Ein Freund, ein Mörder – Wenn der beste Freund tötet. Review True Crime-Doku

Die dänische True Crime Dokuserie „Ein Freund, ein Mörder” wählt einen speziellen Ansatz um auf einen Mordfall und mehrere versuchte Straftaten zu blicken. Denn im Zentrum stehen einige Freunde des Täters und wie sie diese Bekanntschaft im Nachhinein verarbeiten. Parallel werden – True Crime typisch – die Verbrechen von einigen Interviewgästen nacherzählt, wobei diese Personen auffällig weit weg von den Opfern sind und eher zufällig (oder wegen Geltungsdrang) in die Fälle hineingerieten.

Der behandelte Fall ist noch recht aktuell. Mitte 2016 verschwand ein 17-jähriges Mädchen in Korsør, Dänemark, nachts auf dem Nachhauseweg. Infolgedessen suchen sowohl die Polizei als auch Zivilisten nach dem Mädchen. Lange Zeit ohne Erfolg. Doch später findet man ihre Leiche, vom Täter gibt es allerdings keine Spur. Das ändert sich erst 2023. 

In der dreiteiligen, insgesamt zweistündigen Miniserie (die genauso gut ein Film hätte sein können), werden die drei Folgen zwischen drei ehemaligen Freunden des Täters aufgeteilt, die jeweils die Hauptgesprächspartner für diese Folge sind. Parallel dazu wird der Fall nacherzählt. Von zwei Frauen, die 2016 zivil mitgesucht haben, von den Freunden, von einer lokalen Priesterin (die teils schlimme Dinge von sich gibt), von Zeugen. Leider gibt es keine O-Töne von Personen im Umfeld des Opfers, vom Täter oder von der Polizei. Dadurch fehlt es der Doku an Ausgewogenheit. In Dänemark nimmt man es als etwas seltsam wahr, dass sich die Freunde so sehr in den Mittelpunkt dieser Mordermittlung und deren Aufarbeitung stellen und die Sache nicht ruhen lassen können. Es gab bereits mehrere Dokus, nun schrieben die Freunde ein Buch und diese Netflix-Doku setzt dem Ganzen die Krone auf. Weil ich für die Beurteilung wie problematisch das ist, nicht tief genug drin bin, bleibe ich bei meiner Einschätzung:

Die Herangehensweise, dass die Freunde des Täters eine größere Rolle spielen, ist interessant und wirkt durchaus frisch. Tatsächlich ist aber eigentlich nur der beste Freund des Täters, der erst in der letzten Folge das Wort ergreift, wirklich hochspannend. Die Teilnahme der beiden Freundinnen zuvor vermitteln eher das Gefühl von erhöhtem Geltungsdrang, den man auch bei einigen der anderen Gesprächspartner vermuten kann. Wenn man sich die Doku hätte basteln können, wären sicherlich mehr von der Opferseite, dem Täter und der Polizei enthalten gewesen. Doch in der hier präsentierten Zusammenstellung fehlt viel und wirklich spannende Einblicke kann man durch die sachliche Nacherzählung der Ereignisse auch nicht liefern.

Somit bleibt eine solide True Crime Doku mit etwas anderem Fokus, die aber in den klassischen Bereichen von True Crime Dokus zu wenig zu bieten hat. Hinzu kommt, wie man den seltsamen Geltungsdrang der Beteiligten bewerten möchte.

68/100
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