Fellow Travelers – Die beste schwule Lovestory?

„Fellow Travelers” ist eine Historiendrama-Serie mit einer tragischen, schwulen Liebesbeziehung im Zentrum. Von 1952 bis 1986 erzählt die Miniserie in Schlaglichtern von Höhen und Tiefen dieser komplizierten Liebe und hangelt sich an für die Community historisch einschneidenden Ereignissen entlang. Die beiden Hauptfiguren arbeiten in den 50er Jahren in der Politik während der Kommunisten- und Homosexuellenjagd der McCarthy-Ära. Parallel geht es um die Rechte der Schwarzen, später streift die Geschichte die Ermordung von Harvey Milk und auch die Aids-Krise. Thematisch geht es speziell um die Diskriminierung von Schwulen und Lesben, sowie ihren Selbsthass und ihr notwendiges Versteckspiel vor der Wahrheit.

In den 50er Jahren treffen sich Hawk (Matt Bomer) und Tim (Jonathan Bailey), die beide für die US-amerikanische Regierung arbeiten. Schnell entbrennt eine leidenschaftliche Liebe, die allerdings extrem kompliziert ist, weil offen Homosexuelle von der Gesellschaft geächtet werden. Das intensiviert sich in der McCarthy-Ära, als vom gleichnamigen Senator eine Verdächtigungswelle („Red Scare”) gegen angebliche Kommunisten innerhalb des Regierungsapparats losgetreten wurde. Diese weitete sich kurz darauf auch auf Schwule und Lesben aus („Lavender Scare”), weil man glaubte, dass diese aufgrund ihrer sexuellen Orientierung einfach erpressbar wären. Dieser historische Kontext erklärt, warum Hawk und Tim ihre Liebe nicht ausleben können, sondern sich immer verstecken müssen – speziell, wenn sie weiterhin Karriere machen wollen. Somit driften die beiden häufig auseinander. Hawk denkt daran, sich offen mit einer Frau zu verheiraten und eine Familie zu gründen, Tim hat große Probleme mit seiner Religiosität, die er nicht so recht mit seiner sexuellen Orientierung in Einklang bringen kann. Doch ohne den jeweils anderen können die beiden auch nicht.

Die ersten 5 Episoden fokussieren sich noch sehr auf die 50er Jahre, zwischen den folgenden 3 Folgen finden größere Zeitsprünge statt. Die ganze Zeit über gibt es eine Rahmenhandlung, die im Jahr 1986 spielt, in der Hawk verzweifelt versucht, Kontakt zu einem an Aids erkrankten Tim herzustellen. Aufgrund dieser Konstruktion nimmt die Geschichte speziell im letzten Drittel deutlich an Fahrt auf, in den ersten 5 Folgen gibt es ein paar Längen und Redundanzen. Dennoch fällt das kaum ins Gewicht einer Geschichte, die nicht nur oberflächlich von den ganzen Diskriminierungen der Schwulen- und auch der Schwarzen-Community in einem Nebenhandlungsstrang (durch Jelani Alladin getragen) erzählt. Sei es von der steten Angst entdeckt zu werden, den intimen Befragungen und pseudowissenschaftlichen Tests von Ärzten, die jemanden der Homosexualität „überführen” sollten oder ekelhaften Elektroschocktherapien zur „Heilung”. Dabei kommt auch die Rolle von Lucy (Allison Williams) nicht zu kurz, die unbewusst als Scheinfrau für Hawk agiert. Was macht es mit einer Frau und einer Familie, wenn der Vater und Ehemann eine Lüge lebt? 

Sehr positiv ist, dass die beiden Hauptrollen an offen queere Darsteller vergeben wurden. Das spürt man auch in der Chemie der beiden Hauptfiguren zueinander, die beiden spielen ausgesprochen überzeugend. Diese Authentizität merkt man auch an den doch recht expliziten Sexszenen, viel Dirty Talk und ein paar ausgelebten Fetischen/Kinks, die heterosexuelle Darsteller vielleicht nicht so ausgespielt hätten. Die Produktion ist darüber hinaus absolut solide. Inszenatorisch gibt es keine herausragend kreativen Kniffe, einzig die ständigen Zeitsprünge brechen das Klassische etwas auf. Die Kostüme sind gut, speziell die 50er Jahre wirken sehr authentisch. Die Alterungsmasken sehen okay, aber nicht großartig aus. 

„Fellow Travelers” ist über weite Strecken ein Politthriller, bei dem es um die stets reale Gefahr geht, dass die beiden Hauptcharaktere auffliegen könnten. Dennoch steht die Liebesgeschichte mit zahlreichen romantischen Szenen, viel Sex und typischen Höhen und Tiefen im Mittelpunkt. Durch die historische Einbettung und den diskriminierenden Kontext trägt die Serie naturgemäß ein anderes Gewicht als eine schwule Lovestory, die heutzutage spielt. Genau das gefiel mir ausgesprochen gut. Die Romanze selbst gewinnt hingegen keine Originalitätspreise, aber durch die Chemie der beiden Figuren wirkt sie authentisch. Zudem sind die Figuren keine durchweg positiven, sondern glänzen mit innerer Zerrissenheit und komischen Angewöhnheiten. Ich bin weiterhin kein ausgewiesener Fan des Genres (egal ob homo- oder heterosexuell), aber in „Fellow Travelers” werden Politik, Geschichte und Liebe kunstvoll miteinander verwoben.

Ich weiß nicht, ob „Fellow Travelers” vielleicht sogar die beste Serie über eine schwule Liebe ist, dafür habe ich zu wenige Vergleichsserien gesehen. Für mich landet das Romanzen-Epos aber aufgrund der historischen Tiefe in meinen persönlichen Top 5 der Serienromanzen (egal ob queer oder straight). Fans von „Heartstopper” oder „Heated Rivalry” können vielleicht auch mal einen Blick hineinwagen, obwohl der historische Kontext für einen gänzlich anderen Vibe und eine andere Schwere sorgt. Ansonsten ist „Fellow Travelers” etwas für Freunde von historischen Politthrillern.

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