„High School” ist ein Coming-of-Age Drama über die Jugend des realen Musikduos Tegan and Sara, die nicht nur Schwestern, sondern eineiige Zwillinge sind. Angesiedelt in den 90er Jahren in Vancouver werden klassische Jugendthemen von Freundschaften, Liebe, Selbstfindung, Eifersucht, sexueller Identität und Eltern-Kind-Beziehung behandelt. Dabei bedient sich die Serie wechselnder Blickwinkel und in der zweiten Hälfte nimmt die Musik einen größeren Stellenwert ein.
Die nur 8-teilige Serie mit Folgen zwischen 20 und 30 Minuten ist deutlich weniger bunt, klischeebeladen und fröhlich als viele High School Vergleichsserien. Dadurch wirkt „High School” deutlich realistischer, allerdings auch etwas depressiver. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Buch der beiden Schwestern. Zu Beginn kommen Tegan (Railey Gilliland) und Sara (Seazynn Gilliland) an eine neue Schule und suchen dort Anschluss. Gegenseitigen Halt können oder wollen sie sich seit Kurzem nicht mehr geben, weil sie sich auseinandergelebt haben und immer häufiger streiten. Die Schwestern geraten in unterschiedliche Freundeskreise, wobei besonders Sara arg darunter leidet, dass ihre lesbische Beziehung zu Phoebe (Olivia Rouyre) geheim bleiben muss und auf sehr steinigen Wegen gebaut ist. Ein wiederkehrendes Thema ist, dass sich ständig jemand wie das fünfte Rad am Wagen fühlt – egal, ob in Freundschafts- oder Liebesfragen. Im Verlauf werden unterschiedliche Freundschaften geschlossen, während es immer wieder Probleme mit ihrer Mutter (Cobie Smulders, „How I Met Your Mother”) gibt, die sie gerne mal belügen. Ab der Mitte finden die Schwestern durch die Musik zueinander.
Ein gelungener Kniff ist die Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven, wodurch einige Figuren eine größere Tiefe bekommen. Zudem sieht man so einige Szenen zweimal und bemerkt, wie sie teilweise anders erzählt werden, weil die Wahrnehmung der Charaktere immer ihren Blickwinkel prägt. Ein gerne gewähltes Stilmittel, was ich beispielsweise in „The Affair” schon gerne mochte, aber auch hier exzellent funktioniert. Generell ist die Inszenierung sehr gut, die Musik wird schön mit dem Inhalt verwoben und einige Kameraeinstellungen sind sehr gelungen. Das mit weitgehend unbekannten Gesichtern gespickte Darstellerinnenensemble ist ganz großartig und sorgt für eine hohe Authentizität der Geschichte.
Das Erzähltempo ist zwar nicht das höchste, aber dennoch wird die Handlung nie langweilig. Schön finde ich, dass sich Zeit genommen wird, den Charakteren ihren Raum für Entwicklung zu geben. Als etwas zu ausgeprägt und stellenweise konstruiert, empfand ich die Eifersuchts-Thematik. Das ist allzu bekannt bei Liebschaften und aufgrund der unausgesprochenen Zwischentöne manchmal schwer zu erkennen, ob man auf Freundschaften eifersüchtig ist oder verliebt ist. Nur weil jemand eine andere Person umarmt, muss man z.B. nicht von einer Party fliehen. Zudem empfand ich das offene Ende als etwas enttäuschend. Doch es passt auch zu einer Serie, die stets leicht depressiv wirkt und entgegen klassischer Verläufe von High School Filmen und Serien konstruiert ist. Vielleicht ist das wahre Leben eben einfach so.
Zusammenfassend möchte ich „High School” absolut empfehlen. Ich hätte mich am Ende über eine Folgestaffel gefreut, was vermutlich das beste Kompliment ist. Fans von Coming-of-Age Dramen kommen auf ihre Kosten, das gut gespielte Zwillingsduo ist ein Extrabonus. Auch wenn die Serie das Rad nicht neu erfindet, gelingt eine dichte, glaubwürdige Atmosphäre. Gemeinsam mit der Musik führt das gerade in der zweiten Hälfte zu einem starken Gesamtwerk. Ein kleiner Geheimtipp, weil die Serie leider fast niemand kennt.



