End of summer – Das Familientrauma wird 20 Jahre später entschlüsselt. Review Miniserie

„End of Summer” ist eine schwedische Crime-Mysterythriller-Serie, die auf zwei Zeitebenen vom Verschwinden des 5-jährigen Billy und der Aufklärung der Taten direkt danach handelt. Die damaligen Geschehnisse werden nun in der Gegenwart entschlüsselt – 20 Jahre später. Die zunächst sehr wirr und etwas ziellos wirkende Romanadaption kann besonders mit ihren letzten beiden fiesen Folgen und speziell der starken, finsteren Auflösung punkten.

In 2004 leitet Vera (Julia Ragnarsson) als Psychologin eine Selbsthilfegruppe für Trauernde. Jedoch steht sie aktuell unter Beobachtung, weil sie sich auf einen vorherigen Patienten sexuell einließ, was natürlich ein absolutes „No-Go” ist. Doch ihr Leben ist noch nicht kompliziert genug, denn nun tritt der große Elefant der Vergangenheit wieder auf den Plan. In ihre Selbsthilfegruppe begibt sich ein junger Mann namens Isak, der behauptet, adoptiert worden zu sein und von seiner Kindheit nur noch Bruchstücke weiß – doch als er diese erzählt, fühlt sich Vera direkt an ihren Bruder Billy erinnert. Der verschwand damals im Alter von 5 im Jahr 1984, ein Hauptverdächtiger verschwand kurz später und daraufhin beging die Mutter Selbstmord, was die junge Vera damals sogar mitansehen musste. Vera gibt sich für alles die Schuld und ist schwer traumatisiert, deshalb triggert Isak in ihr das Bedürfnis endlich herauszufinden, was damals passierte. Zudem hofft sie in ihm ihren verschwundenen Bruder Billy wiederzuerkennen und die beiden versuchen gemeinsam die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Die Handlung in 2004 ist etwas wirr und überwiegend davon dominiert (keine Ahnung, was diese Nebengeschichte rund um Leon soll), dass Vera glaubt, ihren Bruder wiedergefunden zu haben und diese Möglichkeit ihrer Familie präsentiert. Doch schnell wird deutlich, dass Vera das schwarze Schaf der Familie ist. Sie ist nicht ohne Grund nach Stockholm gezogen und nicht in der Kleinstadt geblieben, weil zumindest Teile der Familie ihr die Schuld am Verschwinden Billys geben, weil sie ihn vermeintlich als letzte sah und nicht wollte, dass er mit ihr geht. Diese Situation bekommt man als Zuschauer mehrfach gezeigt, teilweise widmen sich sogar ganze Folgen dem Jahr 1984. Die Vergangenheit kümmert sich um das Entwirren eines Kriminalfalls, der immer größer wird und mehr Opfer sowie Suchende und Kommissare umfasst als ursprünglich gedacht. Diese Zweiteilung in Mystery-Entschlüsselung in der Vergangenheit und die mögliche Wiederentdeckung des erwachsenen Billy in der Gegenwart bestimmt die Handlung. Sie nimmt aber auch an vielen Stellen etwas Tempo heraus, generell wirken die ersten vier Episoden primär wie ein Aufgalopp, eine Exposition, bei der alles nur auf das große Finale zusteuert und manchmal auch etwas hindümpelt. Deshalb ist die Serie nicht ab Minute 1 unterhaltsam und man kann einige Charakterhandlungen lange Zeit nicht so richtig verstehen, würde darum bitten, dass zahlreiche Figuren endlich mal ihre offensichtlichen Geheimnisse verraten. Doch das passiert natürlich erst am Ende, in einem sehr bitteren, aber gelungenen Finale.

„End of Summer” benötigt etwas zu viel Zeit, um seinen Kriminalfall komplett auszuformulieren und die Handlung in der Gegenwart ist etwas zu einfältig, hier kann man Vera lange nicht wirklich verstehen. Doch wenn das Gewirr sich auflöst, ist das Ende packend, stimmig und atmosphärisch gelungen. Vielleicht ist die ein oder andere Kausalkette etwas zu einfach, doch das stört kaum. Somit ist die Miniserie ein „slow burner”, der im Finale überzeugt, zu lang braucht, um wirklich spannend zu werden, aber dennoch sehenswert ist.

76/100
Total Score
Nach oben scrollen