Death by Lightning – Historiendrama trifft True Crime in der Politik. Review Miniserie

„Death by Lightning” ist eine 4-teilige Historiendrama-Serie mit Elementen des Politdramas und von True Crime, die sich mit der Wahl, sowie der Ermorderung des 20. Präsidenten des USA, James A. Garfield, beschäftigt. Sie erzählt durchaus gekonnt von einem vergessenen Präsidenten und einem noch mehr vergessenen Mörder in der US-Politiklandschaft um das Jahr 1880.

„Death by Lightning” wird grob aus zwei Erzählperspektiven präsentiert. Einmal steht James A. Garfield (Michael Shannon) im Mittelpunkt, der abgeschieden als Farmer lebt, allerdings auch Abgeordneter ist und zum Nominierungsparteitag seiner Republikanischen Partei reist – ohne große Ambitionen, nur als Unterstützer. Doch auf dem Parteitag kristallisiert sich nach unzähligen Wahlgängen heraus, dass der vordergründig ambitionslose, allerdings fähige Mann mit dem Herz am rechten Fleck ein Kompromisskandidat werden könnte, der den Stillstand überbrückt. Gleichermaßen sucht der Berufsbetrüger und Scharlatan Charles Guiteau (Matthew Macfadyen, „Succession”) vollkommen verzweifelt nach irgendeiner Möglichkeit berühmt zu werden. Er will, dass sein Name in die Geschichte eingeht. Deswegen schmeißt ihn der Ehemann seiner Schwester raus, sie wollen ihn in ein Sanatorium stecken, weil seine Ideen immer wahnhaftere Züge annehmen. Doch dem entzieht sich Guiteau, er versucht daraufhin hartnäckig in die Nähe des Präsidentschaftskandidaten zu kommen, irgendwie eine Hintertür zur Macht zu finden, was ihm in Form von Chester A. Arthur (Nick Offerman) vielleicht sogar gelingen könnte. Garfield hingegen zeigt sich als Staatsmann, der die Korruption und das Postengeschacher bekämpfen möchte, aber auch Bürgerrechte für Afroamerikaner nach dem Krieg angehen will. Mit seiner idealistischen Art eckt er damit an.

Die Miniserie ist ein formidabel ausgestattetes Historiendrama, dem man die dargestellte Zeit, das Setting, gut abnimmt. Die Kulissen sind schön, der Blick in die Hintergründe ist vielleicht nicht immer ganz überzeugend. Doch das Darstellerensemble überzeugt auf ganzer Linie. Aber obwohl Matthew Macfadyen ganz großartig spielt, ist seine Figur eigentlich nur traurig, bleibt aber dennoch recht oberflächlich, so dass ich von seinem Handlungsstrang nicht ganz überzeugt war. Die Politik rund um Intrigen, Inhalte, Rivalitäten, Wahlkampf und echten Fortschritt sowie das Familiendrama um Präsident Garfield ist hingegen sehr gelungen. „Death by Lightning” ist stilsicher inszeniert und solide produziert, der Fokus bleibt allerdings stets auf dem Inhalt. Besonders am Ende empfand ich allerdings einige Charaktere als etwas „übersinnlich”, mit zu viel Weitblick. Viele dieser Momente wirken eher wie ein Metakommentar der Schöpfer auf unsere heutige Gegenwart – Stichwort Rassismus, Fake News bei Medizin, Politikverdrossenheit und die historische Einordnung des Geschehenen – was der Serie leider etwas von ihrer Glaubwürdigkeit nimmt.

Man kann sich die Frage stellen, für wen diese Geschichte heutzutage eigentlich gemacht ist. Denn sie ist sehr nischig, erzählt aus einer eher unbekannteren, ruhigeren Zeitepoche der USA und ist vor allem Politdrama. Mir gefiel die Miniserie dennoch. Die politischen Momente empfand ich als spannend und interessant, es erinnerte mich an Vergleichsserien wie „House of Cards” oder „Borgen”, deren Fans ich auch „Death by Lightning” ans Herz legen möchte. Die Miniserie ist überwiegend unterhaltsam und wunderbar ausgestattet, sowohl im Setting als auch mit starken Darstellern. Somit gelingt die Historiendrama-Serie für Fans des Genres auf vielen Ebenen, obgleich noch etwas fehlt, um die Vergleichsserien zu übertrumpfen.

79/100
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