Tiefe besitzen. Denn „I Love LA“ ist aktuell primär eine Comedy und keine großartige Dramedy mit emotionalen Spitzen.



