„Enemy of the People” ist eine finnische Krimithriller-Serie mit Verschwörungselementen, in der die Journalistin Katja Solonen (Kreeta Salminen) im Zentrum steht, die innerhalb der Stadtverwaltung Tamperes auf finanzielle Ungereimtheiten stößt und nachfragt. Schnell ereignet sich ein Mord, die Zeitung berichtet darüber, forscht nach und Katja muss zahlreiche Hindernisse überspringen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Im nordischen Bereich erinnert die Serie an „Follow the Money”.
Die ehrgeizige Investigativjournalistin Katja Solonen ist neu in der finnischen Stadt Tampere und beschäftigt sich in einem ihrer frühen Artikel mit einem ehemaligen Ex-Fußballstar, der sich eigentlich mit einer Millionen Euro am Bau eines neuen Fußballstadions beteiligen wollte, dies aber weiterhin nicht geschehen ist. Ihr Artikel führt zu zahlreichen Anfeindungen im Web (die durch eingeblendete Tweets angedeutet werden) und in ihrem Alltag, zudem ist der Bürgermeister der Stadt nach ihren Nachfragen nicht gut auf sie zu sprechen. Doch schnell nimmt die Geschichte eine neue Wendung, als der besagte Ex-Fußballprofi in Barcelona verstirbt, die dortige Polizei geht von einem Mord aus. Doch dieser Mord bedeutet nicht das Ende, sondern ist der Auftakt, um eine viel größere Verschwörung aufzudecken.
Spätestens an dieser Stelle entscheidet sich „Enemy of the People” kein klassischer Krimithriller zum Miträtseln zu sein, sondern stattdessen die Erzählung, wie die ehrgeizige Journalistin den Hintermännern auf die Schliche kommt. Das nimmt leider etwas die Spannung heraus, weil man bereits in Folge 2 den Täter und kurz darauf auch alle Drahtzieher kennt – man weiß ständig mehr als die Hauptfigur, wodurch die Geschichte ziemlich vorhersehbar wird. Ich hätte es bevorzugt, wenn sich die Serie mehr dem Thriller verschrieben hätte und noch länger Informationen im Dunkeln gelassen hätte. So wird die Geschichte fast aus zwei Perspektiven erzählt, einmal Aufklärer-, einmal Täterseite. Wenn man sich darauf einlässt, wird allerdings eine solide konstruierte Kriminalgeschichte erzählt. Einige Handlungsstränge hätte ich so nicht gebraucht (die Affäre), einige Dinge hätten besser erklärt sein können (das Schneeballsystem), andere Momente besser auserzählt werden dürfen (Hasskommentare im Web). Doch im Kern ist Katjas Drang, den Fall aufzuklären, interessant und gut erzählt. Speziell die Hindernisse im Inneren, als sie von ihrem Chefredakteur gemaßregelt wird, zeichnen ein überzeugendes und leider allzu realistisches Bild von (Lokal-)Redaktionen, deren Leiter sich mit Bürgermeister und weiteren Personen in Machtpositionen gut stellen müssen. Auch der „Boys Club” wirkt realistisch.
Die Produktion ist solide, die Darstellerleistungen sind in Ordnung, die Inszenierung ist klassisch, das Erzähltempo könnte teilweise etwas höher sein, aber die 8 Folgen à etwa 40 Minuten langweilen auch nicht. Ich mochte die Atmosphäre und die Reporterarbeit, leider sind einige Charakterentscheidungen gerade gen Ende aber etwas unverständlich. Wer würde bei einem Mordverdächtigen ins Auto einsteigen und ihn zu seiner Waldhütte begleiten? Genau. Niemand. Letztlich sind dies aber kleinere Makel, denn die Hauptgeschichte funktioniert von vorne bis hinten.
„Enemy of the People” ist eine solide Journalismus-Serie mit Verschwörung und Mord, die das Rad nicht neu erfindet und sich selbst etwas die Spannung nimmt, aber im Kern gut konzipiert ist. Eine uneingeschränkte Empfehlung gibt es aufgrund der Makel nicht, aber man kann sie sich durchaus mal ansehen.



