Agatha Christie’s Seven Dials – altbekannt, altbacken, altmodisch

„Agatha Christie’s Seven Dials” ist eine etwa 160 minütige 3-teilige Whodunit-Miniserie, die auf einem frühen Krimi der Autorin basiert, im Jahre 1925 spielt und mit Bundle Brent eine junge Frau in den Mittelpunkt stellt. Sie wird fast gezwungenermaßen zur Detektivin und gerät überraschend schnell in die Einflusssphären eines Geheimbunds, der Regierung und der Mächtigen, die alle einer bahnbrechenden „Zauberformel” für unfassbar starken Stahl hinterherlaufen, der die Kriegsführung revolutionieren könnte.

Die „Der letzte Joker” Adaption wirkt bereits in ihren Themen altbacken und altmodisch, der Plot erinnert doch eher an Stories von Escape Rooms, die häufiger Klischees, Altbekanntes und Nostalgie miteinander vermischen. Die erzählte Zeit von 1925 hilft auch nicht dabei, dass die Moderne Einzug erhält, einzig eine Frau als Hauptperson, die von allen nur belächelt wird, sich aber dennoch durchwühlt, wirkt einigermaßen zeitgemäß. Zu Beginn verstirbt in Folge einer Dinnerparty auf dem Brent Anwesen der Schwarm von Protagonistin Bundle (Mia McKenna-Bruce), dazu werden seltsamerweise 7 Uhren auf einer Kommode platziert. Die fast quälend langsame 1. Episode betreibt viel Exposition für die Hauptfigur und verwendet viel Zeit darauf, dass Bundle einen Suizid ausschließen und die Verbindung zu den titelgebenden Seven Dials finden muss. Erst am Ende der ersten Folge und in den folgenden Episoden beginnt die Handlung richtig. Kurz wird daraus ein klassisches „Whodunit” mit Gästen in einem Herrenhaus, doch danach wechselt die Ermittlung zum Showdown in einen Zug. Die finale Auflösung empfand ich allerdings als recht gelungen.

„Seven Dials” ist sicherlich kein Must see oder der nächste große Netflix Hit. Die Produktion ist solide, ich persönlich bin kein Fan dieser grässlichen, seltsamen Tiefenunschärfe, die heutzutage so beliebt ist, aber generell wissen Kulissen und Kostüme zu gefallen. Mia McKenna-Bruce, Martin Freeman und Helena Bonham Carter sorgen zumindest für ein gutes Darstellerensemble, auch wenn sie etwas altmodisch (aber passend) spielen. Auch die Inszenierung ist überwiegend klassisch, wobei es zumindest wenige visuelle Kniffe gibt. Die größten Probleme sind das zu Beginn völlig fehlende Tempo und eine Story um einen Geheimbund und eine Geheimformel, die aus der Zeit gefallen wirkt. Zudem wirkt die Entscheidung der Präsentation als Miniserie statt eines 100 minütigen Films nur noch kalkuliert, weil Serien wohl einfach besser funktionieren. Inhaltlich ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Ich bin gespannt, ob die Serie erfolgreich genug für weitere Agatha Christie-Miniserien mit Brundle sein wird, sie ist offensichtlich als Auftakt angelegt.

Agatha Christie Fans schauen zu, Whodunit Fans schauen Probe, der Rest schaut etwas anderes. „Agatha Christie’s Seven Dials” ist keine Katastrophe, aber ein altbackener, langsamer Krimi mit guten Darstellern und einer sehr klassischen Story, die allerdings den ein oder anderen guten Twist beinhaltet. Man kann selbst entscheiden, ob einem das reicht oder nicht.

70/100
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