„Berlin und die Dame mit dem Hermelin” punktet natürlich mit ihrem hervorragenden deutschen Titel. Doch lohnt sich das zweite „Berlin”-Spin-off aus dem „Haus des Geldes”-Universum? Nicht wirklich. Denn leider schlägt das Pendel mehr in Richtung belangloser, überaus kitschiger Romanzen mit Telenovela-Vibes aus als in den Raub-Bereich. Die 8 Folgen hätte man auch in 4 erzählen können, wenn man sich auf den Heist konzentriert hätte.
Nach einem Ausflug nach Paris, den ich damals gemieden habe, weil ich nach den schwächeren hinteren Staffeln von „Haus des Geldes” keine Lust mehr auf die Welt hatte, formiert sich die Truppe nun wieder in Spanien. Genauer gesagt wollen sie einen Herzog in Sevilla ausrauben, der sie anheuern will „Die Dame mit dem Hermelin” von Leonardo Da Vinci zu stehlen. Nachdem die 8-teilige Miniserie schnell beginnt und sie ihrem Auftraggeber beweisen, wie gut sie sind, wird sich in der Mitte extrem viel Zeit für unzählige unspannende Romanzen genommen. Erst die letzte Folge bringt endlich den lang erwarteten Raub und natürlich den Cameo-Auftritt, der nicht fehlen darf.
Ich war nach der Ansicht enttäuscht. Ich habe das Gefühl, dass die Macher nicht ganz verstanden haben, was „Haus des Geldes” so gut gemacht hat. Natürlich gehörte auch damals die übertriebene Theatralik und komische Lovestories dazu, aber im Kern stand in den ersten beiden Staffeln ein wirklich spannender, groß und großartig geplanter Raubüberfall im Mittelpunkt. Es kamen Vibes auf wie bei „Inside Man” oder der „Ocean’s„-Reihe, die mit einer überdrehten Art und einer stylischen Inszenierung gekonnt verknüpft wurden. Doch diesen Fokus verloren schon die späteren Staffeln der Hauptserie aus den Augen und dieses zweite Spin-off ist leider mehr „GZSZ” als „Der Clou”. Wen interessiert die zwölfte Heirat Berlins? Wen interessiert die seltsame Dreiecksbeziehung, die nur beknackt wirkt? Wen interessiert es, wieso sich die jungen Liebenden auseinandergelebt haben? Und warum sind alle Räuber so verdammt unprofessionell und können ihre unendliche Wollust nicht mal kurz zurückstellen, um unendliche Millionen zu scheffeln? Es ist frustrierend, wie dämlich Charaktere sind, die angeblich Elite-Diebe sein sollen.
Was ist gut? Ganz klar: Die Heistsequenzen. Wenn sich die Miniserie auf den ursprünglichen Kern der Reihe besinnt, kann sie immer noch glänzen. Der Raub der Dame ist schön inszeniert, die anfängliche Infiltration gelingt auch. Die Feuergeschichte am Ende ist hingegen völlig überinszeniert. Ich habe mich leider relativ viel gelangweilt und durch den Kitsch durchquälen müssen. Dennoch ist die Produktion gut und auch die stylische Inszenierung ist weiterhin gegeben.
Zusammenfassend ist das zweite Spin-off vermutlich etwas für Fans des ersten und der hinteren „Haus des Geldes”-Staffeln, die kein Problem mit dem hohen Telenovela-Anteil haben. Für mich ist es leider nichts mehr und ich bin mit dem Universum erstmal fertig. Schade.



