Among Us – Die späte Adaption des Covid-Hype-Games hat ihre Momente. Review

Zu viele Jahre nach dem Hype gibt es nun eine animierte 10-teilige (Mini-)Serie zu „Among Us” mit einer Gesamtlaufzeit von knapp über 2 Stunden. Die Sci-Fi-Horror-Comedy erzählt eine Runde des Spiels. Alle verschiedenfarbigen Crewmitglieder sind an Bord eines Raumschiffs, auf einmal geschehen Morde von einem Alien. Doch das Schlimmste: Die Imposter (Aliens) sehen so aus wie normale Crewmitglieder. Somit verdächtigt nun jeder jeden und der besondere Kniff ist, dass man andere per Mehrheitsvotum ins All werfen und damit töten kann. Funktioniert das als Serie? Teilweise.

Die Animationsserie funktioniert visuell. Sie bedient sich der Ästhetik des Spiels und nutzt auch diverse Versatzstücke und Soundeffekte. Besonders gelungen empfand ich die Sequenzen, in denen kurzzeitig die Kamera aus dem Game verwendet wird. Die Animationen sehen gut, aber nicht großartig aus. Inhaltlich referenziert man viel und verliert sich teils in Anspielungen und (vermeintlichen) Insider-Gags (wie dem Kostüm-Crewmate). Allerdings versucht man sich auch an eigenen Ideen. Gerade anfangs erscheint alles noch als sehr wirr und chaotisch. Man möchte möglichst viel in die etwa 13-minütigen Episoden hineinzuquetschen und versucht sich sogar an einer Exposition zu den Figuren, die allerdings alle recht dümmlich und stereotyp wirken. Der Humor ist relativ flach, ab und an gibt es aber auch gute Beobachtungen oder gesellschaftskritische Kommentare, die man so gar nicht erwartet hätte. 

Deshalb ist die Serie bis zur Mitte ziemlich banal, überfrachtet und relativ langweilig. Kann man (nebenbei) schauen, kann man aber auch lassen. Doch glücklicherweise bringt Episode 7, die auf „Die 12 Geschworenen” anspielt, endlich die Wende. Durch eine dezimierte Teilnehmerzahl hat man Zeit Figurenkonstellationen auszuspielen. Der Fokus auf das gegenseitige Beschuldigen und die Auswirkungen solcher Behauptungen hilft der Handlung sehr, die sich überraschend auch um emotionale Tiefe bemüht. Auch danach wird sich auf die Stärken des Spiels fokussiert: Das Endgame, wenn es um Sieg oder Niederlage geht. Die letzten zwei Folgen sind dann actionreicher und ganz amüsant.

„Among Us” kann man sich durchaus ansehen, zumindest, wenn man früher das Videogame gespielt hat. Die erste Hälfte ist sehr chaotisch und wirr, in der zweiten Hälfte findet die Handlung aber ihren Rhythmus und liefert einige gute Momente. Insofern können Fans mit der Serie ihren Spaß haben. Personen, die bisher keine Berührungspunkte mit dem Videogame hatten, wird die Serie vermutlich eher nicht überzeugen können.

73/100
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